Warten auf den Impfstoff Corona-Impfzentren in der Altmark sind bereit

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

In den vergangenen knapp zwei Wochen wurden in Sachsen-Anhalt die 14 Impfzentren vorbereitet, die das Land in seiner Impfstrategie Ende November festgelegt hat. Zwei Einrichtungen liegen in der Altmark und sind nunmehr einsatzbereit. In Gardelegen wurde ein leerstehendes Gebäude des Landkreises hergerichtet, in Stendal eine ehemalige Kita. Was noch fehlt, muss vom Land geliefert werden: Kühltechnik, Computer und allen voran der Corona-Impfstoff.

Corona-Impfzentrum in Stendal
Das Impfzentrum in einer früheren Stendaler Kita ist bereit. Zusätzlich sollen mobile Impfteams zum Einsatz kommen, sobald der Impfstoff verfügbar ist. Bildrechte: MDR/ Bernd-Volker Brahms

Wenn es nach den Akteuren vor Ort geht, dann können die Corona-Impfungen umgehend beginnen. "Es hängt jetzt alles an der Lieferung des Impfstoffes", sagt der Stendaler Hausarzt Dr. Jörg Böhme. Er wird ab Januar Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Sachsen-Anhalt werden. Der 53-Jährige hatte aber auch schon jetzt alle Hände voll zu tun. Der Allgemeinmediziner half mit, auf die Schnelle in Stendal ein Impfzentrum zu organisieren. Schon im Frühjahr war er federführend daran beteiligt, ein Fieberzentrum zu organisieren.

Wenngleich das Impfzentrum nun startklar ist, rechnet Jörg Böhme nicht damit, dass die Impfungen dort vor  Mitte Januar beginnen können. "Wenn wir den ersten Impfstoff bekommen, dann werden zunächst die mobilen Impfteams eingesetzt", sagt Böhme. Diese werden die rund 20 Seniorenheime im Landkreis Stendal ansteuern und dort impfen. Parallel werden auch die Krankenhäuser in Stendal und Seehausen versorgt. Dort werde durch eigenes Personal geimpft. Für ganz Sachsen-Anhalt sind zunächst rund 13.000 Impfdosen avisiert, so das Sozialministerium. Bei landesweit 14 Impfzentren ist das eine überschaubare Zahl, zumal jeder Patient zwei Dosen mit einem zeitlichen Abstand verabreicht bekommen muss.

Impfung nur mit Anmeldung

Einige Details seien aber noch zu klären, sagte Böhme am Mittwoch bei der Erstbegehung des Impfzentrums, das in Stendal in der Osterburger Straße in einer ehemaligen Kita eingerichtet wurde. Klar ist aber, dass jeder nur mit einer Anmeldung zum Zuge kommt. "Es braucht keiner spontan vorbeikommen", sagt Böhme.  Es werde derzeit ein Formular dafür vorbereitet.  Er warnt davor, dass möglichweise auch bei persönlichen Daten gemogelt werde, um eher dranzukommen. "Das wird nichts werden, das wird alles überprüft", so Böhme.

Für den Landkreis Stendal war die Einrichtung des Impfzentrums eine große Herausforderung, sagte Sebastian Stoll (CDU) als 1. Beigeordneter des Landrats. Unter großem Zeitdruck musste ein geeignetes Gebäude gefunden und umgebaut werden. Das ehemalige Kita-Gebäude bekam eine Rollstuhlrampe, die Sanitäranlagen wurden auf Erwachsene-Niveau gehoben, außerdem wurden Wände und Fassaden gestrichen und die Räume möbliert. "Wir warten jetzt noch auf die Kühlanlagen und die IT-Technik", sagte Stoll. Beides werde vom Land zentral für alle Impfzentren organisiert. "Es sind ja keinen normalen Kühlschränke", so Stoll. Der Corona- Impfstoff, der durch die Firmen Biontech und Pfizer entwickelt wurde und kurz vor der Zulassung steht, muss bei minus 70 bis 80 Grad Celsius gelagert werden.

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Johanniter und Rotes Kreuz helfen

Schwerer noch als die Herrichtung der Räumlichkeiten sei die Organisation des Personals gewesen, sagte der 1. Beigeordnete. "Wir haben in der Verwaltung angesichts der vielen zusätzliche Aufgaben durch Corona kein Personal mehr zur Verfügung", sagte Stoll. In der Situation konnte der Landkreis auf ein Netzwerk zurückgreifen, das seit der Flut 2013 eng zusammengearbeitet habe. Das Rote Kreuz und die Johanniter stellen nicht nur für die mobilen Teams die Fahrzeuge, sondern auch ein Großteil des Personals für den Ablauf im Impfzentrum.

Neben den vier Ärzten werden rund zehn Helfer täglich im Impfzentrum benötigt. Weitere Einsatzkräfte werden mobil unterwegs sein. "Wir sind den Arbeitgebern sehr dankbar, dass sie schon jetzt die Helfer freistellen", sagt Friedhelm Cario vom Roten Kreuz. Cario arbeitet seit mehr als 40 Jahren für das Rote Kreuz, er ist Katstrophenschutzbeauftragter und wird nun in den kommenden Monaten federführend für das Stendaler Impfzentrum verantwortlich sein.

Corona-Impfzentrum in Stendal
Johanniter und Rotes Kreuz wollen beim Impfen helfen. Bildrechte: MDR/ Bernd-Volker Brahms

Bis zu 250 Impfungen täglich

Auch beim ärztlichen Personal werden freiwillige Helfer eingesetzt. "Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgegeben", sagt der Stendaler Apotheker Dr. Uwe Sänze. Er ist schon länger Rentner und stellt sich nun auf eine längere und anspruchsvolle Arbeitsphase ein. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass das Impfzentrum mindestens ein halbes Jahr, aber eher noch ein Dreivierteljahr im Einsatz sein wird. Bis zu 250 Impfungen sollen täglich montags bis freitags vorgenommen werden.

"Ich rechne allerdings nicht damit, dass alle Menschen aus dem Landkreis hier geimpft werden", so Jörg Böhme. Sobald es Impfstoffe gebe, die in der Lagerung nicht so anspruchsvoll sind und tiefgefroren gelagert werden müssen, dann würden sicherlich auch die Hausarztpraxen verstärkt eingesetzt.

Auch Altmarkkreis Salzwedel startklar

Auch im Altmarkkreis Salzwedel ist alles startklar. In Gardelegen in der Philipp-Müller-Straße können in einer bisher leerstehenden Außenstelle des Landkreises pro Tag an zwei Impfstrecken bis zu 180 Menschen geimpft werden. Laut Landrat Michael Ziche (CDU) sind auch die Impfmobile startklar. Zwei Kleinbusse stellt der Landkreis für die mobilen Einsatzteams zur Verfügung. Für den Umbau der Außenstelle mussten rund 60.000 Euro ausgegeben werden, beim Landkreis Stendal kann die Summe derzeit noch nicht beziffert werden. Sowohl die Sach- als auch die Personalkosten bekommen die Landkreise vom Land erstattet, heißt es.

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Über den Autor Bernd-Volker Brahms wurde in Leer/Ostfriesland geboren und hat in Göttingen Deutsch und Geschichte studiert. Er hat 18 Jahre lang für verschiedene Zeitungen als Redakteur gearbeitet. Er ist politischer Reporter mit Leidenschaft. Brahms arbeitet im MDR-Regionalstudio Stendal.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Dezember 2020 | 07:30 Uhr

3 Kommentare

ElBuffo vor 21 Wochen

Wenn ich die Zahlen richtig deute, dann reicht es zunächst nicht einmal für das medizinische Personal. Kann man sich also mit den Impfzentren etwas Zeit lassen. Sollte man vielleicht sogar. Was ist wichtiger? Voll besetzte Praxen und Kliniken oder voll belegte. Da dürfte die Entscheidung einfach sein. Außerdem dämmert der Hochrisikogruppe inzwischen auch langsam, wer er es in der Hand hat.

Ritter Runkel vor 21 Wochen

Es sind klare politische Fehlentscheidungen, die zu dem Infektionsgeschehen geführt haben, was wir jetzt haben. Insbesondere die Daten, welche Personengruppen hochgradig gefährdet sind, schwere Verläufe zu erleiden und zu sterben, liegen seit dem Frühjahr vor. Zur Kenntnis genommen wurden die offensichtlich nicht, denn sonst kann ich mir nicht erklären, warum pflegebedürftige Menschen nicht besonders geschützt werden (auch durch klare und verschärfte Regeln für die Hygienestandards bei der Pflege, deren Einhaltung auch überwacht wird), wenn man vorgibt, eine Überlastung des Gesundheitssystemes und Tote vermeiden zu wollen.

MDR-Team vor 21 Wochen

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