Denkmal Altmark: Historisches FDJ-Straßenpflaster wird versetzt

Nach 60 Jahren wird das historische Pflastermosaik zur Erinnerung an den Jugend-Einsatz in der Wische versetzt. Hintergrund sind Straßenarbeiten. Dafür muss das Denkmal, das in einer Kreuzung liegt, entnommen werden.

Das Luftbild einer Kreisstraße zeigt ein Straßenpflaster mit FDJ-Symbol und der Schrift "Straße der Jugend"
Das FDJ-Symbol und der Schriftzug "Straße der Jugend", gelegt in Pflastersteinen, erinnern an die Kultivierung der Wische durch DDR-Jugendliche Ende der Fünfzigerjahre. Bildrechte: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Das FDJ-Pflastermosaik bei Seehausen in der Altmark wird versetzt. Hintergrund ist die Sanierung der angrenzenden Kreisstraße nach Geestgottberg, die am Montag begonnen hat. Wie der Landkreis Stendal mitteilte, soll sie künftig eine alternative Verbindung während des A14-Baus im Raum Seehausen sein. Dafür wird die Straße verbreitert und erhält neuen Asphalt. Sie muss zunächst bis Ende 2021 vollgesperrt werden.

Das Mosaik, das an die Kultivierung der Wische durch die DDR-Jugend erinnert, liegt bislang im Kreuzungsbereich zwischen der nun vollgesperrten Kreisstraße und dem Abzweig nach Esack. Das denkmalgeschützte Pflaster soll entnommen und ein Stück von der Kreuzung weg platziert werden. Wie der Landkreis weiter mitteilte, sollen bis zum Frühjahr 2022 zudem 109 Obstbäume entlang der Straße gepflanzt werden.

Mehr als 16.500 Jugendliche weilten in der Wische und setzten unter anderem 625 Kilometer Gräben instand oder zogen neue, errichteten 54 Rinderoffenställe, drei Jungvieh- und sieben Schweineställe.

Agenturmeldung des ADN (Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst) im Oktober 1960

Das erste Landwirtschaftsobjekt der FDJ

Tausende junge Menschen, vorwiegend aus dem damaligen Bezirk Magdeburg, waren von 1958 bis 1960 im Arbeitseinsatz in der Altmärkischen Wische. Sie war bis dahin ein nasser und dadurch schwer zu bewirtschaftender Landstrich. Pläne der SED-Führung sahen vor, sie in eine blühende sozialistische Landschaft umzugestalten. So wurde die Wische zum "Bauplatz der Jugend": Gräben wurden ausgehoben, Straßen, Wohnungen und Ställe gebaut und Weidezäune gezogen. Die Mitglieder der Jugendorganisation schafften es mit diesem ersten Landwirtschaftsprojekt der FDJ in der DDR, das Gelände in gutes Acker- und Weideland umzuwandeln.

Das Luftbild einer Kreisstraße zeigt ein Straßenpflaster mit FDJ-Symbol und der Schrift "Straße der Jugend"
Das Straßenpflaster mit dem FDJ-Emblem wurde erst im Jahr 2020 ins Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen. Bildrechte: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Was war die FDJ? Die Freie Deutsche Jugend (FDJ) wurde am 7. März 1946 gegründet. Sie war die Organisation der Jugendlichen von 14 bis 25 Jahren der DDR. In der FDJ sollte der Nachwuchs für die SED und die Blockparteien, die "Kampfreserve der Partei" herangezogen werden. Eine Mitgliedschaft war formal freiwillig. Wer nicht mitmachte, musste mit Beeinträchtigungen rechnen.

MDR/Bernd-Volker Brahms, André Plaul

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. August 2021 | 08:30 Uhr

7 Kommentare

Jana vor 13 Wochen

Das was sie als "locker zugehen"bezeichnen ändert ja nichts daran, dass es hier um die Gleichschaltung der Jugend ging. Nur weil man nichts ständig einen Uniformfetisch gepflegt hat wie in der HJ ändert sich ja nichts daran, dass man die Jugend dort indoktrinierte. Wenn die Jugendlichen sich dort wohl fühlen, weil sie fern der Eltern ungeqohnte Freiheiten und Möglichkeiten entdeckten umso besser für die Verantwortlichen dieser Gleichschaltung.

Dieser Straßenabschnitt ist wohl weniger wegen der üblichen (harten] Handwerksabreit als Denkmal erhaltenswert, sondern wegen der historischen Dimension der angesprochenen FDJ Aktion.

JanoschausLE vor 13 Wochen

Naja, wie das Foto zeigt, ging es wohl doch eher locker in der FDJ zu, was auch meine Erfahrung in den 80'ern war... Girls bauchfrei, die Jungs hochgekrempekt und offenes Hemd. ElBuffo, das Pflaster ist harte Handwerksarbeit

Jana vor 13 Wochen

@ElBuffo:
Warum sollte so etwas nicht als Denkmal zur Erinnerung an einen historischen Vorgang geführt werden. Wenn man bedenkt, dass der MDR bereits jetzt unter einem Artikel erklären muss, was die FDJ war, dann können solche Erinnerungspunte mit eventueller Erläuterung dabei nicht schaden.

Unabhängig davon, ob es denn Jugendlichen in der FDJ, abseits der Kontrolle der Eltern, gefallen hat war es nun mal die Jugendorganisation einer Einparteiendiktatur und eines der Kennzeichen, wie man in totalitären Staaten mit solchen Stasts- und Parteijugendorganisationen den Machtanspruch der Machthaber bereits von klein auf etablieren wollte.

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