Schwierige Finanzierung Fähre in Werben fährt Verluste ein

Für die Hansestadt Werben bringt die Fähre über die Elbe seit Jahren nur Verluste. In diesem Jahr könnten es mehr als 100.000 Euro werden. Ohne Landes-Hilfen geht es laut Bürgermeister nicht weiter. Doch ob die kommen, ist schon lange in der Schwebe.

Werbens Bürgermeister Bernd Schulze kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn er auf die Einnahmen und Ausgaben für seine Stadt schaut. "Die Haushaltsjahre 2017, 2018 und 2019 brachten der Hansestadt Werben einen Einnahmeverlust von 237.000 Euro. Nur was die Fähre betrifft!", sagte er MDR SACHSEN-ANHALT.

Das große Minus entstand durch Bauarbeiten: Die Zubringerstraßen von Havelberger und Werbener Seite hin zur Elbe wurden und werden saniert. Ab März wird auf Werbener Seite weiter gebaut. Der Bürgermeister schätzt das dadurch entstehende Minus für dieses Jahr auf 100.000 Euro. Dazu kämen fast 50.000 Euro TÜV für die Fähre. Und wenn der Havelberger Pferdemarkt im September wegen Corona wieder ausfallen sollte, entstünden noch einmal 25.000 Euro Verlust.

Fähre über die Elbe bei Havelberg zur Hansestadt Werben
Für die Stadt Werben ist die Fähre momentan ein reines Zuschussgeschäft. Bildrechte: IMAGO / Jürgen Ritter

Hilfe vom Land gefordert

Bernd Schulze weiß nicht mehr, wie er diese Spirale Richtung Bankrott aufhalten soll. Er sieht nur eine Lösung – finanzielle Hilfe vom Land. Deshalb hat er sich an das zuständige Ministerium gewandt. "Mir wurde auch zugehört im Verkehrsministerium, aber die schriftliche Antwort war nach drei Monaten: Wir müssten die Hansestadt Werben erst in der Konsolidierung versenken, und dann würde uns aus dem Ausfallstock geholfen werden", so Bürgermeister Schulze.

"Für das Land bedeutsame Fähren"

Ein Gesetzentwurf der Fraktion Die Linke im Landtag für die Fähren im Land und ein Antrag der AfD-Fraktion zum selben Thema wurde im März 2021 vertagt. Nun möchte Die Linke mit einem erneuten Entwurf erreichen, dass vom Land sämtliche Kosten der Fähren-Revisionen, also der TÜV-Untersuchungen, übernommen werden. Zudem soll das Land die Hälfte der Kosten bei Ausfall der Fähren tragen. "Ich hoffe, dass es in der Koalition ein Umdenken gibt und dass es eine gesetzliche Garantie für die Betreiber gibt, dass keine der landesbedeutsamen Fähren demnächst stillgelegt werden muss – und dass keine der Betreiber-Kommunen daran bankrott gehen muss", sagte Wulf Gallert (Die Linke) MDR SACHSEN-ANHALT.

Diese Fähren sind besonders wichtig Als landesbedeutsame Fähren gelten laut Verkehrsministerium: Aken, Barby, Brachwitz, Breitenhagen, Coswig, Elster, Ferchland-Grieben, Prettin, Pretzsch, Räbel (=Werben), Rogätz, Sandau und Wettin.

Nicht bankrott zu gehen, das wünscht sich auch Werbens Bürgermeister für die Hansestadt. Die Fähre dort gilt als für das Land bedeutsam. In dieser Woche berät nun der Verkehrsausschuss des Landtags den Gesetzentwurf zum Thema Finanzierung der Fähren. Das Verkehrsministerium teilte MDR SACHSEN-ANHALT auf Nachfrage mit, man werde dem zuständigen Ausschuss einen gut begründeten Beschlussvorschlag unterbreiten. Zu Inhalten gab es noch keine Auskunft. Für Werbens Bürgermeister heißt es also weiter abwarten und hoffen, dass die Hansestadt Werben nicht vergessen wird.

Das Elbtor in der Hansestadt Werben, Sachsen-Anhalt, 19 min
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MDR, Katharina Häckl, Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 07. Februar 2022 | 17:30 Uhr

4 Kommentare

part vor 43 Wochen

Das Land kann ja eine Brücke über die Elbe bauen zu Erhalt von Infrastruktur, nur die Kosten wären erhebliche höher und eine Attraktion für den Tourismus dahin, so oder so. Deshalb, wer Verkehrsinfrastruktur mit Gewinnaussichten verknüpft, hat in der Politik nichts zu suchen und sollte sich der Wirtschaft andienen.

Realist62 vor 43 Wochen

Der Realismus einer Demokratie ist mir bewusst. Man sollte aber bedenken, ob man weiter in so ein Verlustgeschäft oder in ein Bauwerk, daß die Menschen schneller und besser verbindet, investiert.

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 43 Wochen

Sie nennen sich doch Realist62. Dann sollten Sie ungefähr einschätzen können, wie lange sich allein schon die Planungsphase einschließlich aller Proteste dagegen hinziehen kann - ohne dass auch nur ein Spatenstich erfolgt ist. Und am Ende werden aus 5 Millionen € Kosten und 2 Jahren Bauzeit 8 Millionen und 4 Jahre.

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