Priorisierung bei Corona-Impfung Krankenhaus in Stendal impft Verwaltungsspitze vorzeitig gegen Corona

In Stendals hat sich die Spitze der Verwaltung des Johanniter-Krankenhauses gegen das Coronavirus impfen lassen, obwohl sie laut Impfplan nicht an der Reihe war. Die Krankenhausleitung behauptet, gesetzliche Vorgaben erfüllt zu haben.

Eingang des Johanniter Krankenhauses in Stendal
Die Verwaltung des Johanniter-Krankenhauses in Stendal steht in der Kritik, nicht den Impfplan eingehalten zu haben. Bildrechte: MDR/Friederike Lösch

Am Stendaler Johanniter-Krankenhaus sind Verwaltungsmitarbeiter geimpft worden, die nicht zu den priorisierten Impfgruppen zählen. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wurden die Mitarbeiter im Januar vorzeitig geimpft. Von den 90 Impfdosen, die zu dem Zeitpunkt dem Krankenhaus zur Verfügung standen, sollten zunächst die Mitarbeiter der Corona-Stationen, der Intensivstation sowie der Notfallaufnahme geimpft werden.

Nach Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT waren in dieser ersten Impfrunde allerdings auch mehrere Mitarbeiter aus der Verwaltungsspitze vertreten. Es gab Unmut und Unverständnis in der Belegschaft. Einige Ärzte kamen erst vor kurzem in der dritten Impfrunde dran.

Krankenhaus macht keine Angaben

Das Krankenhaus ließ auf Anfrage mitteilen, dass sie aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Informationen über das Vorgehen bei den Impfungen geben können. Die gesetzlichen Vorgaben würden erfüllt, hieß es nur.

Auf der Priorisierungsliste der Ständigen Impfkommission steht auf der ersten Stufe das neben dem Personal in Pflege und Alteneinrichtungen auch das Personal in medizinischen Einrichtungen. Dazu gehören Notaufnahmen, Personal, das COVID-19-Erkrankte betreut sowie Rettungsdienstmitarbeiter.

#MDRklärt Nach diesem Plan wird gegen Corona in Sachsen-Anhalt geimpft

In Sachsen-Anhalt beginnen am 27. Dezember die Impfungen gegen das Coronavirus. Doch weil noch nicht genug Impfstoff produziert wurde, wird die Bevölkerung in Stufen geimpft – je gefährdeter durch das Virus, desto eher.

In diesen Stufen wird die Bevölkerung gegen Corona geimpft
Das ist der Plan, in welchen Stufen die Menschen gegen Corona geimpft werden sollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
In diesen Stufen wird die Bevölkerung gegen Corona geimpft
Das ist der Plan, in welchen Stufen die Menschen gegen Corona geimpft werden sollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben.
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben. Bildrechte: MDRklärt
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften.
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften. Bildrechte: MDRklärt
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter.
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter. Bildrechte: MDRklärt
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Auch Polizisten wurden vorgezogen

In der vergangenen Woche war bereits bekannt geworden, dass mehr als 300 Polizisten im Landkreis Stendal vorzeitig geimpft worden. Das Landratsamt in Stendal bezeichnete die vorgezogenen Impfungen der Polizisten inzwischen als Fehler.

Das Sozialministerium bat den Landkreis Stendal um Aufklärung, wie es dazu kommen konnte. Zudem wies das Ministerium die Impf-Zentren an, sich strikt an die festgelegte Reihenfolge zu halten. Auch Impfstoff-Reste dürften nur entsprechend der Priorisierung genutzt werden. Das Ministerium schlug vor, Wartelisten von Personen zu erstellen, die man schnell erreichen könne, sollte Impfstoff übrig sein.

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Auch in Halle und Wittenberg wurde falsch geimpft

Auch in Halle gab es Kritik zur Umsetzung der Corona-Impfvorgaben. Per Sonderplan wurden Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) sowie zehn Stadträte geimpft. In Folge der Kritik sei der Sonderplan der Stadt nun aber gestoppt worden, sagte Wiegand im Sonntag.

Im Landkreis Wittenberg ließ sich Landrat Jürgen Dannenberg (Die Linke) und sein Stellvertreter Jörg Hartmann (CDU) schon einen Tag vor dem eigentlichen Impfstart im Dezember impfen. Dannenberg hat sich für seine vorzeitige Impfung gegen das Corona-Virus entschuldigt. Er sei sich bewusst, dass man das Vertrauen der Bürger in eine Impfgerechtigkeit beschädigt habe, sagte Dannenberg auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

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Ein Arzt füllt im Impfzentrum der Landeshauptstadt, das sich in einer Halle der Messe Magdeburg im Elbauenpark befindet, mit einem Senior einen Fragebogen aus, bevor eine Impfung gegen das Coronavirus verabreicht wird.
Im Landkreis Stendal wurden 320 Polizisten gegen Corona geimpt obwohl sie laut Impfplan erst später hätten geimpt werden sollen. Bildrechte: dpa

MDR, Bernd Volker Brahms/Max Schörm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 08. Februar 2021 | 13:00 Uhr

14 Kommentare

nilux vor 8 Wochen

Dass Impfstoff übrig bleibt ist an sich schon ein Fehler, der nicht passieren darf. Wenn 300 Polizisten "aus Versehen" geimpft wurden finde ich dies ja nicht einmal verwerflich.
Wenn aber ausgerechnet Diejenigen, in deren Verantwortungsbereich diese Fehler passieren persönlich dann zum Nutznießer ihres eigenen Fehlverhaltens werden (wie im Fall von Halles OB Wiegand) dann ist dies mehr als Amtsmissbrauch.
Ich bin echt angewidert von solchem Verhalten.
Die Hallenser müssten ihn eigentlich aus dem Amt jagen. Aber in den Genuss der "Fehlimpfung" werden wohl genug Stadträte anderer Fraktionen gekommen sein, so dass dies nicht stattfinden wird. Beschämend, was für ein Desaster!

ElBuffo vor 8 Wochen

Künstliche Aufregung, um vom eigenen Unvermögen abzulenken. Die Prioritätenliste ist ein Beispiel dafür. Da haben wir beide offenbar gar keinen Dissens.
Dann fehlte wohl in der Impfverordnung auch eine klare Anweisung, wie mit den angebrochenen und nun zeitnah verfallenden Dosen umzugehen ist. Nein, zum Zeitpunkt der Ebtscheidung sind dann keine sechs Stunden mehr Zeit. Dann erstmal die Heime abtelefonieren, welcher Bewohner denn nun Zeit hätte und in 10 Minuten im Impfzentrum auf der Matte stehen könnte. Beim ersten Heim ist dann Opa Maier gerade im Krankenhaus, im nächsten ist Oma Schulze gestern verstorben und im übernächsten schafft man es nicht Lieschen Müller in 10 Minuten den Popo abzuwischen, anzuziehen und ins Impfzentrum zu bugsieren, wo dann der Impfarzt bei Kandidat 4 fehlende Impftauglichkeit feststellt. Bei Nr 5 ist dann leider die Zeit rum, aber es ist alles planmäßig verlaufen, niemand hat die Dosis bekommen und alle sind ganz dolle zufrieden.

Armin C. vor 8 Wochen

@wer auch immer

Ja genau, und diese Wahlen sind im Herbst (bzw. "Spätsommer"), und da ja bis dahin jeder, sogar Sie und ich ein Impfangebot bekommen soll,
denken wir hoffentlich daran, wem wir das zu verdanken haben und honorieren das auch entsprechend (vorausgesetzt, man ist nicht schwer erkrankt und noch unter den Lebenden).

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