Biete Kita, suche Bauplaner Stendal will Kitas verkaufen, weil Personal für die Sanierung fehlt

Die Kindertagesstätten "Regenbogenland" und "Kleine Strolche" gehören der Stadt Stendal. Doch die überlegt, die beiden Kitas an freie Träger abzugeben. Der Grund: Im Bauamt der Stadt fehlt Personal, um dringend nötige Sanierungen zu planen und umzusetzen. Ob es zur Abgabe der Kitas kommt, soll im Stadtrat verhandelt werden.

Bild mit Fischen hinter einer Fensterscheibe
Zwei Kitas in Stendal müssen saniert werden. Geld dafür hat die Stadt, aber kein Personal. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Die Kassen der Hansestadt Stendal sind nicht übermäßig voll. Aber es ist Geld eingeplant, um zwei Kindertagesstätten auf die Höhe der Zeit zu bringen. Warum das nächste Richtfest trotzdem noch nicht so bald gefeiert wird? Das liegt laut Stadtverwaltung am Personal. Denn das sei den Aufgaben zahlenmäßig nicht gewachsen.

Es geht um die Kindertagesstätte "Regenbogenland" im Stendaler Stadtgebiet, ein Plattenbau aus dem Jahr 1988. Und dann gibt es noch eine Kita auf dem Land, die laut Verwaltung neu errichtet werden müsste. Eine Idee hat jüngst für Sorgenfalten gesorgt. Denn im Stadtrat wurde darüber debattiert, die beiden Einrichtungen an private Träger zu veräußern – aus der Verantwortung, aus dem Sinn?

Großer Sanierungsbedarf

Mütter, die ihre Kinder gern in Dahlen betreuen lassen, schlagen Alarm und haben sich an das MDR-Studio in Stendal gewandt. Vor Ort scheint der Flachbau am Feldrand von Dahlen von außen ganz frisch zu sein. Doch das Zuhause der "kleinen Strolche" sei in seinem Inneren in die Jahre gekommen, sagen Eltern.

ein beige-farbenes Gebäude
Eltern wünschen sich eine Sanierung der Kita "Die kleinen Strolche" in Stendal. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Das sieht auch Monique Thunemann ganz realistisch. "Es müsste viel erneuert werden, auch weil wir nur ein Bad haben mit drei, vier Toiletten. Es war immer der Wunsch der Erzieher, dass wir das neu machen, aber da führt irgendwie kein Weg hin", sagt die junge Mutter. Dabei hat die Stadt Stendal Geld frei gemacht für eine nötige Sanierung und sogar für einen Neubau. Doch Geld allein führt nicht zum Erfolg, wenn im Bauamt die Planer fehlen.

Eltern sehen die Pläne kritisch

So wurden Eltern wie Larissa Lindgens mit der Idee überrascht, ein anderer Träger könnte die Einrichtung und damit die Bausubstanz übernehmen. "Mein Problem dahinter ist: Erst einmal möchte ich, dass unsere Kinder in der Dorfkita bleiben können. Die Kinder sind hier sehr verankert. Sie sind in Kontakt mit den Senioren, sie gehen singen, sie sind auf dem Bauernhof. Das ist eben das, was eine dörfliche Kita ausmacht."

Auch Monique Thunemann steht einer möglichen Veränderung skeptisch gegenüber. "Bei einem privaten Träger wird ja auch wieder alles anders. Unsere Erzieher sind dann nicht mehr da, völlig anderes Konzept, neue Leute, neue Umgebung, alles anders."

Stadtrat debattiert über Zukunft der Kitas

Auf lange Sicht wird alles anders werden. Denn bald muss die Kita mindestens saniert, wenn nicht sogar neu gebaut werden. Auch wenn die Stadt Stendal das Objekt behält. Aber die Suche nach einem anderen Träger könnte noch verhindert werden, sagt Stadtsprecher Armin Fischbach.

Fahrräder vor einem sand-farbenen Gebäude
Die Kita "Regenbogenland" ist in einem Plattenbau von 1988 und muss dringend saniert werden. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

"Im Stendaler Stadtrat werden aktuell zwei Alternativen verhandelt. Und zwar zum einen die personelle Verstärkung des Bauamtes – naheliegend. Oder eben die Abgabe des Baus an einen Generalauftragnehmer", erklärt Fischbach. Aber auch wenn eine externe Firma die Planung übernimmt, muss im Amt jemand den Bau mindestens überwachen. Zunächst muss der Stadtrat die Richtung vorgeben und intensiv nach Fachkräften für die Amtsstuben suchen.

Auch der Stadtsprecher bleibt im Namen der Stendaler Verwaltung realistisch. Der Markt regele in diesem Fall zum Nachteil. "Jede Kommunalverwaltung tut sich aktuell schwer, qualifiziertes Baupersonal zu bekommen. Der Hintergrund ist schlicht und einfach ein monetärer. Denn die öffentlichen Kassen können nicht so gut bezahlen, wie der privatwirtschaftliche Bereich", erklärt Fischbach.

MDR/Alexander Klos, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. September 2021 | 12:30 Uhr

9 Kommentare

Antwort vor 10 Wochen

Thomas: Ich habe nicht geschrieben, dass die Qualität der Produkte nicht gut war. Das war sie bei sehr vielen Produkten in erheblichem Maße. Aber Wettbewerbsfähigkeit bemisst sich nicht ausschließlich an der Qualität, sondern auch an der Wirtschaftlichkeit mit der dieses hergestellt wird. "Internen" Wettbewerb gab es durch die VEB und Kombinate gar nicht erst. Es wurde alles vorgeplant (Menge, Preise) und gab keine Nachfrageorientierung. Der Flexibilität und Kreativität der sozialen Marktwirtschaft auf BRD-Seite konnte man damit nichts entgegensetzen. Die Leute in der DDR haben auch hart gearbeitet, waren aber in einem System von Gleichmacherei gefangen. Dazu kam die Mangelwirtschaft (Beschaffung, Ausrüstung, etc.). Das drückt dann die Leistungsbereitschaft bei nahezu jedem irgendwann.

THOMAS H vor 10 Wochen

DER Beobachter: Was bedeutet für Sie, "eine gemäßigte Form von Kinderarbeit in PA"?
Erstens gab es den PA-Tag erst ab der 7. Klasse, so daß m. M. schon nicht von Kinderarbeit gesprochen werden kam und zweitens waren die 6-7 Stunden (1 mal im Monat) bestimmt nicht geeignet, um uns, als Jugendliche (14.-17. Lebensjahr), selbst in gemäßigter Form durch die Produktion von Waren auszubeuten, so wie es in den Ländern, welche Sie aufgezählt haben geschieht.
Bei der Sträflingsarbeit, gehe ich davon aus, das Sie die Arbeit durch Inhaftierte meinen und selbst da, wurde m. M. niemand ausgebeutet, wobei selbst heute, die Inhaftierten Produkte herstellen, welche dann verkauft werden (einfach "Produkte aus JVA eingeben").
In Bezug "Preis, Angebot und Nachfrage" sieht es doch heute bestimmt noch absurder und widerlicher (z. B. "Geiz ist geil") aus und ist keine spezielle DDDR-BRD-Logik.

Antwort vor 10 Wochen

Im Nachhinein alle eigenen geistigen Entgleisungen mit "Sarkasmus" zu entschuldigen ist dann eben auch immer die einfache Variante. Die Anrede meiner Person mit "Sheldon Cooper" passt ins Bild.

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