Kleinstadthelden Dieser Laden in Stendal verzichtet auf Verpackungsmüll

In einem ehemaligen Tee- und Gewürzladen ist Stendals erster Unverpacktladen zu Hause. Wer hier einkaufen will, bringt sich seine Verpackung selbst mit. Doch Obst und Gemüse gibt es allerdings nicht zu kaufen – aus gutem Grund.

Eine Ladenfront
Seit 2019 wird in diesem Laden in Stendal auf Verpackungsmüll verzichtet. Bildrechte: MDR/Max Fürstenberg

Betritt man den Laden von Yvonne Riesmann, so riecht es trotz Maske nach Tee. Denn Stendals einziger Unverpacktladen hat sein Zuhause in einem alten Tee- und Gewürzhandel. Doch Riesmann hat das Sortiment deutlich erweitert: um Nüsse, Reis, Linsen oder Haferflocken. Das alles ist in großen Glasgefäßen verpackt, die Kunden dürfen sich abfüllen, so viel sie benötigen.

q
Yvonne Riesmann legt Wert auf regionale Produkte. Bildrechte: MDR/Max Fürstenberg

Dafür müssen sie aber Gläser oder Dosen selbst mitbringen oder vor Ort kaufen. Denn Riesmanns Ziel ist es, Verpackungsmüll zu reduzieren. Dennoch finden sich in ihrem Laden noch einige Produkte, die in Plastik verpackt sind. Denn Riesmann hatte einige Waren vom Vorbesitzer übernommen und will diese lieber aufbrauchen, statt einfach wegzuschmeißen. Nachgekauft werden sie aber nicht mehr.

Riesmann legt Wert auf regionale Produkte und möchte ihr Sortiment schrittweise in diese Richtung erweitern. Aktuell gibt es Honig aus Tangermünde, Hanfprodukte aus Zehrental bei Salzwedel und Eier sowie Marmelade aus Stendal. "Ich finde, dass es hier in der Region, gerade in der landwirtschaftlich geprägten Altmark, viele tolle Unternehmen, viele schöne Sachen gibt, was Genuss und Ernährung anbelangt und ich finde, das muss man stärken."

Pioniergeist aus der Altmark

Die gebürtige Stendalerin wuchs in der Altmark auf, hat dann aber für über zehn Jahre in Hamburg gelebt, bevor sie in ihre Heimat zurückgekehrt ist. 2019 eröffnete Riesmann ihren Unverpacktladen. Sie hatte bereits an einem Seminar in einem anderen Unverpacktladen teilgenommen und wollte ein solches ein Konzept unbedingt selbst umsetzen. "Außerdem kannte ich mich durch meinen vorherigen Job als Firmenkundenbetreuerin bei einer Bank gut mit den Betrieben in Sachsen-Anhalt aus."

Das Konzept eine Unverpacktladens findet bei vielen Altmärkern und Altmärkerinnen Anklang. "Ich sehe mich ein bisschen als Pionier, zu zeigen, dass das Thema Spaß machen kann, dass es nicht schlimm und auch nicht umständlich ist, sondern anders", sagt Riesmann.

Kein Obst, keinen Kaffee

Eine von Riesmanns Kundinnen ist Laura-Jane Klöppel. Sie macht zwei mal im Monat einen Großeinkauf im "MY Unverpackt". Sie möchte dadurch die Umwelt schützen und denkt an zukünftige Generationen. Es gibt für sie aber noch einen weiteren Grund, im Unverpacktladen einzukaufen: "Ich mache die Sachen Zuhause eh ins Glas oder in einen Behälter, wenn ich es in den Schrank stelle. Dann hab ich mir gedacht, ich kann es ja auch gleich einfüllen und dann hab ich es ja schon. Es erst verpackt zu kaufen, um es dann wieder auszupacken, macht für mich überhaupt keinen Sinn."

Lediglich frisches Obst und Gemüse sucht man in Riesmanns Laden vergeblich, da sie keine Konkurrenz für den Wochenmarkt sein will. Auch Kaffee sucht man vergeblich, da der Geruch dem Tee schaden könnte. Wer die Bohnen sucht, dem empfiehlt Riesmann eine Rösterei um die Ecke.

Mehr zum Thema

Müll aus der Ostsee sortiert der Umweltverband Naturschutzbund Deutschland am 21.10.2014 auf dem Gelände des Meeresmuseum Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern)
80 Kilogramm Verpackungsmüll schmeißt jeder Sachsen-Anhalter pro Jahr weg. Bildrechte: dpa

MDR/Max Schörm

MDR SACHSEN-ANHALT

3 Kommentare

geradeaus vor 9 Wochen

Auch ich wünsche Frau Riesmann Erfolg und das ihr Laden für die Zukunft gut gerüstet und ausgelastet ist. Ich selbst achte zB sehr auf Mülltrennung jedoch kaufe ich viele Sachen wo einfach mega viel Verpackung anfällt. Und am Ende landet ja eh alles oder viel in den Meeren. Egal ob ich das trenne oder nicht. Wenn ich daran denke wie meine Pralinen verpackt sind. Jede einzeln und dann nochmal in einer großen Tüte. Und alles andere auch, Brot, Aufschnitt etc. Da ich seit vielen Jahren ausschließlich Leitungswasser trinke fällt da wenigstens etwas weg. Ein Tropfen auf den heißen Stein (wow). Das muss gefördert werden, solche unverpackt-Läden.

Anhaltiner vor 9 Wochen

"In einem ehemaligen Tee- und Gewürzladen ist Stendals erster Unverpacktladen zu Hause. Wer hier einkaufen will, bringt sich seine Verpackung selbst mit."
Das war in den 50er Jahren gang und gäbe. Natürlich. kann man alles neu erfinden. Das nennt man dann ökologisch und Nachhaltig.

Jan vor 9 Wochen

Ich wünsche dem Laden alles Gute!
Schön, dass es mehr Läden gibt, zu dem Verpackungswahnsinn mancher Produkte in Supermärkte eine Alternative bieten.

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Mehr aus Sachsen-Anhalt