Landesrechnungshof bemängelt Sanierung des Winckelmann-Museums in Stendal war zu teuer

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Der Umbau des Winckelmann-Museums in Stendal war immer wieder mit Kostensteigerungen verbunden. Auch zwei Jahre nach der Wiedereröffnung des Hauses ist die Finanzierung des Umbaus nicht abgeschlossen. Wegen Fehlern bei der Planung, muss rund eine Million Euro zusätzlich aufgebracht werden. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Landesrechnungshofes hervor. Dieser empfiehlt den Verantwortlichen zudem, das Museum künftig anders zu führen.

Hofansicht mit Glasanbau an Fachwerkhaus
Im Dezember 2018 – ein Jahr nach Winckelmanns 300. Geburtstag – wurde das neue Museum eröffnet. Bildrechte: MDR/Bernd Volker Brahms

Es ist ein schickes Museum geworden. Das müssen selbst die Kritiker zugeben. Im Dezember 2018 konnte ein Neubau und ein komplett saniertes Winckelmann-Museum eröffnet werden. Mit einer neuen Dauerausstellung, einem Kindermuseum und einem orginalgetreuen Trojanischen Pferd wird an den Altertumsforscher Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) erinnert, den berühmtesten Sohn Stendals. Rund eine Million Euro müssen zusätzlich aufgebracht werden. Nun bemängelt der Landesrechnungshof in einem aktuellen Bericht erheblich Planungsmängel.

OB Schmotz: Teurer Umbau war ein Kompromiss

Baugerüst an Glasanbau
Die Museumsbaustelle im Juli 2017: Die Kosten für den Anbau explodierten. Bildrechte: MDR/Bernd Volker Brahms

"Das ist ja eine einzige Ohrfeige für den ganzen Ablauf und die Verwaltung", sagt Herbert Wollmann. Der SPD-Stadtrat hatte die Aufsichtsbehörde eingeschaltet. Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) gibt zu, dass Fehler passiert sind. Im Nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen, das Museum für den Aus- und Umbau komplett leerzuziehen. "Das war ein Kompromiss", sagt Schmotz. Für das Museum sei es wichtig gewesen, weiter vor Ort arbeiten zu können. Die Probleme beim Bau seien im Wesentlichen durch beteiligte Architekturbüros, Statiker und anderer Firmen entstanden, so der Oberbürgermeister. Diese hätten weniger bei der Verwaltung und der Winckelmann-Gesellschaft gelegen.

Ein weiterer Faktor sei gewesen, dass man sich zeitlich zu sehr unter Druck gesetzt habe, sagt der Verwaltungschef. 2017 und 2018 waren zwei Winckelmann-Jubiläen, da wollte man das neue Museum möglichst schon fertig präsentieren. Das sei nach einer zu späten Fördermittelzusage ohnehin unrealistisch geworden, so Schmotz. Trotzdem sei am zügigen Ablauf festgehalten worden. Die Mehrkosten hätte damit aber nichts zu tun, die wären so oder so entstanden.

Ursprünglich waren 2,3 Millionen Euro veranschlagt worden, zwei Mal mussten vom Stendaler Stadtrat jeweils rund 500.000 Euro nachgelegt werden. Einige Stadträte fühlten sich nach eigenen Worten erpresst und von der Verwaltung nicht mitgenommen. Nach dem ersten Nachzahlungsbeschluss hatte es geheißen, dass definitiv alles berücksichtigt worden sei.   

Ein Holzpferd
Der welweit größte hölzerne Nachbau eines trojanischen Pferdes steht im Garten des Winckelmann-Museums. Bildrechte: Heiko Janowski

Nach den ursprünglichen Planungen sollten 230.000 Euro aus der Stadtkasse und der Rest durch Land und Bund gezahlt werden. Seit drei Jahren versucht die Stadt auch den Großteil der Zusatzkosten von einer Million Euro gefördert zu bekommen. Mit dem Bescheid vom Sommer 2020 ist die Landesinvestitionsbank allerdings nur zur Zahlung von 430.000 Euro bereit. Es läuft ein Widerspruch. Wenn es dumm läuft, muss das restliche Geld aus der Stadtkasse genommen werden.     

Rechnungshof empfiehlt eine Stiftung

Laut Landesrechnungshof sind Probleme auch dadurch entstanden, dass es Parallelstrukturen zwischen Stadt und Winckelmann-Gesellschaft gibt. Man empfehle dringend, beim weiteren Betrieb des Museums dies zu ändern, beispielsweise durch die Gründung einer Stiftung oder gemeinsamen Gesellschaft. Der Rathauschef Klaus Schmotz will daran aber nicht rütteln.

Ich halte die Rechtsform, so wie sie jetzt ist, Winckelmann-Gesellschaft als Träger des Museums, Stadt als Mitfinanzier gemeinsam mit dem Land und anderen für eine sehr effiziente und gute Lösung. Ich werde dieser Empfehlung des Landesrechnungshofes nicht folgen. Das heißt, ich werde dem Stadtrat einen solchen Vorschlag nicht unterbreiten.

Klaus Schmotz, Oberbürgermeister von Stendal

Stadtrat Herbert Wollmann sieht das anders. "Meine Vorstellung wäre, dass das genauso wie beispielsweise das Altmärkische Museum komplett in die Hände der Stadt zurückgeht. Und wir dann praktisch einen Museumsleiter da bestellen und das in Eigenregie führen."

Drei Männer schauen sich Entwürfe an einer Wand an
Der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft Max Kunze zeigt dem Chef der Staatskanzlei Rainer Robra und Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz die Baupläne für das neue Museum. (v.l.) Bildrechte: MDR/Bernd Volker Brahms

Max Kunze als Präsident der Winckelmann-Gesellschaft sieht die Sache noch ganz anders. "Wir haben schon immer darauf gedrängt, dass das Museum in eine Landesstiftung übergeht", sagt er. Man habe sich ohnehin nicht darum gerissen, die Trägerschaft zu übernehmen. Dies sei 2000 auf Druck des Stadtrates passiert. "Wenn wir es nicht übernommen hätten, dann hätte es das Museum gar nicht mehr gegeben." Professor Max Kunze weist darauf hin, dass die Winckelmann-Gesellschaft selbst auch 1,5 Millionen Euro für das neue Museum – unabhängig von den Baukosten – eingeworben habe. Das Geld sei in die Dauerausstellung und auch das Kindermuseum gegangen.

Einen kleinen Erfolg kann Oberbürgermeister Klaus Schmotz trotz aller Querelen aber doch vermelden: So ist unlängst der Bescheid vom Land im Rathaus eingetrudelt, dass künftig eine institutionelle Förderung von jährlich rund 30.000 Euro für den Museumsbetrieb bewilligt wurde. Auch die Stadt bereitet gerade einen neuen Rahmenvertrag vor. Demnach erhöht sie die jährliche Förderung um 27.000 Euro auf 180.000 Euro. Seit 2000 hatte es hier keine Anpassung mehr gegeben.

Das war Johann Joachim Winckelmann

Johann Joachim Winckelmann wurde am 9. Dezember 1717 in Stendal geboren. Er war vor allem Archäologe, aber auch Bibliothekar, Antiquar und Kunstschriftsteller der Aufklärung. Er gilt als Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstgeschichte. Er hatte großen Einfluss auf Goethe, Schiller, Lessing und Hölderlin. Er wurde am 6. Juni 1768 unter nicht geklärten Umständen in Triest (Italien) ermordet. Seit 1940 gibt es die Winckelmann-Gesellschaft und seit 1955 das Winckelmann-Museum in Stendal.

Johann Joachim Winckelmann
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Besucherzahlen trotz Pandemie sehr gut

Außerdem seien noch "einige Restarbeiten" am Museum zu vollenden, gibt Schmotz zu. 2018 musste die Verwaltung aufgrund einer Haushaltssperre durch den Stadtrat einige Maßnahmen in Höhe von 170.000 Euro zurückstellen.

Der Verwaltungschef betont bei allem Ärger um die Sanierung und den Neubau, dass das Museum eine sehr große Bedeutung für die Stadt hat und sich und in einer tollen Verfassung befinde. Dies hätten auch die hohen Besucherzahlen im vergangenen Jahr gezeigt, die trotz Pandemie bemerkenswert gewesen sei.

Es gibt bei uns nicht viele Institutionen mit einer nationalen oder sogar internationalen Strahlkraft, wie das Winckelmann-Museum der Fall ist.

Klaus Schmotz


Außenansicht Winckelmann-Museum Stendal mit beschrifteter Fassade
Das Winckelmann-Museum befindet sich im alten Ortskern von Stendal. Bildrechte: MDR/Bernd Volker Brahms

Redaktion: MDR, Katja Luniak/Anne Gehn-Zeller

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 26. Januar 2021 | 17:00 Uhr

4 Kommentare

SGDHarzer66 vor 15 Wochen

Hallo MDR-Team.
Danke für die Berichtigung, habe ich eine Wissenslücke geschlossen.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und grüße Sie aus dem Harzer Land.

MDR-Team vor 15 Wochen

Auch wenn das eigentlich nichts miteinander zu tun hat und "Aufschrei" auch sicher subjektiv oder relativ ist: Bei einer kurzen Google-Suche findet man zum Beispiel: "Der Bund der Steuerzahler Sachsen-Anhalt kritisiert, dass der geplante Neubau der Magdeburger Synagoge mit öffentlichem Geld unterstützt wird." (DLF 12.09.2019)

SGDHarzer66 vor 15 Wochen

Hätte es auch solch einen "Aufschrei" gegeben, wenn sich Mehrkosten zum Beispiel im Rahmen eines Synagogenneubaus ergeben hätten? Na, also.
Bevor sich bestimmte Kommentatoren hier äußern, ich habe nicht ohne Grund ein Beispiel angeführt.
Guten Tag.

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Mehr aus Sachsen-Anhalt