Großimpfaktion im Landkreis Stendal Im Fünf-Minuten-Takt gibt es die Corona-Spritze

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Im Landkreis Stendal soll nun beim Impfen Tempo gemacht werden. Innerhalb von drei Wochen sollen fast 9.000 Erstimpfungen erfolgen. Es wurden dafür Turnhallen freigeräumt und Personal geschult. Allerdings haben die Verantwortlichen auch mit der unübersichtlichen Datenlagen zu kämpfen.

Verkehrsschild mit der Aufschrift Impfzentrum Stendal
Der Landkreis Stendal will am Dienstag nach Ostern mit einer Großimpfaktion starten. Bildrechte: MDR

Bei geplanten Großimpfaktionen im Landkreis Stendal sollten eigentlich zunächst nur die über 80-Jährigen geimpft werden. Da jedoch der Rücklauf bei den rund 8.700 von den Kommunen angeschriebenen Senioren weitaus geringer ausfiel als ursprünglich geplant, werden auch jüngere Jahrgänge geimpft. Wenn es am Dienstag nach Ostern losgeht, können daher bereits 76-Jährige ihre Spritze bekommen. Man möchte die mühselig aufgebaute Logistik nutzen und die Kapazität voll ausnutzen, heißt es dazu vom Landkreis.

Über die Gründe, warum sich gerade einmal nur zur Hälfte der Seniorinnen und Senioren für die Impfungen angemeldet haben, kann nur spekuliert werden. "Der geringere Rücklauf bedeutet nicht automatisch, dass die Leute kein Interesse an der Impfung haben", sagt Edgar Kraul von der Pressestelle des Landkreises. Möglicherweise seien viele schon geimpft worden. Es sei für den Landkreis aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich, einen Abgleich der Daten der Standesämter aus den Einheits- und Verbandsgemeinden mit denen des Impfzentrums vorzunehmen. Senioren hätten möglicherweise eigenständig Termine im Impfzentrum in Stendal oder auch in anderen Landkreisen gemacht und seien bereits geimpft.

Impfaktion soll Senioren entlasten

Ein Mann mit Mundschutz schaut in die Kamera.
Der Beigeordnete Sebastian Stoll (CDU) zeigt im Stendaler Impfzentrum den Kühlschrank für den Impfstoff. Bildrechte: MDR

Die Tage vor Ostern waren für Steffen Schilm richtig stressig. Der Hauptamtsleiter im Tangermünder Rathaus war mit den Vorbereitungen für die Großimpfaktion beschäftigt, die am Dienstag nach Ostern starten soll. In einer Turnhalle sollen die Senioren der Stadt im Fünf-Minuten-Takt geimpft werden. Insgesamt 781 Termine wurden dafür vergeben. Tangermünde bildet den Auftakt zur flächendeckenden Senioren-Impfung im Landkreis. An zwölf Tagen innerhalb von drei Wochen sollen die älteren Menschen im Landkreis komplett geimpft sein. "Wir wollten den Senioren nicht zumuten, dass sie alle die weite Reise nach Stendal ins Impfzentrum antreten müssen", sagt der Beigeordnete Sebastian Stoll (CDU), der die Aktion seit Januar geplant hat.

Wie auch in anderen Regionen konzentrierten sich die Impfungen zunächst auf die Seniorenheime und die beiden Krankenhäuser in Stendal und Seehausen. Im Landkreis Stendal gibt es aufgrund der überdurchschnittlich alten Bevölkerung insgesamt 24 Senioren- und Pflegeheime. Teilweise geriet das Impfen dort ins Stocken, da zeitweise in der Hälfte der Einrichtungen Corona-Fälle gemeldet wurden. Auch im Impfzentrum, das seit Mitte Dezember startklar war, ging es nur schleppend voran. Als es dort im Januar losging, waren dort – aufgrund der mangelnden Impfstoffmengen – nur 36 Termine täglich zu vergeben. Den Verantwortlichen waren die Hände gebunden, richtig Tempo war damit nicht zu machen. Bis jetzt sind lediglich rund 9.400 Impfungen erfolgt – so wenig wie in keinem anderen Landkreis in Sachsen-Anhalt.

Zeitplan für die Großimpfung im Landkreis Stendal

Dienstag, 6.4.
Tangermünde, Sporthalle Lindenstraße

Mittwoch, 7.4.
Tangerhütte, Sporthalle Werner-Seelenbinder-Ring

Donnerstag, 8.4.
Tangerhütte, Sporthalle Werner-Seelenbinder-Ring

Freitag, 9.4.
Bismark, Mehrzweckhalle Karl-Marx-Straße

Dienstag, 13.4.
Klietz, Sporthalle Friedenssiedlung

Mittwoch, 14.4.
Seehausen, Wischelandhalle

Donnerstag, 15.4.
Osterburg, Sporthalle Karl-Marx-Straße

Freitag, 16.4.
Havelberg, Sportforum Am Eichenwald

Dienstag, 20.4.
Goldbeck, Sporthalle Friedrich-Ebert-Straße

Mittwoch, 21.4.
Stendal Mehrzweckhalle Schillerstraße

Donnerstag, 22.4.
Stendal Mehrzweckhalle Schillerstraße

Freitag, 23.4.
Stendal Mehrzweckhalle Schillerstraße

Die Zweitimpfungen finden zwischen dem 11. Mai und dem 28. Mai statt

Impfstoff von Biontech wird genutzt

Nun soll aber Tempo aufgenommen werden. Vorgelegt wurde mit der Impfung von etwa 1.300 Lehrern und Erziehern an den beiden Wochenenden vor Ostern. Nun soll mit weiteren dezentralen Großimpfungen zügig weitergemacht werden. "Der Impfstoff ist da", sagt Landrat Patrick Puhlmann (SPD). Bei den Großimpfaktion werde ausschließlich der Impfstoff von Biontech verwendet.

Alle Einheits- und Verbandsgemeinden wurden frühzeitig in die Logistik miteinbezogen. Sie haben den Überblick über die Senioren, haben diese angeschrieben und Termine vereinbart. Allerdings lag die Tücke im Detail. Bei den Planungen war man davon ausgegangen, dass es im Landkreis Stendal rund 8.700 Senioren über 80 Jahren gibt. Diese sollten mit den Großimpfaktionen erfasst werden. Doch nur knapp 50 Prozent haben sich angemeldet. Beispielsweise seien es für den Start in Tangermünde 385 der 732 registrierten Senioren über 80 Jahre, wie Steffen Schilm mitteilt.  Bei den 78-Jährigen (96 von 129) und den 79-Jährigen (96 von 124) lagen die Quoten höher.

Letzte Termine kurz vor Ostern vergeben

Kurzfristig wurden auch die 78- und 79-Jährigen angeschrieben. Als sich nun herausstellte, dass auch damit nicht die Impfkapazitäten ausgeschöpft werden können, wurden auch die 76- und 77-Jährigen hinzugenommen. In Tangermünde war dies so kurzfristig innerhalb der Woche vor Ostern erfolgt, dass mit den Senioren gar keine konkrete Terminabsprache mehr stattfinden konnte. "Wir haben den Senioren nun einfach eine Uhrzeit zugewiesen", sagt Hauptamtsleiter Steffen Schilm. Insgesamt betrifft dies 200 Leute. Es sei möglich, dass es hier eine größere Ausfallquote gebe. Noch am Gründonnerstag hätten einige der Angeschriebenen abgesagt. Als Gründe hätten sie genannt, dass sie bereits geimpft seien oder akut an Corona erkrankt seien.

Vorzeitige Impfung von Polizeikräften

Der Landkreis Stendal war im Februar in die Kritik geraten, weil in einer Großimpfung rund 330 Polizisten geimpft worden waren, obwohl diese laut Prioritätenliste noch gar nicht dran waren. Beim Landkreis versuchte man die Angelegenheit runterzuspielen. Es sei niemandem Impfstoff weggenommen worden, so der Landrat, außerdem sei die Impfung der Polizisten als Übung für noch folgende dezentrale Großimpfung im weitläufigen Landkreis durchgeführt worden.

Der Beigeordnete Sebastian Stoll hat bereits frühzeitig angekündigt, dass auch noch jüngere Jahrgänge möglicherweise in der dezentralen Form geimpft werden könnten, wenn sich das Projekt als sinnvoll herausstelle. Allerdings soll auch schon bald nach Ostern mit dem Impfen in Arztpraxen begonnen werden.

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Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Über den Autor Bernd-Volker Brahms wurde in Leer/Ostfriesland geboren und hat in Göttingen Deutsch und Geschichte studiert. Er hat 18 Jahre lang für verschiedene Zeitungen als Redakteur gearbeitet. Er ist politischer Reporter mit Leidenschaft. Brahms arbeitet im MDR-Regionalstudio Stendal.

Quelle: MDR/Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. April 2021 | 12:00 Uhr

8 Kommentare

DanielSBK vor 7 Tagen

Am Chemiestandort Leuna hat die Betriebsärztin bereits 500 Impfungen bei Arbeitern der Total-Raffinerie vorgenommen. Dies bestätigte die für das Impfen zuständige Kreisordnungsdezernentin Christina Kleinert. Das Gesundheitsamt habe dies in Abstimmung mit dem Landessozialministerium (Grimm-Benne...) veranlasst. „Der Impfstoff wurde vom Land als Sonderzuweisung (hört hört) zur Verfügung gestellt.“ Wie eine Ministeriumssprecherin erklärte, gingen insgesamt 1.350 Impfdosen des Herstellers Astrazeneca an den Chemiestandort.

....soviel zur "Impf-Reihenfolge"... aber ist scho' Recht, ohne Benzin wird es wohl auch nicht gehen.

Mediator vor 7 Tagen

Das Impfen wird jetzt immer schneller gehen. Das liegt zum einen an den sich ständig steigernden Impflieferungen und zum anderen daran, dass die komplizierte aber notwendige Priorisierung mit ihren Einladungen nun immer mehr in den Hintergrund tritt.

Wenn erst tausende Hausarztpraxen mitmachen, dann werden die Zahlen noch mal steigen.

Jana vor 7 Tagen

Ich finde nicht, dass sich jemand sinnlos aufgeplustert hat.
Da der Impftoff nach wie vor ein knappes Gut ist MÜSSERN wir priorisieren.
Das bedeutet ein junger gesunder Polizist hat da halt ein geringeres Risiko auf einen lebensgefährlichen Ausgang einer Infektion als ein Senior von 80 Jahren. Von daher regte man sich zu recht auf, wenn Stadtärte und Polizeihundertschaften geimpft wurden, während Menschen in Pflegeheimen noch vergeblich auf ihre vermutlich lebensrettende Immunisierung warteten.

Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen "Reste" an Menschen niedriger Priorität zu verimpfen, wenn kein anderer schnell greifbar ist.

Das Menschen die ein Impfangebot erhalten es nicht wahr nehmen und damit das System zusätzlich verlangsamen ist leider ein Luxusproblem.

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