Abstimmung im Kreistag Landrat Puhlmann kann nun doch Elternzeit nehmen

Landrat Patrick Puhlmann aus Stendal ist vergangenes Jahr erstmals Vater geworden. Ab August will er zwei Monate in Elternzeit gehen – allerdings nur Teilzeit, um das Landratsamt nicht "kopflos" zu lassen. Nachdem sein Wunsch in einer ersten Abstimmung vom Kreistag abgelehnt wurde, stimmten die Kreisräte in einer Sondersitzung am Montagabend nun dafür. Aber nur knapp.

Patrick Puhlmann
Der Landrat des Landkreises Stendal, Patrick Puhlmann, ist vor einem Jahr Vater geworden und möchte diesen Sommer für zwei Monate in Elternzeit gehen. Bildrechte: dpa

Im Landkreis Stendal kann Landrat Puhlmann (SPD) nun doch Elternzeit nehmen. In einer Sondersitzung stimmte der Kreistag am Montagabend mit knapper Mehrheit für den Wunsch des 39 Jahre alten Landrats nach Eltern-Teilzeit. Er freue sich über das Signal, sagte Puhlmann nach der Entscheidung. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT stimmten 17 Kreisräte für seinen Antrag, 14 dagegen. Mitglieder von AfD, CDU und die Landwirte stimmten demnach im nichtöffentlichen Teil der Sitzung gegen den Wunsch Puhlmanns.

Der Landrat will ab Mitte August zwei Monate sein Kind betreuen, aber dennoch eingeschränkt Dienst tun. Es war bereits die zweite Abstimmung darüber. Vor zweieinhalb Wochen hatte der Kreistag seinen Wunsch noch abgelehnt. Doch weil der Beschluss laut Landratsverwaltung nicht begründet worden und damit rechtswidrig war, stand der Punkt nach Einlegung eines Widerspruchs nun erneut auf der Tagesordnung.

Dass Puhlmann die Eltern-Teilzeit zunächst verwehrt worden war, war zuletzt Thema im MDR-Podcast "Was bleibt?".

Collage aus einem Porträt von einem Mann in weißem Hemd und Händen, die Geld wechseln 50 min
Bildrechte: dpa, Patrick Puhlmann
50 min

MDR SACHSEN-ANHALT Fr 01.07.2022 11:40Uhr 49:32 min

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Puhlmann will Landratsamt nicht "kopflos" lassen

Vor einem Jahr war Puhlmann, der seit zwei Jahren Landrat ist, erstmals Vater geworden. Um die Amtsgeschäfte nicht ganz zu vernachlässigen, bot er an, das Ganze in Teilzeit zu machen und wöchentlich 22 Stunden zu arbeiten. Dabei darf der Kreistag als Arbeitgeber ein Wort mitreden.

Komplett in Elternzeit gehen will Puhlmann nicht. "Das Landratsamt soll nicht kopflos sein", sagte er im Vorfeld. Er wolle an einzelnen Tagen arbeiten und sich um dringende Sachen kümmern. In einem Notfall sei er außerdem bereit, die Arbeitszeitverkürzung abzubrechen.

dpa, MDR (Bernd-Volker Brahms, Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Juli 2022 | 05:00 Uhr

9 Kommentare

nilux vor 11 Wochen

Zustimmung. Und soweit ich das in meinem beruflichen (freie Wirtschaft) und privaten Umfeld beurteilen kann ist die Elternzeit bereits "Standard". Anders kann man auch gar keine guten jungen Leute mehr für sich gewinnen.
Diese Erkenntnis scheint nur im Stendaler Kreistag noch nicht ganz angekommen zu sein.
Im Übrigen ist jede Person in einer Leitungsfunktion abkömmlich, es ist quasi eine Kernaufgabe dies gut und richtig zu organisieren, nicht nur in der Elternzeit.



Montezuma vor 11 Wochen

Mathe und Logik sind nicht Ihre Stärke, oder? Er war bereits im Amt, als seine Frau erst schwanger wurde. Erwarten Sie allen Ernstes, dass jemand, nur weil er Politiker ist, zeitlebens auf Kinder verzichtet? Und dessen Lebenspartner gleich mit? Und wie sieht es eigentlich mit all den anderen Jobs aus, die letztlich fast alle wichtig sind?
Mit etwas Klarheit im Kopf akzeptiert man das Leben und gönnt jedem die unwiderbringliche Zeit mit seinen/ihren Kindern.

mattotaupa vor 11 Wochen

die ausübung eines wahlamtes hebt nicht art6 gg auf! die familie genießt einen besonderen schutz des staates und der wähler wird 2 monate teilzeit eines landrates durchaus verkraften. generelle verunglimpfung von jüngeren politikern ist unsinnig und verpflichtung gegenüber dem bürger besteht nur im rahmen der gesetze.

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