Baumbesetzer protestieren gegen Autobahn Bürgermeister wollen im Losser Forst deeskalieren

Seit mehr als drei Wochen haben Aktivistinnen und Aktivisten ein Waldstück bei Seehausen im Landkreis Stendal besetzt. Sie protestieren gegen die Verlängerung der A14. Ihre Aktion hat viel Aufsehen erregt und für heftige Diskussionen gesorgt. Nun wollen die Bürgermeister der Verbandsgemeinde deeskalieren.

In einem Wald wurde ein Camp aufgeschlagen
Seit drei Wochen protestieren Aktivistinnen und Aktivisten im Losser Wald gegen den Bau der A14. Bildrechte: MDR/Marc Fischer

Die Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen wollen Ruhe in den Streit mit den Baumbesetzern im Losser Forst bringen. Dazu soll am Mittwoch ein gemeinsames Statement von ihnen erscheinen. Der Stendaler Landrat Patrick Puhlmann (SPD) betonte bereits am Dienstag, dass die Demonstrierenden bisher keine Straftaten begangen hätten. Die Vergehen würden sich im Bereich von Ordnungswidrigkeiten bewegen.

Seit mehr als drei Wochen protestiert ein Dutzend junger Leute gegen den Weiterbau der Autobahn 14 bei Seehausen im Landkreis Stendal. Sie haben einen Kiefernwald bei Losse besetzt. Dort, wo künftig die Autobahntrasse entlangführen soll, haben die Demonstrierenden Baumhäuser gebaut und bewohnen diese. Der Besitzer des Privatwaldes hat nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT bereits Ende April eine Anzeige bei der Polizei gestellt. Am Wochenende hatte das alte Bahnhofsgebäude in Seehausen, das die Aktivistinnen und Aktivisten als Lager nutzen gebrannt. Nun wollen die Politiker deeskalieren.

In einem Wald wurde ein Camp aufgeschlagen
Die Protestierenden haben im Losser Forst ein Camp errichtet. Bildrechte: MDR/Marc Fischer

Puhlmann bittet um Verständnis

Landrat Puhlmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die ganzen Rufe nach einer Räumung, die zum Teil auch durch Amtspersonen hier im Landkreis Stendal gemacht wurden, sind am Ende Aufrufe an den Landrat zum gesetzlosen Handeln." Für ihn stehe fest, dass die Besetzer entweder den Wald von allein räumen oder aber das Areal geräumt werde. Er bat jedoch um Verständnis, dass dies nicht so schnell vonstattengehe. Es müssten rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien eingehalten werden.

Patrick Puhlmann
Landrat Patrick Puhlmann will eine Eskalation im Streit um die A14 vermeiden. Bildrechte: dpa

Landrat Puhlmann hatte den Aktivistinnen und Aktivisten eine Frist von fünf Tagen zur Räumung des Waldstücks gesetzt. Diese Frist ist bereits vergangene Woche verstrichen. Am Freitag hatte sich Puhlmann zu einem Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Baumbesetzerszene getroffen. Er bezeichnete das Gespräch als sehr konstruktiv, machte aber auch deutlich, dass er weiter daran arbeiten werde, die Besetzung zu beenden.

Mehrere Klagen gegen Bauvorhaben

Über die Verlängerung der A14 wird viel gestritten. Die Stadt Seehausen selbst hatte 2019 gegen die Autobahn geklagt, ihre Klage dann aber zurückgezogen. Mitte März klagte dann der Verein Naturfreunde Sachsen-Anhalt gegen den Bauabschnitt Osterburg bis Seehausen Nord. Für den Rest der künftig 70 Kilometer langen Autobahn im Landkreis Stendal liegt mittlerweile Baurecht vor.

Die Nordverlängerung der A14 umfasst insgesamt 155 Kilometer zwischen den Anschlussstellen Dahlenwarsleben (Niedere Börde) und Schwerin. Davon führen 97 Kilometer durch Sachsen-Anhalt. Baustart war 2011. 

MDR/Bernd-Volker Brahms, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. Mai 2021 | 05:00 Uhr

34 Kommentare

MiSt vor 17 Wochen

@ Eulenspiegel
Was mir dazu einfällt:
Wenn ich so viele Autobahnen wie Sie in ihrem (korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege) Nordrhein-Westfalen zur Auswahl hätte, würde mir auch jedes Verständnis für die infrastrukturelle Notwendigkeit einer fertiggestellten A 14 fehlen.
Machen Sie doch davon jede zweite dicht und stellen dort Windräder auf. Hübscht die Landschaft auf und bringt die Menschen in den Städten und Gemeinden wieder etwas näher.

DER Beobachter vor 17 Wochen

"Das Autobahnteilstück um das es hier geht ist noch gar nicht genehmigt. Da läuft noch ein Prozess. Es wird sich zeigen wie der aus gehen wird." M.W. prozessieren auch Konservative und Gemeinden vor Ort aus naheliegenden Gründen. Und genau das ist ein Grund für das gemäßigte Vorgehen der gewählten Landräte...

Eulenspiegel vor 17 Wochen

Also was mir dazu einfällt:
Ein Kilometer Autobahn durch den Wald gebaut zerstört mehr Wald und Natur als einhundert große Windräder in den Wald gesetzt.
Das Autobahnteilstück um das es hier geht ist noch gar nicht genehmigt. Da läuft noch ein Prozess. Es wird sich zeigen wie der aus gehen wird.
Weiter:
Wald ist grundsätzlich, auch wenn er im Privatbesitz ist, ein öffentlicher Raum und somit nicht mit dem Wohnzimmer einer Privatperson zu vergleichen.
Ich denke ein Dutzend Waldbesetzer von denen keineswegs immer alle anwesend sind das ist kein Gewaltakt. Das ist nur ein Zeichen oder ein Symbol.

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