Irgendwo im nirgendwo Tonstudio in der Altmark: Hits aus der Waldhütte

Alexander Klos, MDR-Reporter im Studio Stendal
Bildrechte: MDR/Felix Moniac

Mitten in einem Wald in der Altmark steht ein Tonstudio. In der kleinen Holzhütte von Mohi Buschendorf haben schon Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt ihre Musik aufgenommen. Auch Buschendorfs Sohn arbeitet mit seiner Band in dem Studio.

Waldhausstudio Altmark
In dieser Waldhütte in der Altmark werden seit 20 Jahren Songs aufgenommen. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

  • In einer urigen Holzhütte in der Altmark versteckt sich ein Musikstudio.
  • Dort wurden schon mehr als 150 CDs von Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt eingespielt.
  • Betreiber Mohi Buschendorf ist selbst Musiker, genauso wie sein Sohn.

Ein Wald irgendwo zwischen Tangerhütte und Birkholz in der Altmark. Stellen Sie sich das Rauschen der Bäume vor, fernab vom Lärm menschlicher Zivilisation. Dort, wo der Wind durch Äste rauscht, dort ertönt aus einer Hütte Gesang, schallen Becken und Gitarrensaiten. Diese Klänge sollen hier für die Ewigkeit festgehalten werden. Wir sind im Waldhausstudio von Mohi Buschendorf. Er selbst ist leidenschaftlicher Musiker mit Hang zu tiefen Tönen – am E- und Kontrabass. Hier, in seinem Studio, hat er die Welt zu Gast – nicht nur musikalisch. Dabei ist das Waldhaus so abgelegen, scheinbar fernab von der (Kultur-)Szene.

Waldhausstudio Altmark
Seit 20 Jahren arbeitet Mohi Buschendorf im Waldhausstudio. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Das Waldhausstudio. Das sind vier Räume, erbaut aus viel Glas und urigem Holz. Das klingt gut. Das sieht auch gut aus. Und es hat einen großen Vorteil: Die Musiker sehen einander, können aufeinander achten. Teppiche kleiden den Boden. Feuer im Kamin sorgt für angenehme Wärme an kalten Wintertagen und unterstreicht noch einmal die Gemütlichkeit der Räume, in denen beispielsweise schon Musiker wie Stephan Bormann an der Gitarre oder Hans-Jürgen "Jäcki" Reznicek am Bass aufgenommen haben.

Respekt vor der Technik

Doch bleibt am Anfang jeder Aufnahme bei vielen Musikern – ob Vollprofi oder nicht – ein gewisser Respekt vor der Technik, sagt der Mann an den Reglern, Mohi Buschendorf: "Ich versuche, die Mikrofone unsichtbar zu machen, sodass sie wirklich frei spielen können. Dadurch, dass wir ein sehr gutes Monitorsystem haben, gelingt das eigentlich auch, dass sie sich nach einer Stunde, so ist das in der Regel, an den Sound gewöhnen."

Am besten ist es, wenn sie gar nicht mehr merken, dass die Mikrofone da sind, sondern einfach wie im Proberaum oder wie auf der Bühne agieren und spielen.

Mohi Buschendorf

Die Welt zu Gast in der Altmark

Eingespielt wurden hier bereits über 150 CDs. Künstler aus Sachsen-Anhalt, Europa, aus Syrien und den USA waren zu Gast und haben mit Mohi Buschendorf in den vergangenen 20 Jahren zusammengearbeitet. Sein Interesse am Klang und der Technik dahinter ist aber wesentlich älter: "Als Kind habe ich da schon experimentiert und gespielt. Und mein erster Berufswunsch war auch wirklich Tonmeister zu werden. Da war ich mit meinem Vater in Leipzig. Er hatte Bekannte beim Rundfunk der damaligen DDR. Und wir haben uns da vorgestellt."

Aber Tonmeister bedeutete zu der damaligen Zeit, dass man richtig viel und richtig gut Klavier spielen konnte, was ich nicht gemacht habe. Ich habe ja als Kind Cello gelernt und damit fiel das raus.

Mohi Buschendorf

Mehr-Generationen-Studio

Doch was nicht gleich ist, das konnte später noch werden und so wurde aus dem Wunsch, ein Studio zu haben, nach dem Musikstudium Realität. Die Liebe zum Klang – sie ist in der Familie generationsübergreifend. Mohi Buschendorf ist Basslehrer. Sein Sohn Ludwig lehrt Schlagzeug. Und beide ergänzen sich mittlerweile im Studio: "Ludwig steigt jetzt schon ein. Er hat schon seine eigenen Projekte, wie seine eigene Band Frachter, die er ganz alleine produziert hat. Da habe ich eigentlich nur über die Schulter geguckt. Das ist eine schöne Sache, das ist schon generationsübergreifend, was hier passiert."

Waldhausstudio Altmark
Mohi Buschendorf ist im Waldhausstudio der Mann für die Technik. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

So entstehen im Waldhausstudio neue Sounds. Aktuell mit der deutsch-syrischen Band Masaa. Auf den Klang und auf das Werk des 60-jährigen Vaters ist der Sohn schon ein wenig stolz: "Dass er so einen guten Draht zu den Leuten findet, einen guten Workflow entwickelt und auch die Räumlichkeiten klingen halt speziell. Das hat schon einen großen Wiedererkennungswert", so Ludwig Buschendorf.

Von Musiker zu Musiker

Ob junge Funk-Band, erfahrene Jazz-Kapelle oder experimenteller Solist – nach über 20 Jahren Studioerfahrung bleiben beim Gründer immer noch Wünsche: "Was ich hier noch nicht hatte, das wäre so richtig harter Death Metal oder Heavy Metal. Ich hätte auch nichts dagegen, das auch einmal zu produzieren."

Ich glaube, es ist vor allem die Zusammenarbeit mit den Musikern, die ich ganz gut kann und dass ich mich in ihre Situation reinversetzen kann, weil ich selbst auch Musiker bin und weiß, wie man sich fühlt, wenn man vor dem Mikrofon steht. Und natürlich macht das riesen großen Spaß, wenn neue Sachen entstehen.

Mohi Buschendorf

Die Freude am guten Klang – im Waldhausstudio bei Tangerhütte wird sie gern geteilt zwischen Studioleiter Mohi Buschendorf, Sohn Ludwig sowie den Musikerinnen und Musikern aus vielen Ecken der Welt.

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MDR (Fabienne von der Eltz)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 18. Januar 2022 | 14:40 Uhr

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