Autobahnverlängerungen Weiterbau der A14: Bauarbeiten in Sichtweite der Baumbesetzer

Auch wenn es den Eindruck machen könnte, dass die Bauarbeiten an der A14 durch Proteste verzögert werden könnten, so schreiten die Arbeiten doch in großen Schritten voran. Auch bei dem spektakulärsten Teilstück im Landesnorden sind die Bagger längst angerollt. Im kommenden Jahr beginnen die Arbeiten zur 1,1 Kilometer langen Elbbrücke bei Wittenberge.

Computeranimation der geplanten Elbbrücke bei Wittenberge
Noch ist die Elbbrücke bei Wittenberge eine Computeranimation. Doch schon im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen. Bildrechte: DEGES

Während im Losser Forst bei Seehausen im Landkreis Stendal ein gutes Dutzend Autobahngegner im Baum hocken und den Bau der A14 noch verhindern wollen, schreiten die Bauarbeiten fast in Sichtweite an der Landesgrenze voran. Im vergangenen Oktober war bei Wittenberge der erste Spatenstich für den wohl spektakulärsten Bauabschnitt der nördlichen Autobahnverlängerungen der A14 erfolgt. Unmittelbar bei Wittenberge wird eine Autobahnbrücke über die Elbe gebaut. Bislang verbindet hier nur eine Brücke der B189 die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Anspruchsvoller Brückenbau

"Der Brückenbau stellt sehr hohe Anforderungen", sagte Projektleiterin Kathrin Fiedler bei deiner digitalen Vorstellung der Arbeiten. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) setzt das Projekt um. Die Herausforderung liege darin, dass die Autobahn und die Brücke in unmittelbarer Elbnähe durch mehrere Schutzgebiete verlaufen. Entsprechend sei bei den Planungen darauf geachtet worden, dass möglichst wenig in die Natur eingegriffen werde.

Außerdem seien Belange des Hochwasserschutzes zu berücksichtigen gewesen, sagte Fiedler. Um die Eingriffe in die Natur gering zu halten, wurde das Baufeld minimiert. Brückenelemente werden vormontiert und auf die entsprechende Stelle geschoben. Als Ausgleich für erforderliche Eingriffe in die Natur werden in der Prignitz auf rund 250 Hektar Feuchtgebiete und Wälder sowie Nistmöglichkeiten für Vögel angelegt.

Baubeginn im Frühjahr

"Die Arbeiten an der Brücke werden im kommenden Frühjahr beginnen", sagte die Projektleiterin. Die Brücke wird eine Länge von 1,1 Kilometern haben. Der fast elf Kilometer lange Abschnitt zwischen Seehausen Nord und Wittenberge soll rund 305 Millionen Euro kosten. Neben der großen Elbbrücke sind noch 18 weitere kleine Brücken zu errichten. "Das hat auch mit dem Naturschutz zu tun", erklärt Fiedler.

Gesamtprojektleiter Holger Behrmann sprach von einem Fertigstellungstermin des gesamten Abschnitts im Herbst 2025. In einem Nebensatz ließ er fallen, dass die Autobahn, die seit 2003 im Bundesverkehrswegeplan verankert ist, eine vergleichsweise "geringe Verkehrszahl" haben werde. Die DEGES geht nach Prognosen von rund 26.000 Fahrzeugen am Tag aus.

"Flüsterasphalt" im Abschnitt bei Wittenberge geplant

Auch Behrmann erklärte, dass große Bemühungen erfolgen, um dem Naturschutz und auch der möglichst geringen Lärmbelästigung der Anwohner zu entsprechen. So seien Lärmschutzwände teilweise – nach Verhandlungen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) – noch verlängert worden. Im Stadtgebiet Wittenberge, wo etwa zwei Kilometer Autobahn verlaufen, werde zudem sogenannter offenporiger Asphalt – auch "Flüsterasphalt" genannt – verwendet.

Dem Naturschutz sei auch dadurch entsprochen worden, dass die Autobahntrasse teilweise auf der heutigen B189 verlaufe. Behrmann versprach, dass es im Zuge des Autobahnbaus so gut wie keine Behinderung im Verkehrsfluss auf der B189 geben werde.

Wittenberge erhält Förderung für Bahnsteig-Ausbau

Der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos) sprach bei der Veranstaltung davon, dass die zügige Fertigstellung der Autobahn nun oberste Priorität habe. Dies bedeute den Anschluss an das schnelle überregionale Straßennetz. Hermann konnte zudem verkünden, dass man nun auch die Zusage von Fördergeld in Höhe von 23 Millionen Euro für den Ausbau des Bahnsteigs am Wittenberger Bahnhof bekommen habe. Dies sei die Voraussetzung, dass die Stadt an den Fernzugverkehr angeschlossen werde.

Die Planer hielten sich bei ihrer Vorstellungsrunde an den technischen Details des Bauwerkes fest. Auf eine Diskussion zu Fragen des Naturschutzes wollten sie sich nicht einlassen. "Das ist im Zuge des Planungsverfahrens abgearbeitet worden", sagte Gesamtprojektleiter Holger Behrmann.

Auch auf mögliche Auswirkung der Baumbesetzer in Losse und auf ein Klageverfahren zum vorgelagerten Bauabschnitt zwischen Osterburg und Seehausen ließen sich die Verantwortlichen nicht ein und ließen die Frage unter den Tisch fallen. Pressesprecher Lutz Günther teilte im Nachgang MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass es für den aktuellen Bauabschnitt nicht von Belang sei, ob es im vorgelagerten Abschnitt ein Baurecht gibt.

Klagen und Proteste gegen Weiterbau halten an

Im März hatten die Naturfreunde Sachsen-Anhalt eine Klage gegen den Streckenabschnitt eingereicht. Sie sehen aktuelle Rechtsgrundlagen zum Naturschutz nicht berücksichtigt. Der entsprechende Abschnitt ist der Vorletzte in Sachsen-Anhalt, für den es noch kein Baurecht gibt.

Ein weiterer Abschnitt ist der zwischen Wolmirstedt und Dahlenwarsleben (Börde), auch dort läuft eine Klage. Der Stendaler Landrat Patrick Puhlmann (SPD) versucht derweil mit juristischen Mitteln, die Baumbesetzer im Losser Forst aus dem Privatwald zu holen. Puhlmann betonte aber bereits Mitte Mai, dass die Demonstrierenden bisher keine Straftaten begangen hätten. Die Vergehen würden sich im Bereich von Ordnungswidrigkeiten bewegen.

MDR/Bernd-Volker Brahms, Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Juni 2021 | 06:30 Uhr

16 Kommentare

ElBuffo vor 5 Wochen

Wieviele Jahre sind es dann bei 20.000 am Tag? Von den LKW, die auf der Strecke bisher an 32 Amoeln abbremsen und wieder anfahren, will ich gar nicht erst anfangen. Der Feinstaub dann erst noch.

esSKaa vor 5 Wochen

Ich hoffe für alle Steuerzahler, dass Sie Recht behalten. Teilen kann ich den Optimismus nicht. Ich sehe keine relevanten Ballungszentren, deren Verbindungslücke durch die Nord-A14 geschlossen wird. Im Übrigen gibt es recht konkrete Pläne zum Weiterbau der A39. Wir werden schon bald sehen, wo die Wahrheit liegt. Klar ist natürlich, dass geltendes Baurecht durchgesetzt werden muss. Und klar ist auch, dass die Autobahn durchgängig gebaut werden muss. Sonst wäre es erst richtig Quatsch.

Nordharzer vor 5 Wochen

Ich denke, wenn die A14 mal endlich fertig ist, wird sie auch genügend Verkehr ziehen. Es gibt zwischen der A7 und der A24/19 nichts in Richtung Norden. Dass das solange dauert liegt hauptsächlich an den vielen, größtenteils unberechtigten Klagen. Diese Verzögerung führt auch zu einer nicht unerheblichen Kostensteigerung. Was die Waldbesetzer anbetrifft, muss sich der Landrat fragen lassen, ob Ordnungswidrigkeiten so ok sind? Es klingt fast so.

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