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Haus gesperrtGeschlossenes Kreismuseum Osterburg: "Eigentlich ist das hier eine Riesenchance"

11. Juni 2024, 18:03 Uhr

Das Kreismuseum in Osterburg ist seit November geschlossen. Weil die Fassade sich gefährlich neigt, wurde das Haus baupolizeilich gesperrt. Museumsleiter Florian Fischer sieht vor allem die Chancen, die die Situation bietet. Er ist optimistisch, Gelder für die Sanierung aufzutreiben – und organisiert derweil Ausstellungen an anderen Orten.

Seit November ist das Kreismuseum Osterburg geschlossen. Das große Fachwerkhaus aus dem Jahr 1772 ist baupolizeilich gesperrt. Fachleute hatten bemerkt, dass vor allem die Fassade im Obergeschoß sich gefährlich neigt. Das Gutachten, das die Schäden detailliert aufführen soll, ist noch nicht fertig. Noch ist völlig unbekannt, wie groß der Sanierungsaufwand wäre und ob der hochverschuldete Landkreis Stendal – er ist Träger des Museums – den überhaupt stemmen könnte.

Museumsleiter in Osterburg: "Eigentlich ein Riesenchance"

Das alte Haus wird innen von Balken gestützt. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Binnen weniger Stunden hatte eine Expertenkommission im November nach einer Begehung das Kreismuseum für die Öffentlichkeit gesperrt. Nur Museumsleiter Florian Fischer und seine Mitarbeiter sowie einige ehrenamtliche Helfer haben Zutritt. Nach dem anfänglichen Schock sagt Fischer heute: "Viele reden von einer Katastrophe, aber eigentlich ist das hier eine Riesenchance."

Als Fischer vor etwa zwei Jahren sein Amt antrat, sagte er in einem ersten Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT, die Dauerausstellung im Kreismuseum bräuchte dringend eine Überarbeitung. Die Einrichtung bedürfe einer umfassenden Umstrukturierung. Zu solch grundsätzlichen Arbeiten kommt Fischer jetzt schneller als erwartet. Er nehme jetzt jedes Stück in den Ausstellungsräumen und dem – wenig geordneten – Depot in die Hand, registriere neu, verpacke neu, erzählt er. Gerade kümmert er sich um die archäologische Sammlung. An dem Verbleib der 5.000 Stücke haben auch das Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie sowie der Museumsverband Sachsen-Anhalt Interesse. Sie beraten Florian Fischer bei den Arbeiten, die er jetzt im Museum ausführt.

Viele reden von einer Katastrophe, aber eigentlich ist das hier eine Riesenchance.

Florian Fischer | Leiter des Kreismuseums Osterburg

Kreismuseum bezieht vorerst andere Räume – und plant neue Ausstellungen

Der Landkreis als Träger des Museums hatte sich unterdessen auf die Suche nach Ausweichdomizilen gemacht. Der traditionelle Osterburger Ostermarkt lockte hunderte Besucher erstmals nicht ins Kreismuseum, sondern in die privat betriebene Musikmarkthalle am Großen Markt. Seit wenigen Tagen stehen dem Museum zwei Räume im Gebäude der Abfallentsorgungsgesellschaft (ALS) des Landkreises am Platz des Friedens in Osterburg zur Verfügung.

Noch künden keine Schilder davon, aber dort wird die nächste, vermutlich deutschlandweit Aufsehen erregende, Sonderausstellung laufen: Es geht um spezielle Eisenbahngeschichte(n). An ihrer Vorbereitung beteiligen sich neben Osterburger Interessierten auch Forscher aus Berlin und Erfurt. Der Raum in dem Backsteingebäude ist zwar etwa 20 Quadratmeter kleiner als der im eigentlichen Kreismuseum, aber das sei aus museologischer Sicht eher eine Herausforderung, sagt Florian Fischer.

Architektonischer Kontrast: Das Kreismuseum residiert sonst in einem Fachwerkhaus von 1772 – und jetzt im Gebäude der ALS. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Die darauf folgende traditionelle "Hommage"-Ausstellung mit Arbeiten aus dem Kunstunterricht Osterburger Schulen wird sich auf mehrere Standorte verteilen: auf die ALS, die Musikmarkthalle, das Rathaus-Foyer und leerstehende Schaufenster in der Innenstadt.

Trotz Skepsis: Museumsleiter und Förderverein sind optimistisch

Florian Fischer zur Seite steht der vor zwei Jahren gegründete Förderverein des Museums. Gerade hat Bürgermeister Nico Schulz den Vorsitz an Sascha Sengstock abgegeben. Der Krumker ist ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger und hatte zuvor bereits im Vorstand mitgearbeitet. Sengstock lässt keinen Zweifel daran, dass sein Verein davon ausgeht, dass das Kreismuseum saniert wird. Der Förderverein sei jetzt auf der Suche nach Fördertöpfen, die dem Landkreis nicht zur Verfügung stünden. Hilfe bekommen die Osterburger vom Förderverein des Salzlandmuseums in Schönebeck/Elbe. Der hatte mit Fördermitteln und Spenden einen neuen Anbau an die Einrichtung in Schönebeck finanzieren geholfen.

Museumsleiter Florian Fischer (links) und der Vorsitzende des Fördervereins Sascha Sengstock sind optimistisch, dass das Museum in Osterburg saniert wird. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Doch trotz aller Beteuerungen: Noch ist unklar, wie es mit dem Kreismuseum weitergeht. Die Sanierung wird womöglich teuer, der Landkreis Stendal ist hochverschuldet. Schon bei den Haushaltsdebatten im Kreistag vor zwei Jahren hatten Abgeordnete mehrerer Fraktionen offen darüber diskutiert, ob man das Kreismuseum Osterburg nicht schließen und so viel Geld sparen könnte. Die baupolizeiliche Sperrung und die drohenden Zusatzkosten könnten Wasser auf die Mühlen dieser Skeptiker sein.

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MDR (Katharina Häckl, Maren Wilczek)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. Juni 2024 | 09:30 Uhr

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