EU-Förderung wird reduziert Wie die Landkreise in der Altmark ihre Schulsozialarbeit finanzieren wollen

Weil die Förderrichtlinien geändert wurden, bangen Sachsen-Anhalts Schulen um ihre Sozialarbeiter. Auch im Landkreis Stendal und Altmarkkreis Salzwedel. Während in einem Kreis Stellen gestrichen werden könnten, hat der andere die Finanzierung gesichert – zu einem hohen Preis.

Zwei Schülerinnen mit Mund- und Nasenschutz beraten sich im Unterricht in einem Geographie-Seminar in der Jahrgangsstufe elf am staatlichen Gymnasium Trudering über ein Arbeitsblatt.
Während der Corona-Pandemie ist der Bedarf nach Schulsozialarbeit weiter gestiegen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Schulsozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter leisten seit gut zehn Jahren wichtige Arbeit an Sachsen-Anhalts Schulen. Schüler haben durch sie bei Problemen einen Ansprechpartner. Bisher wurden sie aus EU- und Landesmitteln bezahlt. Ab dem kommenden Schuljahr sollen sich nun die Landkreise an der Finanzierung beteiligen. Trotzdem sollen die landesweit 380 Schulsozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter weiterhin beschäftigt werden.

Altmarkkreis Salzwedel befürchtet Stellenkürzung

Doch ob das wirklich gelingt, ist nicht sicher. Weil nicht alle Landkreise die finanziellen Mittel haben, um den geforderten Eigenanteil zu stemmen, müssen einige Schulsozialarbeiterinnen um ihren Job bangen. Etwa im Altmarkkreis Salzwedel. Landrat Michael Ziche (CDU) sagte:  "Das Problem ist, dass man die Verteilung nach Schülerzahlen vornimmt. Da, wo weniger Schüler sind, kommen dann auch weniger Schulsozialarbeiter hin. Von daher wird der Altmarkkreis Salzwedel eine Stelle verlieren. Wir werden also von 15 auf 14 runterfallen." Für die Schulsozialarbeit kommen rund 200.000 Euro zusätzlich auf den Landkreis zu.

Für Schulsozialarbeit: Landkreis Stendal kürzt bei Sportförderung

Angesichts leerer Kassen wird es auf Dauer schwierig, sagt auch der Stendaler Landrat Patrick Puhlmann (SPD). 290.000 Euro pro Jahr muss der Landkreis Stendal für seine 20 Stellen zuzahlen. Angesichts des Haushaltsdefizits ein Riesenbetrag. Und eigentlich bräuchten die Schulen sogar noch mehr Mitarbeitende in der Schulsozialarbeit. "Es gibt noch mehr Anträge von Schulen als die vom Land geförderten 20 Stellen. Aber ich rufe dazu auf, dass jetzt nicht eine Schule gegen eine andere Schule oder ein Ort gegen eine andere Gemeinde versucht wird, auszuspielen."

Patrick Puhlmann
Patrick Puhlmann Bildrechte: dpa

Um die bisherigen Stellen überhaupt fortführen zu können, musste der Landkreis Stendal an anderer Stelle sparen. Getroffen hat es die Sportförderung im Landkreis. Dort wurden 70.000 Euro gestrichen. Einen Großteil davon kompensiert die Sparkasse, die ihr Engagement bei der Förderung des Kreissportbundes kurzfristig um 50.000 Euro aufstockt. Dennoch bleibt eine Lücke von zehn Prozent zur bisherigen Fördersumme von 200.000 Euro, erklärte Puhlmann. Am Montag sagte er: "Das ist erheblich, das ist schmerzhaft und dafür kann niemand – auch ich – keinen Applaus erwarten. Aber wir müssen hier auch betrachten: Schulsozialarbeit gilt, ob wir das richtig finden oder nicht, als freiwillige Aufgabe."

SPD drängt auf Landesprogramm

Puhlmann sieht deswegen weiter politischen Handlungsbedarf, um finanzielles Tauziehen zu verhindern und damit die permanente Unsicherheit der Mitarbeitenden irgendwann ein Ende hat. Damit stößt bei einem Teil der Landesregierung offenbar auf offene Ohren. Denn die SPD drängt auf ein eigenes Landesprogramm zur Schulsozialarbeit. Das bisherige Niveau soll erhalten und die kommunalen Haushalte nicht zusätzlich belastet werden, hieß es.

dpa, MDR (Bernd-Volker Brahms, Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. März 2022 | 09:30 Uhr

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