Drei Millionen sollen investiert werden Tangermünder Hafen: Schwimmende Hotelbetten für mehr Touristen

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Tangermünde wird auch die Perle der Altmark genannt. Das Mittelalterstädtchen an der Elbe zieht jährlich viele Tausend Touristen an. Um das noch besser hinzubekommen, wurde ein Tourismuskonzept auf den Weg gebracht. Kleiner Haken bei der Angelegenheit ist, dass die Stadt ein großes Loch in der Stadtkasse hat und es nicht umsetzen kann. Doch seit kurzem gibt es eine Hoffnung.

Im Hafen von Tangermünde sind die Ufer mit Schlamm bedeckt.
Kein Touristenmagnet: der Schlamm im Tangermünder Hafen. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Wer auf dem Burgberg in Tangermünde steht, hat einen grandiosen Blick über die Elbe und die Elbauen. Schon Kaiser Karl IV. hatte im Mittelalter die Stadt zu seinem Zweitwohnsitz gemacht. Jährlich verzeichnet die Stadt rund 100.000 Übernachtungen. Der Tourismus ist schon lange ein wichtiger Faktor. Doch um die Werbetrommel zu rühren, fehlt das Geld. Und ein Tourismuskonzept könnte bald wieder in der Schublade verschwinden. "Die Bereitstellung des Budgets gestaltet sich im Moment schwierig", sagt Bürgermeister Jürgen Pyrdok. "Im laufenden Haushalt gibt es ein Defizit von einer Million Euro". Im Stadtrat gibt es Kritik an der mangelnden Umsetzung des über Jahre erarbeiteten Tourismuskonzeptes, für das eigens eine Agentur aus Potsdam engagiert wurde.

Noch Zukunftsmusik: Hausboote und Iglus im Tangermünder Hafen

Blick auf eine schwimmende Insel im Erlebnispark Parey
So ähnlich könnte es bald im Tangermünder Hafen aussehen. Auf dem Bild ist das Erlebnisdorf in Parey zu sehen. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Doch nun kommt dem Bürgermeister ein Vorhaben eines Investors sehr gelegen. Björn Thomas, der im nahe gelegenen Parey (Jerichower Land) ein Erlebnisdorf betreibt, möchte unmittelbar am Tangermünder Hafen ein Tourismusprojekt umsetzen. Er will eine neue Steganlage bauen und dort 15 Hausboote für Übernachtungen anbieten. Außerdem soll am Wasser eine Holzhaussiedlung – ein sogenanntes Iglu-Dorf – für den gehobenen Tourismus entstehen. Drei Millionen Euro will der 47-Jährige nach eigenen Angaben investieren.

Eine erste Vorstellung des Projektes Anfang März stieß auf großes Wohlwollen sowohl bei Stadträten als auch Bürgern. Kritik gab es lediglich daran, dass das Iglu-Dorf auf der jetzigen Skater-Anlage der Jugendlichen vorgesehen sei. "Wir sind da ganz flexibel", sagt Björn Thomas. Er betont, dass das Projekt sich in die bestehenden Strukturen einpassen solle und ein Gewinn für alle am Tourismus in Tangermünde beteiligten Akteure sein solle. Gastronom Tiemo Schönwald sieht das Projekt als Bereicherung: "Ich sage immer, wegen einer Gaststätte fährt keiner in Berlin los nach Tangermünde. Aber, wenn man sich darauf verlassen kann, dass für jeden Geschmack etwas geboten wird, dann machen die Leute sich auf den Weg."

Fördergelder könnten Schlamm-Problem lösen

Für den Bürgermeister passt das Konzept des Investors, bei dem auch der jetzt schon sehr beliebte Caravan-Platz einbezogen werden soll, in die Vorstellungen der Stadt für die Weiterentwicklung des touristischen Profils. Was die Sache noch obendrein attraktiv macht, ist der Umstand, dass Tangermünde damit ein ganz anderes seit Jahren schwelendes Problem lösen könnte – nämlich die Verschlammung des Hafens.    

Die Hafenanlagen in Tangermünde
Hier sollen die Iglus und Hausboote entstehen. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

"Wir haben immer wieder verschiedene Ansätze erarbeitet", sagt Jürgen Pyrdok. Allen Möglichkeiten ist dabei gemein, dass sie sehr teuer sind. Allein die einfachste Lösung des Abbaggerns, Lagerns und anschließenden Verbrennens der Sedimente soll bis zu 1,6 Millionen Euro kosten. Unlängst hat die Stadt von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Stendal das Nein für ein Abpumpen des Schlamms und Einleitens in die Elbe versagt bekommen. "Das hatten wir zuletzt favorisiert", so Pyrdok. Um das Umzusetzen, hätten alle Bundesländer und Länder, die an die Elbe grenzen, beteiligt werden müssen. "Das ist ein Wahnsinn. Der Schlamm wäre nicht einmal ein paar hundert Meter bis zur Werft gespült worden", so der Bürgermeister.

Mit dem Tourismusprojekt von Björn Thomas und seinen schwimmenden Hotelbetten zeichnet sich allerdings ab, dass es für eine Entschlammung des Hafens viel Fördergeld geben kann. Dies deutete Manfred Maas als Berater des Investors an. Maas war jahrelang Chef der Landesinvestitionsbank in Sachsen-Anhalt. Er habe Voranfragen bei der EU und den Ministerien in Magdeburg gestellt und die Antwort erhalten, dass die Entschlammung förderfähig sei, wenn damit eine touristische Nutzung des Hafens möglich gemacht werde. "Und das ist ja hier der Fall", sagte Maas bei der öffentlichen Vorstellung des Projektes. Bis zu 95 Prozent der Kosten könnten übernommen werden. "Das ist eine Förderquote, die es so nicht mehr lange geben wird", sagte er. Bürgermeister Jürgen Pyrdok möchte das Projekt noch im März im Stadtrat besprechen. Am 24. März sitzen die Ratsmitglieder wieder zusammen. Ohne die Förderung könne die Entschlammung des Hafens nicht bezahlt werden.

Tourismuskonzept soll wieder Fahrt aufnehmen

Mit Rückenwind aus dem Projekt könnte die Stadt nach Ansicht des Verwaltungschefs dann auch noch andere Aspekte des Tourismuskonzeptes umsetzen. So liegt beispielsweise die Vermarktung seit Jahrzehnten in privater Hand. Pyrdok kann sich vorstellen, dass ein, zwei Fachleute auch bei der Stadt angestellt werden. Immerhin ist auch der Altmärkische Regionalmarketing und Tourismusverband (ART) in Tangermünde ansässig. Er wird von den Kommunen in der Altmark getragen und macht auch für Tangermünde Werbung. 

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Über den Autor Bernd-Volker Brahms wurde in Leer/Ostfriesland geboren und hat in Göttingen Deutsch und Geschichte studiert. Er hat 18 Jahre lang für verschiedene Zeitungen als Redakteur gearbeitet. Er ist politischer Reporter mit Leidenschaft. Er berichtete bereits sechs Mal über Badminton von Olympischen Spielen. Brahms arbeitet im MDR-Regionalstudio Stendal.

MDR/Bernd-Volker Brahms, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. März 2021 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Ritter Runkel vor 26 Wochen

Es wäre ein Arrangement, bei denen beide Seiten gewinnen könnten.
Mir fehlt nur der Glaube, dass die Investitionssumme von 3 Millionen Euro ausreichend ist, außerdem fehlt mir eine klare regionale und ökologische Ausrichtung für das Feriendorf.
Das Feriendorf könnte überall stehen, es müsste schon auf Tangermünde zugeschnitten sein.

Kaja vor 26 Wochen

Lieber Bernd-Volker Brahms,
ich stamme aus der Altmark und so viel ich weiß, ist Arendsee die Perle der Altmark und nicht Tangermünde. Das dürfte einem Reporter des Regionalstudios Stendal nicht passieren.

Ritter Runkel vor 26 Wochen

Ich würde als Stadtratsmitglied Tangermündes schauen, wie wird das Projekt finanziert und von wem stammt eigentlich die Finanzierung!

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