Plattenbausiedlung "Stadtsee": Stendals größtes Stadtviertel wird 50

Stendal war einst die Zukunft der DDR, als vor den Toren der Stadt an einem Atomkraftwerk gebaut wurde. Dann kam die Wende und die Stadt veränderte sich schlagartig. Das Viertel Stadtsee traf es besonders hart. Heute ist Stadtsee zwar immer noch der größte Stadtteil Stendals, doch was früher eine attraktive Wohngegend war, hat heute einen schlechten Ruf. Wer lebt hier heute Platte an Platte?

Wohnhäuser in der Plattenbausiedlung Stendal-Stadtsee
Vor 50 Jahren wurde in Stendal der Grundstein für das Viertel Stadtsee gelegt. Bildrechte: dpa

Das Wohnviertel "Stendal Stadtsee" besteht in diesem Jahr seit 50 Jahren. Trotz vieler Abrisse in den vergangenen Jahren ist Stadtsee immer noch der größte Stadtteil Stendals – fast ein Viertel der Stadtbevölkerung lebt hier.

Das Quartier im Westen der Stadt gliedert sich auf in Stadtsee I, Stadtsee II und Stadtsee III und war einst ein Vorzeigeviertel. Zu DDR-Zeiten zählte Stendal zu den wichtigsten Industriezentren. In den 80ern wurde vor den Toren der Stadt mit dem Bau eines Atomkraftwerks begonnen. Auf der größten Baustelle des Landes arbeiteten 7.000 Werktätige.

Eine Stadt in der Stadt

Ab 1971 wurden deshalb Großwohngebiete am Stadtrand aus dem Boden gestampft, Platte um Platte. Das Viertel bot seinen Bewohnern viel: Schulen, Kindergärten, eine Kaufhalle, eine Post und sogar eine eigene Bahnanbindung direkt zur Baustelle des Kernkraftwerks. Eine Stadt in der Stadt.

Stadtsee
Die Plattenbausiedlung galt vor der Wende als attraktives Wohngebiet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach der Wende änderte sich das Image des einst attraktiven Wohnviertels radikal. Mit dem Bauende des Kraftwerks zogen viele Arbeiter wieder weg. Aber auch sonst zog jeder, der er sich leisten konnte, in eine vermeintlich "bessere" Gegend. Die Einwohnerzahl Stadtsees schrumpfte von einst 30.000 Bewohnern um 20.000.

Problemviertel: Stadtsee kämpft mit schlechtem Ruf

Wegen des hohen Leerstandes wurde im Jahr 2000 der erste Plattenbau wieder abgerissen. 3.000 weitere Wohnungen folgten. Dennoch bleibt Stadtsee der größte Stadtteil Stendals – rund ein Viertel der Stadtbevölkerung lebt hier. Doch das Viertel kämpft mit einem schlechten Ruf und wird von außen gern als Problemviertel und sozialer Brennpunkt bezeichnet. Vier von fünf Familien, die hier zuhause sind, leben in sogenannten prekären Verhältnissen; kaum einer, der nicht Hartz IV bezieht

Doch wer wohnt hier eigentlich Platte an Platte? Die MDR-Reportage "Einmal Stadtsee – immer Stadtsee" erzählt die Geschichten der Menschen hinter den Plattenbaufassaden, zeigt, was sie mit dem Viertel verbinden und was sie sich von der Zukunft erhoffen.

Ein Mann steht vor einer Plattenbausiedlung, darunter der Text: Stendal-Stadtsee, Plattengeschichten. 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 29. November 2021 | 16:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Mehr aus Sachsen-Anhalt