Wahl-Stimmung am Imbissstand "No Future" bei den Alten, Zukunftspläne der Jungen

In den Wahlarenen der Republik ist die Stimmung aufgeheizt. Aber gerade im Alltag kommen die unterschiedlichsten Menschen immer wieder ins Gespräch. Zu Besuch an einem Imbissstand in Genthin.

Ein Mann hinter der Theke schaut lachend zu einem Mann vor der Theke.
In Tommys Imbiss in Genthin sind alle willkommen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kurz vor 09:00 Uhr am Morgen in Genthin. Uwe Tombrink hat in seinem Imbissstand bereits das Geschirr gespült, die ersten Würste auf den Grill gelegt und Kaffee gekocht. Tombrink, den alle nur Tommy nennen, betreibt den Imbiss direkt am Marktplatz. Hier trifft sich der ganze Ort und Tommy nimmt sie alle gerne in Empfang. Dass Gastfreundschaft den Zusammenhalt fördert, hat er in den USA gelernt:

Warst du im Osten mal in einer Kneipe? Da weißt du ja wie freundlich die Kellner waren. Und das würde dir in Amerika nie passieren. Die geben dir immer das Gefühl, dass du dazu gehörst.

Uwe Tombrink Imbissbesitzer in Genthin

Vom Design der Tische bis hin zur Speisekarte steht hier alles im Zeichen Onkel Sam's. Jetzt sind Burger morgens noch nicht so beliebt, aber wie im Diner gibt es hier natürlich auch Kaffee. Und weil der sogar 40 Cent günstiger ist als beim Bäcker, trudeln auch schon bald die ersten Kunden ein. Ein Gast holt sich wie jeden Morgen seinen Kaffee ab, bevor er sich zu seiner Gruppe setzt. Die Stimmung ist aber nicht gut. Die Benzinpreise sind schon wieder gestiegen. Ihre Sorge: Dass die Benzinpreise weiter steigen, wenn Bündnis90/Die Grünen die nächste Regierung stellt.

Trotzdem werden sie nicht wählen gehen: "Wir ändern doch sowieso nichts daran."

Es scheint tatsächlich so, als würden die Uhren hier anders ticken als im Rest der Republik. Während bundesweit die Grünen nach der letzten Umfrage von Infratest Dimap mit 15 Prozent immer weiter abrutschen, haben sie bei den Landtagswahlen im Juni in Genthin knappe 4 Prozentpunkte bekommen. Ihr bisher bestes Ergebnis in der Stadt.

Marktplatz statt Wahlarena

Überhaupt verschwimmen die politischen Grenzen hier im Ort, wo sowieso jeder jeden kennt. Da kann es auch mal passieren, dass sich Vertreter der Alternative für Deutschland und von den Grünen auf dem Markt treffen. Und wo man sich sonst spinnefeind ist, kommt man hier ins Gespräch über die Bedürfnisse der Genthinerinnen und Genthiner. Ulrich Siegmund, der für die AfD im Landtag sitzt, möchte unbedingt eine bessere Gesundheitsversorgung im Ort. Das möchte er so auch in den Landtag tragen. Und Lutz Nitz von den Grünen stimmt zu: "Wenn ihr der Meinung seid, dass ihr das so machen müsst, dann ist das gut. Hier müssen wir den Leuten antworten und die wollen die Station haben. Den Leuten ist egal, wer es bezahlt. Es soll bezahlt werden."

Das Thema Gesundheitsversorgung liegt in Genthin schon lange im Argen. 2017 hat hier das Krankenhaus dichtgemacht. Die Träger, die Johanniter meinten damals, dass sich ein kleines Klinikum wie Genthin nicht rentiert und rote Zahlen schreiben würde. Heute ist das nächste Krankenhaus mehr als 30 Kilometer weit entfernt.

Bewegte Jugend in Genthin

In der Gesundheitsversorgung arbeitet auch Karsten. Er ist Pfleger. Zu seiner Berufung hat er erst spät gefunden, nachdem er Wasserbauer gelernt hat. Und so hart der Job ist, er macht ihn gerne. Er geht gerne zur Wahl.

Ein Mann mit Sonnenbrille.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zur Wahl? Selbstverständlich. Sonst habe ich ja gar kein Recht zu jammern oder zu meckern. Die jammern alle rum, gehen aber auch nicht wählen. Schwachsinn!

Karsten Pfleger aus Genthin

Die jüngsten Gäste an diesem Tag in Tommys Imbiss sind auch fast die letzten. Sie ist 19, er ist 20 und sie sind erst kürzlich aus Berlin hergezogen. Während es viele junge Menschen in die große Stadt zieht, genießen die beiden die ländlichen Strukturen. Sie haben auch schon einen Plan für ihre gemeinsame Zukunft, erzählt der junge Mann: "Wir wollen genügend Geld zusammensparen, bis wir ein Haus kaufen können. Dafür eignet es sich hier sowieso besser, als in Berlin. Weil in Berlin ist auch eine normale Wohnung nicht tragbar."

Im Markt-Imbiss brutzelt es weiter. Tommy hat noch einen Catering-Auftrag. Am Wahlsonntag wird er frei haben. Bis dahin und auch danach kommen die Menschen in Genthin hier weiter ins Gespräch. Über einem Burger, einer Pommes oder morgens beim Kaffee.

MDR Investigativ

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 15. September 2021 | 20:15 Uhr

2 Kommentare

DER Beobachter vor 4 Wochen

Hm, schauen wir mal: Münster ist traditionell CDU-regiert und traditionell mit CDU-Stadtratsmehrheiten. Eine schöne alte Stadt, vergleichsweise mit die niedrigsten Schulden in D und eine der Fahrradstädte Deutschlands. Der CDU-Bürgermeister fährt privat Car-Sharing und hat sonst drei Fahrräder, mit denen er die üblichen Wege zurücklegt, u.a. ein Lastenfahrrad...

DanielSBK vor 4 Wochen

Dass die Benzinpreise weiter steigen, wenn Bündnis90/Die Grünen die nächste Regierung stellt.
Trotzdem werden sie nicht wählen gehen: "Wir ändern doch sowieso nichts daran."


Sorry - aber da platzt mir doch glatt die Vegie-Grillwurst ... jede abgegebene(!) Stimme gegen Links-Grün wäre gut - aber so?!

So wird Tommy demnächst in den sauren Bioappel beißen müssen. Den letzten beißen eben die Hunde.. oder man wird vom Lastenfahrrad platt gefahren.

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