Vogel in Tangerhütte West-Nil-Virus erneut in Sachsen-Anhalt nachgewiesen

Bei einem Kanarienvogel in Tangerhütte ist das West-Nil-Virus nachgewiesen worden, diesmal erstmals im nördlichen Teil des Landes. In den vergangenen Jahren gab es bereits Fälle der Virus-Infektion in Sachsen-Anhalt. Die Experten vom Landesamt für Verbraucherschutz sehen darin Anzeichen einer Häufung. Das Virus ist durch Stechmücken auch auf Pferde und Menschen übertragbar. Solche Infektionen beim Menschen sind bislang aber allgemein sehr selten.

Kanarienvogel sitzt auf einem Gesteinsbrocken (Symboldbild)
Ein Kanarienvogel auf einem Gesteinsbrocken, allerdings nicht in Deutschland. Bei so einem Vogel ist in Tangerhütte das Virus nachgewiesen worden. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/blickwinkel

Das West-Nil-Virus ist erneut in Sachsen-Anhalt nachgewiesen worden. Betroffen war ein Kanarienvogel aus Tangerhütte. Darüber informierte das Landesamt für Verbraucherschutz am Freitag. Es ist nach Angaben der Behörde der erste in Fall in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr und der dritte in Deutschland. Zugleich wurde damit das Virus im Bundesland zum ersten Mal nördlich von Magdeburg nachgewiesen.

Virus wird durch Stechmücken übertragen

2018 wurde das Virus erstmals bei einem Tier in Sachsen-Anhalt entdeckt, auch 2019 und 2020 konnte es nachgewiesen werden. Im vergangenen Jahr wurden den Angaben zufolge landesweit 13 Infektionen bei Tieren mit dem Virus angezeigt. Sechs davon bei Vögeln und sieben bei Pferden. Im Jahr 2019 waren es 30 Infektionen. Weil das Virus über mehrere Jahre in Sachsen-Anhalt nachgewiesen werden konnte, wird es vom Landesamt für Verbraucherschutz nun als endemisch – also aus Expertensicht als gehäuft auftretend – betrachtet.

Das ursprünglich aus Afrika stammende Virus wird laut Robert Koch-Institut (RKI) durch Stechmücken übertragen – die vorher infizierte Wildvögel gestochen haben. An dem West-Nil-Virus erkranken neben Vögeln aber auch Pferde und Menschen, die dann allerdings selbst nicht infektiös für andere sind.

Infektionen für Menschen möglich – bisher seltene Fälle

In ganz Deutschland wurden für 2020 nach RKI-Angaben lediglich rund 20 Fälle festgestellt. Wobei: Die Tatsache, dass seit kurzem in Kliniken und im Zuge der Blutspende stärker auf das West-Nil-Virus getestet wird, könnte aus Sicht des RKI dazu beitragen, diese Fälle offenzulegen. Das zeigen auch RKI-Berichte aus den Vorjahren.

Die Infektion verläuft dem Landesamt zufolge überwiegend unauffällig oder mild. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickelten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) eine fieberhafte Erkrankung ähnlich eines grippalen Infekts, die drei bis sechs Tage andauert. Nur etwa einer von 100 Infizierten erkranke schwer.

Zu Risikogruppen zählen ältere Menschen. Eine Schutzimpfung für Menschen gibt es nicht. Experten empfehlen, sich vor Mückenstichen zu schützen.

Pferdehaltern wird Impfung für ihre Tiere empfohlen

Das Friedrich-Loeffler-Institut erklärt, Pferde könnten wie Menschen und Vögel durch Stechmücken infiziert werden. Die Mehrzahl der infizierten Pferde entwickle, ähnlich dem Menschen, keine klinische Symptomatik. Das Virus kann bei einigen Pferden jedoch zu Hirnentzündungen, Lähmungen oder Krämpfen führen oder zum Tod. Anders als beim Menschen gibt es für Pferde bereits eine Impfung. Pferdehaltern wird daher von der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin eine Impfung empfohlen.

Vor zwei Jahren gab es einen Fall des West-Nil-Virus bei einem Bartkauz im Bergzoo Halle. Damals war das laut Experten das bis dahin nördlichste Auftreten des Virus, mahnten aber, das Risiko für Menschen sei gering. Der Zoo blieb damals für die Besucher weiter geöffnet, die Proben wurden an das Friedrich-Loeffler-Institut zur weiteren Untersuchung geschickt.

 Die Asiatische Tigermücke - hier unter dem Mikroskop. 3 min
Die Asiatische Tigermücke - hier unter dem Mikroskop - ist inzwischen auch in Teilen Deutschlands verbreitet. Sie ist gefürchtet, denn sie ist ein Vektor - also Überträger - für rund 20 Tropenkrankheiten, dazu gehören das Chikungunya- und das Dengue-Fieber, sowie das West-Nil-Virus. Bildrechte: MDR/Heike Dickebohm

Mo 09.11.2020 13:24Uhr 03:27 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/aktuell/asiatische-tigermuecke-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

MDR,dpa/Oliver Leiste, Mandy Ganske-Zapf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. Juli 2021 | 18:00 Uhr

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