Nach umfangreicher Sanierung OGEMA Stendal: Neue Wohnungen in alter Konservenfabrik

Die OGEMA in Stendal war einst die größte Konservenfabrik der DDR. Nach der Schließung in den 1990er-Jahren stand sie leer und verfiel immer mehr. 2017 hat der neue Eigentümer mit der Sanierung der OGEMA begonnen. Nun ziehen bald die ersten Mieterinnen und Mieter in die neu entstandenen Wohnungen.

Ein großer, roter Klinkerbau
In der alten Konservenfabrik in Stendal sind neue Wohnungen enstanden. Bildrechte: MDR/Christian Wohlt

Es zieht wieder Leben ein in die alte OGEMA in Stendal – in die mit 900 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen einst größte Konservenfabrik der DDR. Die ersten Menschen haben bereits ihre Möbel eingeräumt, weitere folgen in den nächsten Monaten. Unter ihnen wird auch Peter Scholz sein. Im August will er sein Haus in Jarchau verkaufen und mit seiner Frau umziehen. Dann geht der Elektriker in Rente. "Wir hatten ohnehin vor, im Alter wieder zurück nach Stendal zu ziehen", erzählt er.

Stendal ist eine lebenswerte Stadt, hat alles zu bieten: Einkaufsmöglichkeiten, Theater, medizinische Versorgung. Die kurzen Strecken kann man mit dem Fahrrad fahren, und der Bus hält vor der Tür. Man braucht nicht mal ein Auto.

Peter Scholz, Mieter in der alten Konservenfabrik
Der Schriftzug "OGEMA Stendal" an einer alten Hausfassade.
Die OGEMA in Stendal wurde in den 1990er-Jahren geschlossen. Bildrechte: MDR/Christian Wohlt

Für Peter Scholz ist es ein bisschen wie nach Hause kommen. Mitte der 1970er-Jahre hat er in der OGEMA eine Ausbildung zum Elektriker gemacht. Er kennt die ganze Fabrik, die in Stendal liebevoll Konserve genannt wurde. "Ich war überall auf dem Betriebsgelände unterwegs. Es hat sich gewaltig was verändert." Bis vor drei Jahren noch war die OGEMA eine Ruine, verfiel immer mehr.

Neuer Eigentümer seit 2017

Anfang der 1990er-Jahre gingen in der Konservenfabrik die Lichter aus. Sie schloss. Wie so viele andere DDR-Betriebe. Metalldiebe holten heraus, was sie zu Geld machen konnten. Jahre später wurde der Gebäudekomplex verkauft und weiter ausgeweidet. Bis 2017 Ricardo Henkelmann auf den roten Klinkerbau am Ortsausgang in Richtung Osterburg aufmerksam wurde. "Hier stand ein Schild 'zu verkaufen'", erzählt der gebürtige Stendaler. Ein Kollege meinte, das sei was für ihn.

Ich dachte, Mensch, was soll ich denn mit dem Riesenteil? Dann bin ich hier durchmarschiert, und weil ich schon immer viele Häuser saniert habe, habe ich gesehen, dass es hier nicht so schwierig war. Angebot gemacht, Chemie mit dem Verkäufer stimmte, also haben wir gekauft.

Ricardo Henkelmann, Eigentümer der ehemaligen OGEMA
Ein Mann steht auf einem Balkon
Ricardo Henkelmann hat die alte Konservenfabrik 2017 gekauft und saniert. Bildrechte: MDR/Christian Wohlt

Kurzerhand erwarb Ricardo Henkelmann die Immobilie, investierte weitere sechs Millionen Euro, riss einige Gebäude ab, baute die noch nutzbaren aus. Alle Zwischenwände sind massiv gemauert, die Grundrisse großzügig, die Ausstattung hochwertig. Alle Wohnungen haben Balkon oder Terrasse, Fußbodenheizung, Badewanne und Dusche. Trotzdem liegt die Miete bei moderaten 6 bis 6,50 Euro pro Quadratmeter.

Fast alle Wohnungen schon vermietet

Werbung musste Ricardo Henkelmann nicht großartig machen. Die Wohnungen sind heiß begehrt und bis auf drei alle vermietet. Selbst Wartelisten gibt es schon. In einem Flügel möchte Ricardo Henkelmann gern eine Intensivstation einrichten. Ein Betreiber hat Interesse angemeldet, hier 15 Betten aufzustellen. Der Vorteil für die Bewohnerinnen und Bewohner der OGEMA: Sie hätten immer einen medizinischen Ansprechpartner in der Nähe. Gerade für die betagteren Mieterinnen und Mieter ein weiterer Pluspunkt. Ricardo Henkelmann zeigt die geräumige Terrasse, die zur Station gehören soll. Sie ist umgrenzt von einer Mauer, unter der großen Freitreppe findet man Schutz vor Regen. Noch fehlt allerdings das OK von der Stadt.

Sachsen-Anhalt

Vorher und Nachher Wohnungen in alter Konservenfabrik OGEMA

Die alte Konservenfabrik in Stendal stand jahrelang leer und verfiel immer weiter. Seit 2017 sind hier neue Wohnungen entstanden. Nun ziehen die ersten Mieterinnen und Mieter ein.

Ein leerer Raum, Bauschutt auf dem Boden, bunte Grafitti auf den grauen Wänden
Aus den alten Fabrikhallen ... Bildrechte: MDR/Christian Wohlt
Ein leerer Raum, Bauschutt auf dem Boden, bunte Grafitti auf den grauen Wänden
Aus den alten Fabrikhallen ... Bildrechte: MDR/Christian Wohlt
Eine leere, helle, sanierte Wohnung
... sind neue Wohnungen geworden. Bildrechte: MDR/Christian Wohlt
Ein leerer Hausflur mit kahlen Wände in einem leerstehenden Haus
In die leeren Flure ... Bildrechte: MDR/Christian Wohlt
Ein heller Hausflur mit einer Tür am Ende.
... zieht bald wieder Leben ein. Bildrechte: MDR/Christian Wohlt
Der Schriftzug "OGEMA Stendal" an einer alten Hausfassade.
Damals Konservenfabrik Bildrechte: MDR/Christian Wohlt
Ein großer, roter Klinkerbau
Heute Wohnhaus

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Mai 2021 | 09:30 Uhr

Quelle: MDR/Fabienne von der Eltz
Bildrechte: MDR/Christian Wohlt
Alle (6) Bilder anzeigen

Peter Scholz sieht sich in der geräumigen Dreiraumwohnung um, die er mit seiner Frau beziehen will. "Hier war früher mal ein Lager drin", berichtet er. "Bis zur Decke waren hier Gläser gestapelt." Daran erinnert jetzt nichts mehr. Die Wände sind frisch gestrichen, die Steckdosen verlegt. "Das kann man gar nicht mehr vergleichen. Wahnsinn, was sie draus gemacht haben." Von seinem Balkon aus zeigt er auf den Hof: "Dort hinten war der Pförtner, da eine Baracke, durchs Tor ging es zu unserer Werkstatt und zur Schlosserei. Ein bisschen mehr Grün könnte hier stehen."

Der Schriftzug "Es lebe der 1. Mai, der Kampftag der internationalen Arbeiterklasse!" in weiß auf einem roten Metallschild, das in einem leeren, verfallenen Haus steht.
Alte Funde aus DDR-Zeiten sollen das neue Wohnhaus zieren. Bildrechte: MDR/Christian Wohlt

Das wird kommen, versichert Ricardo Henkelmann. Auf dem Innenhof sind Arbeiter dabei, Muttererde aufzufüllen und Sträucher zu pflanzen. Auch der Schriftzug OGEMA soll wieder angebaut werden, genau wie die alte Werksuhr. In den Fluren will Ricardo Henkelmann Utensilien aufhängen, die er in der Fabrik gefunden hat – riesige Kochlöffel etwa sieht er schon vor seinem geistigen Auge an der Wand. "Das wird noch schick", glaubt er. Doch auch ohne diese Zier ist die alte OGEMA ein Schmuckstück geworden.

MDR/Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Mai 2021 | 09:30 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Mehr aus Sachsen-Anhalt