Kein Notfall-Fahrplan Warnstreik im Nahverkehr in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter müssen sich zum Wochenstart auf Ausfälle und Einschränkungen im Personennahverkehr einstellen: Am Montag stehen viele Busse und Straßenbahnen still. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigen der Verkehrsbetriebe aufgerufen, bis zum Abend die Arbeit niederzulegen.

Eine Anzeigentafel des öffentlichen Nahverkehrs in Halle weist am 2. Oktober 2021 auf einen angekündigten Streik hin. 3 min
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Magdeburg, Weißenfels, Dessau-Roßlau und Halle: Die meisten Busse und Bahnen werden in Sachsen-Anhalt bestreikt – und das schon den zweiten Tag in Folge.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mo 04.10.2021 06:51Uhr 02:33 min

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Bus- und Straßenbahnnutzer in Teilen Sachsen-Anhalts haben am Montagmorgen auf dem Weg zur Arbeit oder Schule viel Geduld aufbringen müssen. Grund ist ein Warnstreik im Öffentlichen Nahverkehr in Magdeburg, Halle, Weißenfels und Dessau-Roßlau. Auch bei der PVG im Burgenlandkreis bleiben die Fahrzeuge laut der Gewerkschaft Verdi im Depot.

Bis in die Montagnacht hinein müssen Fahrgäste sich auf Ausfälle und Einschränkungen einstellen. Damit ist unter anderem auch das Heimspiel des FC Magdeburg am Abend von den stillstehenden Bussen und Bahnen betroffen.

Keine Ersatz- oder Notfahrpläne

MVB-Streik
Verdi-Protest in Magdeburg: Mit dem Streik kämpfen MVB-Mitarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie es von den betroffenen Verkehrsbetrieben heißt, gibt es keine Ersatz- oder Notfallfahrpläne. In Magdeburg fahren laut MVB die Schienenersatzverkehrslinien 41 (Kastanienstraße – IKEA) und 44 (Cracau – Messegelände). Die Verkehrsbetriebe verwiesen zudem auf die im Verkehrsverbund marego organisierten Verkehrsunternehmen, die ebenso Regionalbahn- und S-Bahn-Strecken befahren und mit Regionalbussen im Stadtgebiet unterwegs sind. Auch die Halleschen Verkehrsbetriebe (Havag) empfehlen Fahrgästen, auf das Busunternehmen OBS, die S-Bahnen sowie die Abellio-Regionalbahnen auszuweichen.

In der Saalestadt hatten viele Beschäftigte bereits am Sonntagmorgen die Arbeit niedergelegt. Der Ausfall war wegen der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit kurzfristig mit einem Ersatzverkehr kompensiert worden. Das allerdings nur bis in die Nacht.

Streik im ÖPNV bis Mitternacht

Der Ausstand soll laut Gewerkschaft bis Montagabend andauern. Die MVB plant, den regulären Betrieb mit dem ersten Nachtanschluss am Dienstag um 00:45 Uhr wieder aufzunehmen. In Halle sollen Busse und Bahnen mit Betriebsbeginn am Dienstag wieder regulär fahren.

Mit dem Streik will Verdi Bewegung in den festgefahrenen Tarifkonflikt bringen. Die Arbeitgeber des ÖPNV in Sachsen-Anhalt forderten nach Angaben von Verdi massive Verschlechterungen im Tarifvertrag. Beispiele seien der Abbau des Kündigungsschutzes, eine Arbeitszeitverlängerung und weitere Streichungen von bisher geregelten Leistungen. Die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag waren auch in der dritten Runde ergebnislos geblieben.

ÖPNV zentrale Rolle in der Verkehrswende

Verdi-Verhandlungsführer Paul Schmidt sagte, es brauche dringend bessere Arbeitsbedingungen, damit der ÖPNV seiner wichtigen Rolle in der Verkehrswende gerecht werden kann. Deswegen fordert die Gewerkschaft für die Beschäftigten im Nahverkehr 30 Tage Urlaub und eine höhere Jahressonderzahlung. Außerdem soll die Ruhezeit zwischen den Dienstschichten erhöht und die Arbeitszeit im Fahrdienst auf maximal achteinhalb Stunden begrenzt werden.

Einige der Forderungen von Verdi:

  • 30 Tage Urlaub für alle Beschäftigten
  • weitere Entlastungstage für alle Beschäftigte
  • vollständige Anrechnung der Ausbildungszeit als Beschäftigungs- und Tätigkeitszeit
  • Erhöhung der Jahressonderzahlung auf 100 Prozent eines Monatsentgelts
  • ununterbrochene Ruhezeit zwischen zwei Dienstschichten von mindestens elf Stunden
  • Erhöhung der Zeitzuschläge in Verbindung mit der Option zur Umwandlung in Freizeit
  • Begrenzung der Arbeitszeit im Fahrdienst auf max. 8,5 Stunden
  • Begrenzung der Dienstschichtlänge auf max. zehn Stunden (optional zwölf Stunden) täglich

Arbeitgeberverband kritisiert Streiks

Der Kommunale Arbeitgeberverband Sachsen-Anhalt hat die Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr bei mehreren Verkehrsunternehmen kritisiert und die Gewerkschaft Verdi zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. "Die Streiks zum jetzigen Zeitpunkt stellen ein unangemessenes Arbeitskampfmittel dar und belasten die weiteren Tarifverhandlungen schwer", sagte Verbandsgeschäftsführerin Diana Häseler-Wallwitz am Montag. "Insbesondere der Streik zu den Feierlichkeiten am Tag der Deutschen Einheit in Halle (Saale) wirkt völlig deplatziert und missbraucht die diesem besonderen Tag gebührende Aufmerksamkeit für eigene Zwecke der Gewerkschaft Verdi."

MDR/Cornelia Winkler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Oktober 2021 | 05:00 Uhr

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