Tarifkonflikt Nahverkehr in Halle am Tag der Deutschen Einheit lahmgelegt - Streiks werden Montag ausgeweitet

Am Sonntag hat die Gewerkschaft Verdi in Halle den Nahverkehr zum Erliegen gebracht. An diesem Tag finden hier die zentralen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit statt. Am Montag sollen die Arbeitsniederlegungen auf Magdeburg, Dessau und den Burgenlandkreis ausgeweitet werden. Zumindest in Halle wird es keinen Ersatzverkehr geben.

Menschen mit Transparenten stehen vor einem Zelt
Auch das Havag-Depot in der Freiimfelder Straße in Halle wird bestreikt. Bildrechte: MDR/Martin Krause

In Halle ist parallel zur zentralen Feier anlässlich des 31. Jahrestages der Deutschen Einheit der Nahverkehr nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Seit Sonntagnacht 2 Uhr rollen aufgrund eines Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi keine Straßenbahnen und so gut wie keine Busse, teilte die Hallesche Verkehrs AG (Havag) am Sonntag mit.

Kein Ersatzverkehr am Montag in Halle

Der Havag zufolge sind über Subunternehmen wenige Bus-Ersatzverkehre eingerichtet worden, die zwischen 6 und 22 Uhr für Entlastung sorgen sollen. Diese seien aber auf den Feiertag beschränkt und würden am Montag nicht gelten.

Als Alternative könnten Fahrgäste das Busunternehmen OBS, die S-Bahnen sowie die Abellio-Regionalbahnen nutzen. Diese seien vom Warnstreik nicht betroffen, hieß es in einer Mitteilung von Sonntagnachmittag. Das zu den Stadtwerken Halle gehörende Unternehmen geht davon aus, dass mit Betriebsbeginn am Dienstag wieder die regulären Fahrpläne eingehalten werden können.

Streik am Tag der deutschen Einheit in Halle mit Bedacht gewählt

Der Tag sei mit Bedacht gewählt, heißt es von der Gewerkschaft. Schließlich sei die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs ein bundespolitisches Thema. Mit dem Streik solle das Anliegen an die Ministerpräsidenten, die in Halle zu Gast sind, herangetragen werden. In der Saalestadt finden am Sonntag die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit statt. Es sind tausende Gäste sowie viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur in der Stadt unterwegs.

Der Tag der Deutschen Einheit ist nicht nur ein Feiertag. Deutsche Einheit heißt auch Tarifeinheit für die Beschäftigten im ÖPNV.

Paul Schmidt Verdi-Verhandlungsführer für den Nahverkehr

Arbeitsniederlegungen werden am Montag ausgeweitet

Am Montag sind neben den Havag-Beschäftigten auch die Mitarbeiter der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) in Magdeburg, der PVG im Burgenlandkreis und der Dessauer Verkehrsgesellschaft (DVG) zum Streik aufgerufen. Laut der Gewerkschaft Verdi sind die drei bisherigen Tarifverhandlungs-Runden ergebnislos verlaufen.

In Magdeburg bleiben alle Fahrzeuge in den Depots

Wie die MVB mitteilten, wird es an diesem Tag keinen Straßenbahn- und Busverkehr in Magdeburg geben. Alle Fahrzeuge würden in den Depots bleiben. Ausgenommen seien die Schienenersatzverkehrslinien 41 (Kastanienstraße – IKEA) und 44 (Cracau – Messegelände), da diese durch Fremdunternehmen gefahren werden. In Magdeburg soll der reguläre Betrieb erst wieder mit dem ersten Nachtanschluss am Dienstag um 00:45 Uhr wieder aufgenommen werden.

Auch in Dessau und im Burgenlandkreis kein Nahverkehr

Am Montag werden außerdem die Verkehrsbetriebe in Dessau bestreikt. Wie das Unternehmen MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, fahren den ganzen Tag lang keine Straßenbahnen und Busse. Auch die Beschäftigten der PVG Burgenlandkreis werden am Montag zum Streik aufgerufen. Der PVG zufolge werden sämtliche Linien vom Streik betroffen sein. Ein Notfahrplan werde nicht in Kraft gesetzt.

Das sind einige der Forderungen von Verdi:

  • 30 Tage Urlaub für alle Beschäftigten
  • weitere Entlastungstage für alle Beschäftigte
  • vollständige Anrechnung der Ausbildungszeit als Beschäftigungs- und Tätigkeitszeit
  • Erhöhung der Jahressonderzahlung auf 100 Prozent eines Monatsentgelts
  • ununterbrochene Ruhezeit zwischen zwei Dienstschichten von mindestens elf Stunden
  • Erhöhung der Zeitzuschläge in Verbindung mit der Option zur Umwandlung in Freizeit
  • Begrenzung der Arbeitszeit im Fahrdienst auf max. 8,5 Stunden
  • Begrenzung der Dienstschichtlänge auf max. zehn Stunden (optional zwölf Stunden) täglich

Die Arbeitgeber des ÖPNV in Sachsen-Anhalt forderten nach Angaben von Verdi massive Verschlechterungen im Tarifvertrag. Beispiele seien der Abbau des Kündigungsschutzes, eine Arbeitszeitverlängerung und weitere Streichungen von bisher geregelten Leistungen. "So wird es nichts mit den Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Gerade diese brauchen wir jedoch, damit der ÖPNV seiner wichtigen Rolle in der Verkehrswende gerecht werden kann", sagte Paul Schmidt, Verhandlungsführer der Gewerkschaft.

Havag: Wahrscheinlich sind alle Linien betroffen

Wie groß die Auswirkungen in Halle sein werden, ist unklar. Die Havag teilte aber am Freitag mit, es sei am Sonntag "ab Betriebsbeginn in den frühen Morgenstunden" mit "erheblichen Einschränkungen im Linienangebot von Bussen und Bahnen" zu rechnen. Voraussichtlich seien alle Linien betroffen. Am Montag werde es "Auswirkungen auf den Berufsverkehr und den Schülerverkehr" geben. Eltern rät die Havag, sich um eine "alternative Beförderung ihrer Kinder zur Schule" zu bemühen. 

MDR/Cornelia Müller, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. Oktober 2021 | 09:00 Uhr

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