Ergebnis einer Studie Hälfte aller Brücken in Sachsen-Anhalt marode

Mehr als die Hälfte der Brücken in Sachsen-Anhalts Städten und Gemeinden sind marode. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik. Man müsse die Städte mit mehr Geldern ausstatten, andernfalls würde sich der Zustand der Straßen und Brücken weiter verschlechtern. Ein Überblick über die Studie.

Kanonenbahn auf Elbebrücke
56 Prozent der Brücken in den befragten Gemeinden sind in einem nicht befriedigenden Zustand. Bei einem Drittel wurde der Zustand sogar als schlecht bewertet. Die ehemalige Eisenbahnbrücke bei Barby ist nur noch für Radfahrer und Fußgänger nutzbar. Bildrechte: MDR/André Plaul

Mehr als die Hälfte der Brücken der Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt sind marode. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik.

Das Institut hatte alle 208 Städte in Sachsen-Anhalt nach dem Zustand ihrer Gemeindestraßen und Brücken befragt. 42 von ihnen hatten geantwortet. Demnach sind 56 Prozent der Brücken dieser Gemeinden in einem nicht befriedigenden Zustand. Bei einem Drittel wurde der Zustand als schlecht bewertet.

Nur ein Fünftel der Brücken befinde sich in gutem oder sehr gutem Zustand. Die Autoren der Studie haben einen Investitionsbedarf von 640 Millionen Euro bis 2025 errechnet. Zu den häufigsten Schäden gehören Probleme durch Korrosion, Nässe oder Risse im Mauerwerk.

Brücken in Sachsen-Anhalt

Sie sind kurz oder hunderte Meter lang, haben ein niedriges Geländer zur Zierde oder meterhohe Bögen – die Brücken in Sachsen-Anhalt. Wenn man sie beachtet, wie es unsere Reporter getan haben, lässt sich viel erfahren.

Eine lange, moderne Brücke
Die Muldebrücke im Ortsteil Friedersdorf führt – natürlich – über die Mulde und ist in die Jahre gekommen. Sie wurde zu DDR-Zeiten gebaut. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Eine lange, moderne Brücke
Die Muldebrücke im Ortsteil Friedersdorf führt – natürlich – über die Mulde und ist in die Jahre gekommen. Sie wurde zu DDR-Zeiten gebaut. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Eine lange Brücke mit leuchtend gelbem Geländer
Die wichtige Verbindung in Richtung Dessau weist massive Schäden auf. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Eine sehr lange flache, moderne Brücke
Die zweite lange Brücke in der Gemeinde Muldestausee ist nur noch mit reduzierter Geschwindigkeit befahrbar. Jetzt steht fest: 21 Millionen Euro wird die Erneuerung laut Bürgermeister der Gemeinde kosten. Bis zur Fertigstellung soll es dann vier Jahre dauern. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Eine marode Brücke mit gusseisernem Geländer
Die Beustertorbrücke in Seehausen hat auch schon bessere Zeiten gesehen, sie darf nicht einmal mehr von Radfahrern genutzt werden und ist gesperrt. Die Stadt würde sie am liebsten abreißen, aber das Bauwerk steht unter Denkmalschutz. Sie führt ins älteste Viertel der Seehäuser Innenstadt, einem wichtigen Punkt für Touristen. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl
Eine hohe Brücke mit Bogen an einer Bahnstrecke
Nagelneu entsteht dagegen die Prosigker Brücke in Köthen, die noch nicht einmal fertig ist. Die Bahnüberführung soll etwa 11,5 Millionen Euro kosten und bis Ende des Jahres für den Verkehr freigegeben werden. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Eine Fähre setzt über einen strahlend blauen Fluss über
Eine nicht vorhandene Brücke könnte Aken und Steutz verbinden, viele wünschen es sich. Bisher ist die "Brücke" von 6 bis 20 Uhr eine Fähre. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Zwei Männer in orangener Warn-Kleidung stehen unter einer Brücke
Unter der Brücke in Hoym: Wie diese Brücke gibt es viele in Sachsen-Anhalt. Allein an den Landes- und Bundesstraßen stehen etwas mehr als 1.400. Weil sie ständig in Benutzung sind, müssen sie auch gewartet werden – Schwerlastverkehr und Witterung sorgen dafür, dass sich die Bauwerke abnutzen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Ein Mann, der als Brückenispektor arbeitet, steht unter einer Brücke und hält einen Hammer
Alle sechs Jahre gibt es eine große Untersuchung wie an der Landesstraßenbrücke an der Ortsdurchfahrt Hoym. Bauwerksprüfer Rainer Lux und seine Kollegen gleichen ab, ob neue Schäden dazu gekommen sind oder sich alte Schäden vergrößert haben. Für den Zustand der Brücke gibt es Noten – von eins bis vier. Eins heißt: Alles in Ordnung, ab 3,5 wird es kritisch.  Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Eine Brücke mit kleinem Geländer, die zu einem Schloss führt
Eleganter spannt sich diese Brücke über ein Bächlein im Schlosspark Krumke. Sie ist eine von drei Brücken im Park und führt zum Schloss. Direkt neben ihr steht ein 110 Jahre alter Ginkgobaum. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl
Eine abgesperrte, schmale Brücke
Vor mehr als drei Jahren musste die Brücke in Mehringen, einem Stadtteil von Aschersleben, gesperrt werden. Fußgänger müssen seitdem Umwege laufen, zum Teil über unbefestigte Wege. Die Stadt hat kein Geld für die Sanierung und obwohl sich der Ortsbürgermeister selbst um Ersatz bemühte, hat sich bis heute nichts getan. Seine Erkenntnis: Brückenbauen ist kompliziert und superteuer. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Eine Auto- und Fußgängerbrücke, von der aus das Freyburger Schluss zu sehen ist.
Die Unstrutbrücke in Freyburg ist touristisch gesehen ein wichtiger Knotenpunkt: Hier hat man Freyburg auf einen Blick – ob Wasserwandern auf der Unstrut, Weinhänge, die zum Verweilen einladen oder auch das Jahn-Museum, das an den Turnvater erinnert.    Bildrechte: MDR/Marie-Luise Luther
Eine elegante Brücke im Dessau-Wörlitzer Gartenreich.
Die Eiserne Brücke im Wörlitzer Park ist eine von insgesamt 17 Brücken. Sie wurde 1791 über den Georgskanal gebaut und war die erste gusseiserne Brücke Deutschlands sowie des gesamten europäischen Festlands. Bildrechte: MDR/Jana Müller
Neubau einer Brücke aus Beton
In Osmarsleben, einem Ortsteil von Güsten im Salzlandkreis, wird gerade eine Wipperbrücke neu gebaut.
Auch eine kleine Brücke über ein Flüsschen im Dorf kann schnell sehr viel Geld kosten. Umso schöner, wenn es mit dem lang ersehnten Neubau klappt.
Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Ein rostiges blaues Geländer liegt auf einer Wiese
Seit 2015 arbeitet man hier am Brückenprojekt. Der Brückenbau kostet 620.000 Euro. Die Planungen für die ehemalige Brücke waren aus den späten 1920er Jahren. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Eine gesperrte kurze Betonbrücke
In der Stadt Seeland, zwischen Friedrichsaue und Nachterstedt, ist diese kleine Brücke gesperrt. Sie ist die kürzeste Verbindung zwischen beiden Orten, zudem Rettungsweg und auch der Europaradweg R1 führt dort entlang. Die Stadt Seeland versucht nun Fördermittel für die Brücke zu bekommen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Eine große Brücke mit Backstein-Portal
Diese gut 140 Jahre alte Brücke über die Elbe wurde durch eine Brücken AG vor dem Abriss bewahrt. Bildrechte: MDR/Guido Hensch
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 24. März 2021 | 12:00 Uhr

Ergebnis sei erwartbar gewesen

Der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt, Jürgen Leindecker, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das Ergebnis sei zu erwarten gewesen. Der Städte- und Gemeindebund hatte die Studie beauftragt. Leindecker sagte weiter: "Ein Grund für marode Straßen sind auch die zunehmenden Belastungen durch den Güterkraftverkehr." Dazu kämen extreme Baukostensteigerungen, gerade in den vergangenen zwei, drei Jahren. "So ein Brückenbauwerk kostet gleich ein Heidengeld."

Man sehe das alles mit gemischten Gefühlen. Die Corona-Pandemie führe dazu, dass die Städte einerseits Einnahmeausfälle hinnehmen müssten, andererseits entstünden zusätzliche Aufwendungen. Dadurch könne es durchaus sein, dass auch die Infrastruktur noch ein weiteres Stückchen unter die Räder komme. Nahezu die gesamte Nahversorgung der Bevölkerung werde über die Straßen abgewickelt. 

Städte müssen mit mehr Geldern ausgestattet werden

Sachsen habe dagegen über viele Jahre den Kommunen zusätzliche Gelder für den Straßenbau zur Verfügung gestellt, so Leindecker, deutlich mehr als Sachsen-Anhalt. Es gebe aber in vielen ostdeutschen Bundesländern nach wie vor ein Problem mit Unterhaltungsrückständen.

Die Autoren der Studie kommen zum Schluss: Die Städte müssten mit mehr Geldern ausgestattet werden. Andernfalls würde sich der Zustand der Straßen und Brücken weiter verschlechtern. Dann brauche man umso höhere Aufwendungen, um den Sanierungsstau zu beheben. 

MDR/ Tom Gräbe, Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24. März 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Altmagdeburger vor 26 Wochen

Wenn an alle Ecken und Kannten gespart wird, soll man sich nicht wundern das noch keine Brücke mit Menschen, Auto und Züge zusammen gebrochen sind. Brücken werden allerdings jedes Jahr begutachtet, aber statt reparieren, Abriss und danach neu Bauen, wird einfach zugesperrt, ist billiger.

hansfriederleistner vor 26 Wochen

Das betrifft die gesamte Bundesrepublik. Es grenzt schon an ein Wunder, daß wir noch keine so spektakulären Brückeneinstürze hatten wie Italien und Frankreich.

jackblack vor 26 Wochen

Nicht nur die Brücken sind marode...............

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