Hilfe für Bedürftige Tafeln in Bedrängnis: Mehr Abnehmer, weniger Spenden

Hamsterkäufe und Spenden für die Menschen in der Ukraine sorgen dafür, dass die Tafeln in Sachsen-Anhalt weniger Spenden erhalten. Gleichzeitig registrieren sie mehr Zulauf. Die Tafeln in Sachsen-Anhalt hoffen auf Unterstüzung vom Land.

Ein Schild mit der Aufschrift Ende! Bitte nicht mehr anstellen! steht in einer Ecke der Tafel Magdeburg bereit
Die Tafeln haben mehr Zulauf, bekommen aber weniger Spenden. Bildrechte: dpa

Die Tafeln in Sachsen-Anhalt haben zu wenig Lebensmittelspenden, registrieren aber gleichzeitig deutlich mehr Nutzer. Andreas Steppuhn, Chef vom Landesverband der Tafeln, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dadurch komme auch weniger bei den bedürftigen Menschen an. Die steigenden Lebensmittelpreise sorgten für mehr Nachfrage. Gleichzeitig kämen bei den Tafeln weniger Großspenden an.

Supermärkte spenden für Menschen in der Ukraine

Andreas Steppuhn
Andreas Steppuhn Bildrechte: dpa

So würden Lebensmittelkonzerne auch Nahrungsmittel in Richtung der ukrainischen Grenze schicken.

Das führe dazu, dass weniger Lebensmittel an die Tafeln vor Ort gespendet würden. Auch Hamsterkäufe in Supermärkten seien laut Steppuhn eine große Herausforderung.

Das entwickelt sich schon zu einem Problem, wo wir sagen, das kann sich zu einer Krise ausweiten. Und gerade wenn auch Lebensmittel zum Beispiel nicht mehr in Supermärkten vorhanden sind, etwa weil gehamstert wird, ist das auch gleich ein Problem für die Tafeln.

Wir mussten schon Menschen wegschicken

Dadurch werde auch die Lebensmittelausgabe vor Ort schwierig. Ines Grimm-Hübner, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt Salzlandkreis, sagte MDR SACHSEN-ANHALT in der vergangenen Woche habe beispielsweise die Tafel in Schönebeck nichts ausgeben können.

Wir hatten einfach nichts mehr. Wir konnten tatsächlich keine Waren mehr an die Menschen ausgeben, die noch Bedarf hatten. Und das sind Situationen, die uns natürlich vor wirklich große Probleme stellen.

Leere Kisten bei den Tafeln in Apolda
Den Tafeln im Land fehlen Spenden, teilweise mussten Menschen weggeschickt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Arbeiterwohlfahrt betreibt im Salzlandkreis unter anderem die Tafeln in Schönebeck und Staßfurt. Sie versuchen, auch Lebensmittel zuzukaufen.

Auch die ukrainischen Geflüchteten führen zu einer hohen Nachfrage bei den Tafeln. "Das sind Herausforderungen, die wir so noch nie hatten", sagte der Vorsitzende des Vereins Tafel Deutschland, Jochen Brühl. Verantwortliche würden von großer Hilfs- und Spendenbereitschaft, aber auch von zunehmender Belastung durch Preissteigerungen sprechen. Bislang werde man durch den Staat nur projektbezogen unterstützt, sagte Brühl. Die Organisation der Lebensmittel und Verteilung koste aber Geld. "Wir fordern eine verlässliche finanzielle Förderung unserer Arbeit", sagte er.

Tafeln in Sachsen-Anhalt hoffen auf Unterstützung vom Land

Die Tafel in Sachsen-Anhalt rechnet dagegen noch in diesem Jahr mit finanzieller Unterstützung des Landes. Die Förderung könne bei 30.000 Euro liegen, sagte der Landesvorsitzende Steppuhn. Die finanzielle Unterstützung wäre bislang neu. Man sei in Absprachen, eine hundertprozentige Zusage gebe es allerdings noch nicht.

Die Tafeln betreiben seit Anfang März ihr Zentrallager an einem neuen Standort in Hohenerxleben, einem Ortsteil von Staßfurt. Die Lagerhalle dort liegt verkehrsgünstig in der Nähe der A14 und der A36, zentraler als der provisorische Standort in Quedlinburg. Von Hohenerxleben aus werden Großspenden auf die 35 Tafeln mit ihren rund 100 Ausgabestellen im Land verteilt.

MDR (Tom Gräbe, Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. März 2022 | 13:00 Uhr

10 Kommentare

Kritische vor 25 Wochen

hansfriederleistner: Deshalb muss es ja kontrolliert werden. Ich weiß, wovon sie sprechen. Diese Personen, aus welchen Ländern auch immer, bekommen genug Sozialleistungen und müssen definitiv nicht hungern. In diesen Kulturen ist es aber keine Schande, im Gegenteil, kostenlose Spenden anzunehmen. Sie stürzen sich regelrecht drauf und nehmen, so viel sie bekommen können bis hin zu Handgreiflichkeiten. Das Gegenteil ist bei den Ukrainern der Fall, es ist ihnen sehr peinlich, etwas anzunehmen, lieber hungern sie. Und der deutsche Rentner traut sich kaum noch hin...

kleinerfrontkaempfer vor 25 Wochen

Ein reiches Doitschland setzt seit Jahrzehnten auf die Tafeln. Und es werden immer mehr : Einrichtungen und Nutzer.
Wer einmal die Empfänger in den Warteschlangen gesehen und gesprochen hat, ihre Geschichten gehört, der hat Mühe nicht vom Glauben abzufallen. Besonders schlimm ist es dort Kinder mit der Familie oder der Mutti zu sehen.
Jeder vom hohen politischen Personal sollte (verpflichtend) mal jährlich mind. 1 Woche Hilfe bei einer Tafel leisten! Getreu seinem Eid "Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden,.....".
Sie sollten in die Gesichter und in die Augen der Menschen schauen und diese Eindrücke mitnehmen in die warmen Büros und weichen Sessel und Auto/Flugzeugsitze. Damit sie bleibend kapieren: es gibt in diesem Land eine "Unterschicht" die täglich wächst und (noch) still ihr Dasein fristet. Ohne große und größere Lobby.

hansfriederleistner vor 25 Wochen

Wenn sie mal die armen alten Rentner - für die die Tafeln eigentlich gedacht waren - sehen, können sie ihren Beitrag zu Softdrinks etc vergessen. Zum kleinen Teil haben sie selbst noch in der Kriegszeit und den ersten Jahren danach Hunger kennengelernt. Und ich kann mir vorstellen, daß auch hier die weder russisch noch ukrainisch sprechenden Flüchtlinge, die soll es laut Dolmetschern reichlich geben, die Ersten an der Tafel sind.

Mehr aus Sachsen-Anhalt