GEW startet Kampagne Lehrer-Gewerkschaft fordert Verringerung der Arbeitszeiten

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat zum internationalen Tag des Lehrers eine Kampagne zur Absenkung der Arbeitszeit gestartet. Dazu wurde ein Zehn-Punkte-Forderungskatalog an die Landesregierung übergeben. Gleichzeitig fordert die GEW zu diesbezüglichen Verhandlungen auf.

Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit "Sp" am Anfang an eine Tafel.
Die Lehrer in Sachsen-Anhalt sind laut GEW überlastet. Die Gewerkschaft will das ändern und stellte einen diesbezüglichen Forderungskatalog vor. Bildrechte: dpa

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will Entlastungen für Lehrkräfte und fordert die Landesregierung zu entsprechenden Verhandlungen auf. "Lehrkräfte arbeiten weit über das normale Maß hinaus. Und wir haben tatsächlich Verstöße gegen deutsche und europäische Arbeitszeitregelungen an unseren Schulen", sagte die GEW-Landesvorsitzende Eva Gerth am Dienstag in Magdeburg.

GEW-Chefin: Ministerium verschleiert die Situation

So würden etwa Pausenzeiten nicht eingehalten und in vielen Fällen die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden überschritten. Gerth sagte weiter: "Das Bildungsministerium muss aufhören, die Situation mit ständig neuen Ausschreibungen und unfruchtbaren Anwerbemaßnahmen zu verschleiern und gleichzeitig Mehrstunden in Größenordnungen anzuweisen.“

Gewerkschaft fordert freiwillige Arbeitszeitkonten

Nötig sind aus GEW-Sicht freiwillige Arbeitszeitkonten. Wenn die Lehrkräfte über die Arbeitszeitkonten verfügen könnten, hieße das, dass sie etwa ein halbes Jahr eher in Rente gehen oder eine Auszeit nehmen könnten. Bislang könne Arbeitszeit nicht längerfristig angespart werden, Mehrstunden müssten im laufenden oder spätestens im Folgeschuljahr abgebummelt oder ausgezahlt werden. Gerth sagte, bisherige Anläufe zu Arbeitszeitkonten seien gescheitert. In anderen Bundesländern gebe es solche Regelungen nicht.

Das müssen wir tarifvertraglich absichern.

Eva Gerth, GEW-Vorsitzende Sachsen-Anhalt

Lehrer sollen länger an Schulen gehalten werden

Nötig sei aus ihrer Sicht aber eine Entlastung der Kolleginnen und Kollegen, um auch angesichts des Lehrkräftemangels viele länger im Schulsystem zu halten. Bislang verlasse etwa die Hälfte der Lehrkräfte die Schulen mit dem 63. Lebensjahr, der erstmöglichen Rente.

Die GEW Sachsen-Anhalt legte einen Zehn-Punkte-Katalog vor, um Lehrerinnen und Lehrer zu entlasten. Die GEW richte ihre Forderung nach Verhandlungen direkt an Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), sagte Gerth.

Das ist der Zehn-Punkte-Forderungskatalog der GEW

  • Absenken der Pflichtstundenzahl für alle Lehrkräfte um eine Stunde
  •  Mehrarbeit bzw. Mehrstunden begrenzen auf zwei Stunden pro Woche, zusätzliche Stunden nur mit Einverständnis der Beschäftigten
  • Anrechnungsstunden für jede zusätzlich übertragene Aufgabe für Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeiter*innen und Schulleitungen
  • Einführung von freiwilligen Arbeitszeitkonten, über die Kolleg*innen an Schulen selbst verfügen können, ohne Zwang zum Auszahlen der Konten
  • Entlastung von Seiteneinsteigenden durch Absenkung der Unterrichtsverpflichtung im ersten halben Jahr und mehr Zeit für Fort- und Weiterbildungen
  • Aufstockung der Altersermäßigung von einer Unterrichtsstunde ab dem 55. Lebensjahr und von bis zu fünf Stunden ab dem 63. Lebensjahr
  • Entlastung aller Schulen von administrativen Aufgaben durch Schulverwaltungsassistent*innen
  • Entlastung aller Schulen durch Arbeit in multiprofessionellen Teams, u. a. Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, pädagogische Mitarbeiter*innen, Förderlehrkräfte, Schulpsycholog*innen
  • Ältere Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter*innen können sich für Mentor*innen-Programme bewerben, um unter Anrechnung der Hälfte ihrer Arbeitszeit Studierende im Praktikum, Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, Seiteneinsteigende und neu eingestellte pädagogische Mitarbeiter*innen zu begleiten
  • Umsetzung der Ergebnisse der „Schulfrieden“-Gespräche, u. a. Gründung einer Arbeitszeitkommission und Neubewertung der Arbeitszeit von Lehrkräften

Zu den Forderungen gehört etwa, die Pflichtstundenzahl für alle Lehrkräfte um eine Stunde abzusenken. Bislang liegt sie an Grundschulen bei 27 Stunden und an weiterführenden Schulen bei 25 Stunden pro Woche. Dabei handelt es sich um die reine Unterrichtszeit. Die GEW kritisiert, dass die Zeiten beispielsweise für Vor- und Nachbereitungen, Elterngespräche und Dienstberatungen nicht normiert sind. Mehrarbeit sollte auf zwei Stunden pro Woche begrenzt werden. Seiteneinsteiger sollten im ersten halben Jahr nicht voll unterrichten müssen.

MDR/Gero Hirschelmann, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Rot Front vor 38 Wochen

Lehrer werden dringend benötigt, selbst Quereinsteiger. Bewerben Sie sich, tim regenbogen und Frank2020, auch originelle Denker wie Sie sollen am paradiesischen Lehrerdasein teilhaben.

Rot Front vor 38 Wochen

Wie kommen Sie darauf?

tim regenbogen vor 38 Wochen

Rotfront
Gute Idee
Was is mit ihnen? Bewerbung abgelehnt?

Mehr aus Sachsen-Anhalt