Hohe Benzinpreise Fälle von Tankbetrug und Spritklau sind stark gestiegen

Seit die Spritpreise stark steigen, haben es Kriminelle noch häufiger als zuvor auf die Tanks abgestellter Großfahrzeuge abgesehen. Die Fälle von Spritdiebstählen haben sich in Mitteldeutschland gegenüber dem Vorjahr vervielfacht. Immer öfter betrügen Täter zudem Tankstellen, indem sie nach einer Füllung einfach verschwinden, ohne zu zahlen.

Ein Mann betankt an einer Tankstelle sein Auto.
Tanken, ohne zu zahlen: Wegen der hohen Spritpreise haben solche Fälle in Mitteldeutschland deutlich zugenommen. Bildrechte: dpa

Seit dem starken Anstieg der Benzin- und Dieselpreise haben überall in Mitteldeutschland die Fälle von Tankbetrug und Spritdiebstahl deutlich zugenommen. Das geht aus Zahlen der Landeskriminalämter von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hervor, die dem MDR vorliegen.

Besonders zugenommen haben in allen drei Ländern Fälle, in denen Täter vor allem nachts die Tanks von abgestellten Wohnmobilen, Lkw, Baufahrzeugen oder Landmaschinen aufbohren, um Kraftstoff abzuzapfen.

In Sachsen-Anhalt haben sich diese Spritdiebstähle im ersten Quartal 2022 mit 210 registrierten Fällen gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Mehr als verdoppelt hat sich der Schaden, der bislang bei 100.000 Euro liegt. Neben der höheren Zahl von Fällen hängt das auch mit den Spritpreisen zusammen. Die meisten Fälle ereigneten sich im Salzlandkreis (36) gefolgt von der Börde (29).

360.000 Euro Schaden durch Spritdiebstahl in Sachsen

In Sachsen wurden im ersten Quartal dieses Jahres sogar mehr als dreimal so viele Spritdiebstähle (201) angezeigt wie während der ersten drei Monate im Jahr 2021 (67). Dem LKA Sachsen liegen auch bereits die Zahlen für das zweite Quartal vor: Weitere 201 Fälle kamen noch hinzu. Spritklau-Hotspots sind im Freistaat die Kreise Mittelsachsen und Görlitz. Der Gesamtschaden hat sich 2022 in Sachsen bereits auf fast 360.000 Euro summiert.

Spritdiebstähle in Mitteldeutschland
  1. Quartal 2021 1. Quartal 2022
Sachsen 67 201
Sachsen-Anhalt 111 210
Thüringen 30 72

In Thüringen haben sich Spritdiebstähle mehr als verdoppelt, wenngleich hier mit 72 im ersten Quartal dieses Jahres dennoch sehr viel weniger Fälle die Polizei beschäftigen als in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Da die thüringische Polizei diese Deliktart nicht gesondert erfasst, könne das LKA derzeit keine detaillierteren Angaben etwa zu Schadenssummen und Verteilung auf die Landkreise machen, sagte eine Sprecherin dem MDR.

Überall in Mitteldeutschland hatten es Spritdiebe jedenfalls weit überwiegend auf Diesel abgesehen. Verwunderlich ist das nicht. Denn mit Lkw oder großen Baumaschinen wurden vor allem Diesel-Fahrzeuge mit großen Tanks angezapft. Benzin spielte demzufolge eine nachrangige Rolle.

Aufklärungsquote liegt bei um die zehn Prozent

Die Spritdiebe kommen meist ungestraft davon. Die Aufklärungsquote liegt bei gerade einmal rund zehn Prozent. Allerdings macht nur der Freistaat Sachsen Angaben dazu. Bei insgesamt 902 Taten seit Anfang 2021 wurden hier bislang nur 90 Tatverdächtige ermittelt – es handelt sich überwiegend um Männer.

Eine andere Art, wie Sprit illegal den Besitzer wechselt, fasst die Polizei unter dem Schlagwort Tankbetrug zusammen. Hier betanken die Täter ihren Wagen an der Tankstelle und fahren danach ohne zu zahlen davon. Auch solche Fälle haben im Zuge der hohen Spritpreise in Mitteldeutschland deutlich zugenommen.

In Sachsen-Anhalt ist es im ersten Quartal dieses Jahres 839 Mal zu Tankbetrug gekommen. Das entspricht einem Anstieg von über 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Täter betankten ihre Fahrzeuge laut LKA mit Kraftstoff im Wert von rund 55.000 Euro. Trotz der Zunahme von Taten liegt der Schadenswert allerdings sogar unter dem des ersten Quartals 2021. Eine Erklärung dafür liegt nicht vor. Die Aufklärungsquote ist bei dieser Deliktart deutlich höher. Sie beträgt in Sachsen-Anhalt rund 43 Prozent, das heißt, etwas weniger als die Hälfte aller Täter wurde ermittelt.

Fälle von Tankbetrug in Mitteldeutschland
  1. Quartal 2021 1. Quartal 2022
Sachsen 423 663
Sachsen-Anhalt 514 839
Thüringen

In Sachsen haben die Fälle von Tankbetrug ebenfalls um rund 60 Prozent zugenommen. Die Schadenssumme hat sich im Freistaat jedoch verdoppelt. Tankfüllungen im Wert von etwa 46.000 Euro haben die Täter im ersten Quartal 2022 gestohlen. Die Aufklärungsquote liegt hier zur Zeit bei 33 Prozent. In Thüringen wird Tankbetrug laut einer LKA-Sprecherin nicht gesondert ausgewertet. Daher könnten keine Angaben zu den Fallzahlen gemacht werden.

Hohe Preise nicht der einzige Grund für die Anstiege

Ob die deutlichen Anstiege bei Spritdiebstählen und Tankbetrug einzig auf die hohen Spritpreise zurückzuführen sind, darüber gehen die Meinungen der Landeskriminalämter auseinander. Für das LKA Sachsen-Anhalt ist der Zusammenhang eindeutig. "Natürlich steht das im engen Zusammenhang mit steigenden Preisen an den Tankstellen", sagte Sprecher Michael Klocke dem MDR.

Das anders zu begründen oder darzustellen, wäre schlichtweg falsch.

Michael Klocke LKA-Sprecher

In Sachsen ist man da zurückhaltender: "Ob der Anstieg der Fallzahlen ausschließlich auf die gestiegenen Kraftstoffpreise zurückzuführen ist, kann von hier nicht beurteilt werden", sagte Sprecherin Kathlen Zink.

Für Sandra Frankenhäuser vom LKA Thüringen sind die hohen Spritpreise eine Erklärung, aber nicht die einzige, gerade bei Tankdiebstählen. Oft würden Fahrzeuge angegriffen, die an entlegenen Orten stünden, wo normalerweise niemand vorbeikommen würde. Sie schließt daher als weiteres Tatmotiv auch Versicherungsbetrug nicht aus.

MDR (Martin Krause, Daniel Salpius)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. August 2022 | 15:00 Uhr

22 Kommentare

zenkimaus vor 7 Tagen

Wer soll das schon wissen? Selbst wenn sie genug verdienen,es gibt tausend Gründe das in 3 Jahren das Haus anderen gehört. Scheidung. Tod ,nicht altersgerecht ,neu bauen, Verkauf weil kinder rause etc. Ich würde sagen typische deutsche Angst

NochJemand vor 1 Wochen

Das ist der Preis für die immer größere finanzielle Einengung von Privathaushalten. Galoppierende Inflation und Einkünfte, die das nicht halbwegs ausgleichen, dazu enorme Kosten fürs Wohnen und für Energie. Dadurch rutschen immer mehr Menschen in die Armut. Für eine Tankfüllung müsste man auf einen Wocheneinkauf verzichten.
Wenn man dann wenig Anreiz sieht, sich sozialkonform zu verhalten, ist Diebstahl, Raub, Faustrecht die Folge. Das wird sicher noch schlimmer.

Frank 1 vor 1 Wochen

Diebstahl und Betrug gehören sich einfach nicht könnte man pauschal sagen. Betrachtet man das aktuelle Problem differenzierter, kommt man nicht um die Erkenntnis herum, die Energiepolitik befindet sich in extremer sozialer Schieflage.

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