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WeihnachtszeitTelefonseelsorge gefragt: Corona, Beziehungskonflikte, Einsamkeit

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 25. Dezember 2021, 12:09 Uhr

Die Welt dreht sich an den Weihnachtsfeiertagen nur ein bisschen langsamer. Probleme treten bestenfalls etwas in den Hintergrund. Trotzdem gibt es viele Menschen, die gerade an diesen besinnlichen Tagen ein offenes Ohr brauchen oder etwas Zuspruch. Darum kümmern sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Telefonseelsorge. Sie haben gerade jetzt besonders viel zu tun.

Die Nachfrage nach seelsorgerlichen Angeboten per Telefon oder Chat ist auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie in Sachsen-Anhalt bislang hoch gewesen. "Eigentlich klingelt unser Telefon rund um die Uhr", sagte die Leiterin der Telefonseelsorge Halle, Gundula Eichert. "Sobald eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger das Telefon hinlegt, klingelt es sofort wieder."

Falls Sie persönlich Hilfe benötigen, können Sie hier anrufen – die Telefonnummern finden Sie im Post (klicken Sie sich einfach durch):

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Einsamkeit ein großes Problem

Auch an den Feiertagen und zwischen den Jahren steht das Telefon erfahrungsgemäß nicht still. Bei vielen Anrufen spiele Corona nicht immer unmittelbar eine Rolle, sagte Eichert.

Aber die Folgeerscheinungen von Corona spielen eine Rolle, also die Einsamkeit auch schon unter jungen Menschen.

Gundula Eichert | Leiterin der Telefonseelsorge Halle

Es würden etwa Studierende anrufen, weil sie ihre Kommilitonen noch gar nicht kennengelernt hätten. Aber auch Menschen, die durch Quarantäne sehr einsam geworden sind, würden sich an die Ehrenamtlichen wenden. Für rund 24 Prozent der Anrufenden sei im Jahr 2021 Einsamkeit das bestimmende Thema gewesen, sagte Anette Carstens, Leiterin der Telefonseelsorge in Magdeburg. "Es zeichnet sich ab, dass das eine stetig zunehmende Zahl ist", so die Pfarrerin.

Telefonseelsorge ist Seismograf der Republik

Es gehe aber auch oft um depressive Stimmungen, um familiäre Beziehungen oder Ängste. Bei ungefähr elf Prozent der Anrufe sei es um das Virus gegangen. Die Corona-Situation sei wie ein Gradmesser, sagte Carstens weiter. Im Lockdown sei die Nachfrage nach den Angeboten der Telefonseelsorge höher gewesen, im Sommer wieder etwas geringer. In den vergangenen Wochen sei die Verunsicherung im Kontext der Pandemie und der Maßnahmen wiederum groß gewesen. Das berichtet auch Gundula Eichert aus Halle:

Die Stimmung ist gereizter in der letzten Zeit. Wie es eigentlich in der Gesellschaft so auch ist – das spiegelt sich in den Anrufen eben auch wieder. Die Leute sind wirklich genervt, dass es Einschränkungen gibt oder eine Impfpflicht droht.

Gundula Eichert | Leiterin der Telefonseelsorge Halle

Bildrechte: MDR/imago/Pressedienst Nord

Abgefedert wird das alles durch die Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge. In Halle engagieren sich den Angaben zufolge rund 90 Menschen, in Magdeburg sind es 76. Trotz der Pandemie haben beide Einrichtungen eigenen Angaben zufolge keine Probleme, neue Freiwillige zu finden. "Es gibt immer mal jemanden, der oder die aufhört. Aber wir bilden ja auch jedes Jahr aus. Das hält sich so die Waage", sagte Gundula Eichert.

Erwartungen sorgen für Frust

Auch über Weihnachten und den Jahreswechsel haben die Ehrenamtlichen ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Anrufer. Gerade die Festtage seien für viele einsame Menschen besonders schwer, weil die Zeit so voller Erwartungen sei, sagte Anette Carstens aus Magdeburg. Nach den Feiertagen würden immer wieder Menschen anrufen und sagen, wie froh sie seien, dass die Tage um seien, so Carstens.

Die Telefonseelsorge ist anonym rund um die Uhr kostenfrei über die einheitlichen Rufnummern 0800/1 11 01 11 und 0800/1 11 02 22 erreichbar.

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MDR (Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 25. Dezember 2021 | 10:00 Uhr