Kassenärztliche Vereinigung Facharzt-Termine werden zu oft nicht wahrgenommen

Immer mehr Facharzt-Termine werden über die Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSA) vereinbart. Das zeigt eine Bilanz der Organsiation. Vor allem Termine für Psychotherapie, bei Neurologen sowie Augenärzten sind betroffen. Doch die Termine werden zu oft nicht wahrgenommen. Eine Lösung sieht der Vorsitzende der KVSA darin, Patienten, die Termine wiederholt ohne Abmeldung vverfallen lassen, vom System auszuschließen.

Hautarzt führt ein Hautkrebsuntersuchung mit einer Spezialkamera durch.
Termine bei Fachärztinnen und Fachärzten sind nicht einfach zu bekommen (Symbolbild). Bildrechte: imago images / Action Pictures

Immer mehr Patientinnen und Patienten, die selbst keinen Facharzttermin bekommen, nehmen den Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) in Anspruch. Zahlreiche Termine würden jedoch vereinbart, aber nicht wahrgenommen: im vergangenen Jahr fast 19 Prozent. Es kommt laut Vorsitzendem der KVSA, Jörg Böhme, dadurch oft zu Leerlauf bei den Ärzten. So könnten Termine, die dringlich gebraucht werden, nicht in Anspruch genommen werden.

24.337 Terminwünsche sind laut Kassenärztlicher Vereinigung im Jahr 2020 und 30.564 im Jahr 2021 abgegeben worden. Vermittelt worden seien dann rund 15.880 beziehungsweise 23.570 Termine. "In den vergangenen zwei Jahren ist eine zunehmende Inanspruchnahme der Terminservicestelle zu beobachten", teilte die KVSA mit. Besonders häufig nachgefragt waren demnach Termine für eine Psychotherapie für Erwachsene sowie Termine bei Nervenärztinnen und -ärzten. Am dritthäufigsten waren Termine für Augenärztinnen und -ärzte gefragt.

Etliche Termine nicht wahrgenommen

Die Zahlen der Anfragen und der vermittelten Termine unterscheiden sich, weil nicht alle Menschen tatsächlich einen Anspruch haben. Bei all den Tausenden Terminen, die vermittelt worden sind, gibt es aber weiterhin das Phänomen, dass Patientinnen und Patienten nicht in den Praxen erscheinen. Das Problem hat sich laut KVSA sogar verschärft.

Ärzte und Psychotherapeuten melden uns fast täglich mehrere Patienten, die nicht erschienen sind, manchmal sind es in einer Praxis gleich mehrere Patienten in direkter Folge.

Kassenärztliche Vereinigung

Diese Rückmeldungen würden aber nicht erfasst. Einen Anhaltspunkt gibt es laut KVSA: Im vergangenen Jahr haben Ärztinnen und Ärzte 18,77 Prozent aller vermittelten Patientinnen und Patienten nicht abgerechnet. Die KVSA schließt daraus, dass die Termine nicht wahrgenommen wurden. Diese Termine stünden anderen Menschen dann oft nicht mehr zur Verfügung, zudem bedeute es Verdienstausfälle in den Praxen.

Alternative: Facharzt-Termine über Hausarzt

Jörg Böhme sagte im Gespräch mit dem MITTELDEUTSCHEN RUNDFUNK, dass es verschiedene Überlegungen gebe, dass nicht wahrgenommene Facharzt-Termine kostenpflichtig werden. Das sei jedoch etwas, dass der Gesetzgeber klären müsse.

Böhme kann sich auch vorstellen, dass Patientinnen und Patienten, die wiederholt Termine nicht absagen, vom System nicht mehr bedient werden. Es sei für die KVSA ein Problem, dass Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeuten und –therapeutinnen mit der Organisation als Vermittler unzufrieden seien.

Geringer Anteil aller Termine über Servicestelle vereinbart

Als Alternative sieht Böhme andere digitale Systeme, mit deren Hilfe Ärzte selbst Facharzt-Termine vergeben. Die Vermittlung über die Hausärzte sei weiterhin die beste Lösung. Diese Wege empfehle die KVSA auch.

Die Terminvermittlung über die Servicestelle bildet nur einen kleinen Teil der Behandlungsfälle in Sachsen-Anhalt ab. Bezogen auf die Gesamtzahl der Behandlungen handelt es sich laut KVSA um einen Anteil von etwa 0,18 Prozent. Die große Mehrheit finde die Termine immer noch direkt über die Praxen oder durch die Vermittlung der Hausärztin bzw. des Hausarztes.

Mehr zum Thema: Ärzte und Gesundheit

dpa, MDR (Fabienne von der Eltz) | zuerst veröffentlicht: 10.04.2022

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 19. April 2022 | 20:45 Uhr

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