Autor von "Spur der Steine" Tod von Erik Neutsch: Justizministerium findet keine Belege für Mord

Acht Jahre nach dem Tod von Erik Neutsch hat das Justizministerium in Sachsen-Anhalt die Ermittlungen um den Tod des "Spur der Steine"-Schriftstellers erneut geprüft. Belege für einen Mord fand das Ministerium nicht. Neutsch war vor acht Jahren in Halle verstorben.

Schriftsteller Erik Neutsch, erholt sich waehrend einer Arbeitspause im Garten seines Hauses.
Schriftsteller Erik Neutsch starb 2013 in Halle. (Archivfoto) Bildrechte: imago/Harald Lange

Das Justizministerium in Sachsen-Anhalt hat keine Ungereimtheiten im Todesfall des "Spur der Steine"-Autors Erik Neutsch festgestellt. Die Behörde wies nun eine Beanstandung der früheren Ermittlungen zum Ableben des Schriftstellers zurück, die die Justiz als Dienstaufsichtsbeschwerde gewertet hatte. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen-Anhalt dem MDR mit.

Das Justizministerium hatte nach einem offenen Brief der Töchter des Autors, in dem sie Ungereimtheiten bei den vorangegangenen Ermittlungen beklagen und von einem Mord an ihrem Vater ausgehen, den Fall noch einmal geprüft. Der MDR hatte kürzlich darüber berichtet.

"Keine hinreichenden Anhaltspunkte"

Eine Tochter des Schriftstellers, Marita Neutsch, wurde bereits über das Ergebnis der Prüfung informiert. Demnach weist die Behörde die öffentlich gemachten Beschwerden der Neutsch-Schwestern zurück. Die nach dem Tod getroffene Beurteilung der Staatsanwaltschaft, das Todesermittlungsverfahren einzustellen, sei nicht zu beanstanden.

Aus dem Ergebnis der von der Staatsanwaltschaft veranlassten Obduktion des Leichnams Ihres Vaters hatten sich keine hinreichenden Anhaltspunkte für ein mögliches Fremdverschulden ergeben.

Justizministerium Sachsen-Anhalt

"Aus dem Ergebnis der von der Staatsanwaltschaft veranlassten Obduktion des Leichnams Ihres Vaters hatten sich keine hinreichenden Anhaltspunkte für ein mögliches Fremdverschulden ergeben", so das Ministerium in seinem aktuellen Schreiben an Marita Neutsch. An dieser medizinisch festgestellten Tatsache änderten auch die Fragen Neutschs nicht. "Diese Umstände hätten nur dann Bedeutung erlangen können, falls das Obduktionsergebnis einen nicht natürlichen Tod zum Ergebnis gehabt hätte."

Neutsch-Töchter werfen Ermittlern Nachlässigkeit vor

Die Töchter von Neutsch hatten in diesem Sommer acht Jahre nach dem Tod des Schriftsteller ein Schreiben an die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg im Internet veröffentlicht. In diesem werfen sie den Ermittlern Nachlässigkeit vor, machen auf mutmaßliche Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem Todesfall aufmerksam und zweifeln an einer natürlichen Todesursache ihres Vaters.

Marita Neutsch äußerte sich nun im Gespräch mit dem MDR enttäuscht über den Ausgang der Prüfung: "Die Dienstaufsichtsbeschwerde wurde zurückgewiesen. Die Akte wurde geschlossen. Unsere Fragen bleiben weiterhin unbeantwortet", sagte sie. "Die sichtlichen Widersprüche werden weiter ignoriert, ein Motiv will man nicht erkennen. Dass man diesbezüglich Beweismaterial verschwinden lassen hat, darauf geht man nicht ein. Zeugen interessieren nicht."

Das Schreiben des Ministeriums werteten die Töchter als Beleg dafür, dass mit aller Macht ein Verbrechen vertuscht werden solle – und haben sich nun mit einem Beschwerdebrief an den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), gewandt.

Ein Schild weist auf den Sitz der Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg hin.
Die Generalstaatsanwaltschaft von Sachsen-Anhalt hat beim Tod von Erik Neutsch keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden feststellen können. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Justiz: Aktuell keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden

Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg sagte, sobald sich neue Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden ergäben, würden die Ermittlungen wieder aufgenommen. Das sei derzeit nicht der Fall. "Sicherlich wird es wie in anderen Todesermittlungsverfahren auch noch offene Fragen geben, aber Aufgabe der Staatsanwaltschaft ist es, aufgrund von Tatsachen einen Tatverdacht herzuleiten. Vermutungen und Spekulationen reichen nicht aus."

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MDR/Anja Neubert

4 Kommentare

Henne2003 vor 5 Wochen

Das meist gelesene Buch der DDR war das Kursbuch der Deutschen Reichsbahn. "Die Spur der Steine" als etwas systemkrisches Buch wurde nicht so stark publiziert wie Bücher, die zur Pflichliteratur in der Schule gehörten. Aber ich kenne etliche Leute, die Erik Neutsch gern gelesen haben-sei es nun "die Spur der Steine" oder "Der Friede im Osten" und andere ...

Arthur vor 5 Wochen

Ich habe in meiner Jugend gelegentlich was gelesen. Aber "Spur der Steine" ist mir nicht untergekommen. Vielleicht war es ein Buch für Eingeweihte so wie "Tod am Meer" von Heiduczek. Zu den meist gelesenen Büchern gehörte es bestimmt nicht . Da waren andere Schriftsteller gefragt wie E. Strittmatter z.B. mit "Ole Bienkopp". Auch Kant wurde viel gelesen, wenn auch als Pflichtliteratur in der Schule wie die "Aula".

Sachsin vor 5 Wochen

Das "Spur der Steine" zu den meist gelesenen Büchern der DDR gehört haben soll, verwundert gelernte DDR'lerin echt, war in der Kinder und Erwachsenenbücherei und auch nach Anschluss solange ich wöchentlich Bücher kostenlos ausleihen konnte. Von "Spur der Steine", erfuhr ich erst nach unserer friedlichen Revolution, nur den Film und den mehrfach.
Der ganze Artikel liest sich kryptisch. Da gab es mal Sendung für ungeklärte Kriminalfälle. Aber wenn er nicht ungeklärt ist, werden nur Steuergelder verschwendet.

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