Aktuelle Statistiken Tourismus in Sachsen-Anhalt kämpft mit Folgen der Corona-Pandemie

Der Tourismus in Sachsen-Anhalt hat durch die Corona-Pandemie stark gelitten. Aktuelle Statistiken geben keinen Grund zur Annahme, dass sich schnell etwas bessert. Jetzt wird Hilfe aus der Politik gefordert. Es gibt aber auch kleine Hoffnungsschimmer.

Wanderer laufen bei sommerlichen Temperaturen auf den Brocken
Wanderer auf dem Brocken: Der Tourismus im Harz hat besonders stark unter den durch Corona bedingten Problemen zu leiden. Bildrechte: dpa

Am Donnerstag beginnen die Sommerferien in Sachsen-Anhalt. Da laut Experten derzeit Fernreisen wegen der Unsicherheiten durch Corona eher selten gebucht werden und inländische Ziele wie die Ostsee überlaufen sind, könnte der Tourismus im Land profitieren.

Doch die Lage der Branche ist und bleibt schwierig. Die statistischen Angaben sprechen eine eindeutige Sprache. Die Zahl der Gäste in Sachsen-Anhalt ist im Mai 2021, verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019, um etwa 80 Prozent zurückgegangen. Die Auslastung von Hotels, Pensionen und anderen Übernachtungsmöglichkeiten lag in diesem Zeitraum bei ganzen 13 Prozent.

Eine Familie am Strand mit Video
Last Minute in den Sommerurlaub 2021 - Was die beliebtesten Top-Reiseziele in Deutschland und wo sind noch Unterkünfte frei? Bildrechte: Colourbox.de

Situation im Land sehr unterschiedlich

Dabei ist die Situation im Land regional sehr unterschiedlich. Während beispielsweise Magdeburg und die Region Elbe-Börde-Heide relativ gut durch die Krise gekommen sind, ist die Lage im Harz und im Harzvorland sehr viel schlechter. Dort gab es im Mai 2021 etwa 50 Prozent weniger Buchungen als im Mai 2020 – und sogar 90 Prozent weniger als 2019.

Martin Schulze, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt, sagte MDR SACHSEN-ANHALT dazu: "Tourismus ist nicht wie eine Steckdose. Man kann Tourismus nicht einfach einschalten – und morgen funktioniert alles."

In der Branche fehlen Fachkräfte

In diesem Zusammenhang verwies er darauf, welche Probleme die Betriebe zu meistern hätten. Zum einen müssten die zwischenzeitlich abgewanderten Mitarbeiter zurückgeholt werden. Zum anderen müsse der Wareneinkauf erledigt werden. Es gelte, "das ganze Getriebe erst wieder in Gang zu bringen, bevor alles läuft". Das seien große Prozesse.

Besonders der Fachkräftemangel bereitet Schulze Sorgen. Er verstehe, dass sich viele Beschäftigte in der Corona-Krise eine andere Arbeit gesucht haben. Dies bedeute aber nun oft kürzere Öffnungszeiten, weil die Mitarbeiter fehlten. Einige Betriebe müssten deswegen vielleicht sogar schließen. Schulze ist sich sicher: "Das ist ein Punkt, mit dem wir uns noch viele, viele Jahre beschäftigen müssen."

Harzer Tourismusverband sieht Politik in der Pflicht

Weil viele Tourismusbetriebe in der Pandemie ihre finanziellen Reserven angegriffen oder sogar aufgebracht haben, plädiert Carola Schmidt für Unterstützung durch Bund und Land. Die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes sieht die Politik in der Pflicht, nicht nur in den nächsten Wochen und Monaten, sondern mittel- und langfristig zu helfen.

Manfred Bühnemann, Betreiber eines Feriendorfes bei Coswig und Anbieter von Paddeltouren, hat außerdem beobachtet, dass es momentan kaum langfristige Buchungen gibt. Die Erinnerung an die Reiseverbote im Jahr 2020, als nur von Pfingsten bis September geöffnet war, verunsichere offenbar viele potentielle Kunden.

Trend zu naturnahen "Kurzfrist-Reisen"

Thomas Einsfelder verbreitet hingegen vorsichtigen Optimismus. Der Geschäftführer der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt ist sich sicher, dass viele Tourismusbetriebe mit neuen, "guten Konzepten nach der Pandemie-Durststrecke" durchstarten werden.

Gerade der Trend zu naturnahen "Kurzfrist-Reisen" spiele den hiesigen Anbietern in die Hände. Dabei verweist er exemplarisch auf die vielen Campingmöglichkeiten im Land und das Welterbe-Radeln.

Karte mit Urlaubsverfügbarkeiten in Deutschland
Stand: 19. Juli 2021 Bildrechte: DS Destination Solutions/HRS Holidays

MDR/Kevin Poweska, Alexaander Kühne, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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