Ausbildung und Studium Trübe Aussichten – wie Corona eine Generation prägt

André Strobel
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Corona bremst eine ganze Generation junger Menschen aus: Eigentlich würden sie ihre Ausbildung beginnen, ein Studium aufnehmen, Semesterpartys feiern oder den ersten Job suchen. Man nennt sie schon jetzt "Generation Corona". Eine Umfrage des Meinungsbarometers "MDRfragt", an der sich knapp 22.000 Menschen aus Mitteldeutschland beteiligten, zeigt nun eines: Vor allem junge Bevölkerungsschichten fühlen sich alleingelassen. Es wird deutlich, dass jungen Erwachsenen Perspektiven fehlen.

Drei junge Menschen 30 min
Bildrechte: MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt

Yazan ist 21 Jahre alt, er wohnt in Magdeburg. Vor vier Jahren flüchtete er aus Syrien nach Deutschland. Der junge Mann ist strebsam, will etwas aus seinem Leben machen. Und er hat einen Traum: Er möchte eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann machen. Also in eine Branche gehen, die unter der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen des kulturellen Lebens besonders leidet. Und so verwundert es nicht, dass Yazan im Sommer 2020 keinen Erfolg mit seinen Bewerbungen hat:

Ein dunkelhaariger Mann läuft auf einer Straße.
Yazan aus Magdeburg möchte Veranstaltungskaufmann werden. Bildrechte: MDR/Mia Media

Ich habe ca. 30 Bewerbungen zugeschickt und auch ein paar Rückmeldungen bekommen. Meist, dass sie keine Auszubildenden mehr für dieses Jahr nehmen möchten und das andere waren dann halt Absagen.

Yazan

In Yazan macht sich Ernüchterung breit. Er überlegt, doch eine andere Richtung einzuschlagen, vielleicht Erzieher? Doch seinen Traum einfach so begraben, das will er dann doch nicht. Er kämpft weiter, mit mäßigen Aussichten auf Erfolg. Und damit ist Yazan keinesfalls alleine.

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Junge Generation fürchtet Nachteile durch Corona

Laut einer Online-Befragung des Meinungsbarometers "MDRfragt" planen drei Viertel der unter 30-Jährigen keine Änderung ihres beruflichen Werdegangs. Doch auch etwas anderes wird deutlich: Unter den 16- bis 29-Jährigen herrscht große Perspektivlosigkeit. Immerhin 68 Prozent der jungen Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer gehen davon aus, dass ihre Generation durch Corona Nachteile haben wird und ein Großteil der jungen Menschen fühlt sich von der Politik nicht genügend beachtet.  

Klaus Hurrelmann, Sozialwissenschaftler von der Berliner Hertie School, fordert arbeitsmarktpolitische Lösungen für junge Erwachsene, die von den bisherigen Programmen nicht aufgefangen werden. Denn diese Generation, so sagt er, werde tatsächlich häufig vergessen.

Deswegen, glaube ich, müssen wir hier aufpassen, dass wir die jungen Leute aus der Lethargie herausholen, damit sie nicht das Gefühl haben, sie würden jetzt untergetunkt werden. Der Staat sollte die Weichen dafür stellen, dass junge Leute nicht ins Leere laufen.

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Hertie School of Governance Berlin

Zwischen Home-Office und Kurzarbeit

Yazan hat monatelang gekämpft, sich immer wieder beworben, war unzählige Male bei der Agentur für Arbeit. Anfang 2021 hat er seine Traumausbildung zum Veranstaltungskaufmann tatsächlich begonnen. Doch die ist ein Kompromiss, denn Veranstaltungen finden gerade nicht statt, die Praxis fehlt fast komplett. Hinzu kommt: Die meisten von Yazans neuen Kollegen sind im Homeoffice oder in Kurzarbeit. Doch der junge Mann will das Beste aus der Situation machen.

Ich bin wirklich rausgekommen mit so einem guten Gefühl, besonders wenn ich etwas von Herzen tue, was ich wirklich werden möchte. Ich gehe jetzt nach Hause mit einem Lächeln im Gesicht und ich freue mich auf morgen.

Yazan

Nach acht Stunden Arbeit hat Yazan Feierabend. Ein Jahr mit vielen Hochs und Tiefs liegt hinter dem jungen Mann, doch er blickt optimistisch in die Zukunft und hofft, dass bald wieder Veranstaltungen stattfinden dürfen.

Sachsen-Anhalt

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Corona-Grafiken Sachsen-Anhalt
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MDR/Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Exakt – Die Story | 17. März 2021 | 20:45 Uhr

1 Kommentar

C.T. vor 13 Wochen

"Unter den 16- bis 29-Jährigen herrscht große Perspektivlosigkeit..."

Was hat denn die Friday4Future Generation erwartet? Grüne wählen und Freitags für den Rückschritt demonstrieren ... Heile Welt aber arbeitslos - tolle Leistung. Da kann ich nur mit Häme und Schadenfreude reagieren!

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