Sachsen-Anhalt und der Krieg in der Ukraine Helfen, helfen, helfen

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht und auf Hilfe angewiesen. MDR SACHSEN-ANHALT gibt Orientierung. Wo wird aktuell geholfen, was sind die neuesten Entwicklungen hierzulande – unser Überblick vom 3. März 2022.

Ein Demonstrantin zeigt die ukrainische Flagge. Dazu der Schriftzug: Sachsen-Anhalt und der Krieg gegen die Ukraine
Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Helfen ist auch für viele Menschen in Sachsen-Anhalt wichtig: Und helfen ist nicht nur eine selbstlose Geste, sondern auch eine konkrete Tat, um nicht ohnmächtig auf den Angriff des russischen Präsidenten zu starren.

Auch Demonstrationen können so eine Bewältigungsstrategie sein oder eine Art Beweis der Selbstwirksamkeit: Ja, wir können etwas tun.

Nach russischem Angriff Kundgebungen in Sachsen-Anhalt gegen den Krieg in der Ukraine

Menschen protestieren gegen den Krieg in der Ukraine.

Proteste in Magdeburg gegen den Krieg in der Ukraine.
Vor dem Magdeburger Dom hat sich eine Menschenmenge versammelt, um gegen den Krieg in der Ukraine zu protestieren. Zu der Mahnwache hatten die IG Metall und der DGB aufgerufen. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Proteste in Magdeburg gegen den Krieg in der Ukraine.
Vor dem Magdeburger Dom hat sich eine Menschenmenge versammelt, um gegen den Krieg in der Ukraine zu protestieren. Zu der Mahnwache hatten die IG Metall und der DGB aufgerufen. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Proteste in Magdeburg gegen den Krieg in der Ukraine.
Susanne Wiedemeyer, Landesleiterin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), zeigt auf dem Domplatz ein Plakat mit der Aufschrift "Nein zum Krieg". Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Proteste in Magdeburg gegen den Krieg in der Ukraine.
Alexander Schmidt zeigt auf dem Domplatz ein Plakat mit der Aufschrift "Gemeinsam gegen Krieg". Der Gewerkschafter nahm an der Mahnwache gegen den Krieg in der Ukraine teil. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Menschen mit ukrainischen Flaggen und Plakaten
Mehrere Hundert Menschen versammelten sich am Samstag auf dem Domplatz in Magdeburg zu einer Friedensdemo. Bildrechte: MDR/Engin Haupt
Menschen mit Plakaten
Die Kundgebung auf dem Magdeburger Domplatz wurde von der Deutsch-Ukrainischen Vereinigung Sachsen-Anhalt organisiert. Bildrechte: MDR/Engin Haupt
Ein Mann mit einem Plakat, das Putin und Hitler zeigt
Dieser Demonstrant verglich Wladimir Putin mit Adolf Hitler. Bildrechte: MDR/Engin Haupt
Die ukrainische Flagge und eine Friedenstaube an einer Häuserwand projiziert
In der Innenstadt von Wittenberg zeigt eine Lichtinstallation am Samstagabend die ukrainische Flagge und eine Friedenstaube. Bildrechte: Torsten Zugehör
Eine Frau mit der ukrainischen Flagge und einem Schild um den Hals
Am Sonntag versammelten sich auf dem Alten Markt in Magdeburg rund 1500 Menschen zu einer Friedenskundgebung, darunter auch diese Frau. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Demonstrierende mit einem Plakat
Am Sonntag versammelten sich auf dem Alten Markt in Magdeburg rund 1500 Menschen zu einer Friedenskundgebung. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
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Das habe ich am vergangenen Sonnabend auf dem Alten Markt in Magdeburg erlebt: Man fühlt sich weniger allein mit seinen Sorgen, man hört, wie es anderen Menschen geht, man sieht, dass andere sich ähnlich fühlen und denken. Das gibt Kraft.

Wie die Sachsen-Anhalter helfen

Diese Kraft scheint wohl auch Daniel Krüger zu spüren. Über ihn hatte ich am Mittwoch schon geschrieben. Er ist seit vier Tagen an der polnisch-ukrainischen Grenze. Wir haben mit ihm gesprochen.

Und Daniel Krüger hat für MDR SACHSEN-ANHALT auch seine Eindrücke aufgeschrieben. (Beim Lesen darf man schon mal schlucken.)

Mit Tränen in den Augen kommen die Frauen an und drehen sich weg, um ihren Kindern nicht zu zeigen, dass sie weinen.

Daniel Krüger

Diese Situationen seien die intensivsten Momente, schreibt Daniel Krüger: Wenn die Frauen realisierten, dass sie dem Krieg entkommen, aber auch weg von zu Hause und ihren Männern sind. Diese Frauen beeindruckten ihn.

Man kann sehen, dass viele der jungen Frauen mit dem russischen Angriff quasi über Nacht erwachsen und stark geworden sind.

Daniel Krüger

Was wirklich gebraucht wird

Nahrung, Wasser, Medikamente, Verbandsmaterialien und Geld. Das sei die wichtigste Hilfe gerade, sagt Daniel Krüger. Kleider gäbe es in Hülle und Fülle.

Das deckt sich mit dem, was Hilfsorganisationen sagen. Birte Steigert von der Aktion Deutschland Hilft sagt:

Wir sehen aber auch bei vergangenen Katastrophen, dass es wenig hilft, wenn Menschen jetzt Altkleider zu Initiativen oder Hilfsorganisationen karren.

Birte Steigert, Aktion Deutschland Hilft

Steigert sagt auch, in solchen Fällen wüsste man gar nicht, was alles benötigt wird, man bräuchte Lagerflächen und Transportmöglichkeiten. Eigene Dinge zu spenden sei aber wohl ein besonderes Bedürfnis: "Die Geldspende reicht vielen Menschen nicht. Das verstehen wir."

Das ist etwas ganz Tiefes in uns, dass wir am liebsten mit anpacken wollen, um der Hilflosigkeit und den schrecklichen Informationen und Bildern Herr zu werden.

Birte Steigert

Neben Geld hilft zurzeit auch organisatorische Unterstützung. Der Chef der ökologischen Suchmaschine Ecosia, Christian Kroll, hat mir Anfang der Woche erzählt, warum er zum Beispiel eine Online-Initiative unterstützt, die Unterkünfte in Deutschland vermittelt.

Kroll kommt aus Wittenberg, hat seine Firma in Berlin gegründet. Das Spannende daran: Ecosia investiert seine Gewinne ausschließlich in Baumpflanzprojekte – die Firma selbst gehört einer Stiftung; sie darf ihren Zweck nie ändern.

Die aktuelle Lage

Der Chef des UN-Flüchtlingskommissariats sprach heute davon, dass sich bislang mehr als eine Million Menschen aus der Ukraine auf der Flucht befinden: Mehr als zwei Prozent der Bevölkerung – ein beispielloser Exodus, schrieb er auf Twitter.

Kollegen vom rbb berichten aus Berlin, dass die Kapazitäten des Ankunftszentrums nicht ausreichten. Gestern sind wohl mindestens 1.700 Menschen offiziell gezählt worden.

In Sachsen-Anhalt wurden bis gestern Nachmittag offiziell etwa 250 Kriegsflüchtlinge gezählt, teilt das Innenministerium mit. Außerdem würden in Kürze etwa 50 bis 60 Menschen aus Berlin erwartet, um die Kapazitäten dort zu entlasten.

Wie viele Menschen privat untergekommen sind, weiß niemand. Die Tafeln jedenfalls haben bereits gestern in Oschersleben, Haldensleben und Dessau einige der Kriegsflüchtlinge versorgt.

Medizinisch betreut werden in Sachsen-Anhalt auch zwei ukrainische Kriegsflüchtlinge aus Odessa. Das junge Paar erwartet ein Baby, dass jeden Augenblick zur Welt kommen kann. Mein Kollege Hannes Leonard hat in unserer Besprechung dazu vorhin gesagt: "2.000 Kilometer, drei Tage Flucht und das hochschwanger. Jetzt in Halle. Eine krasse Geschichte!"

Und mein Kollege Hanno Bauer, Radiomoderator bei MDR SACHSEN-ANHALT, konnte am Dienstag sogar ganz schnell helfen: Er hat kurzfristig Menschen aus der Ukraine aufgenommen – sie kamen an, als Hanno gerade die ARD-Hitnacht aus Magdeburg moderiert hat.

Sie merken: Der Krieg gegen die Ukrainer geht auch uns Radio-, Fernseh- und Online-Journalistinnen und Journalisten nah. Ich habe in der vergangenen Woche zum Beispiel feuchte Augen bekommen, als ich mit einem Kollegen in Kiew gesprochen habe.

Wie Sachsen-Anhalts Politik hilft

Sachsen-Anhalts Landesregierung hat heute Informationen für Flüchtende aus der Ukraine auch in ukrainischer Sprache (PDF) und in russischer Sprache (PDF) veröffentlicht. Darin weist die Landesregierung auf das Hotel Ambiente in Halberstadt hin, das als erste zentrale Zwischenunterkunft dient. Dort sind derzeit sechs Menschen untergekommen.

Wenn Menschen aus der Ukraine bei Freunden oder Verwandten in Sachsen-Anhalt untergekommen sind, bittet die Landesregierung diese Menschen, sich bei der zuständigen Ausländerbehörde zu registrieren. Welche das im Einzelnen sind, zeigt diese Übersicht.

Außerdem gibt es seit vorgestern die "Koordinierungsstelle Ukraine". Sie soll Flüchtenden und Helfern erste Informationen geben, bei Übersetzungen helfen und alle an die richtigen Stellen vermitteln können.

Die Kontaktdaten:

Sachsen-Anhalts Innenministerium sucht derzeit nach weiteren Unterkünften, einzelne Objekte seien bereits in der engeren Wahl oder würden in Kürze gemietet.

MDR (Marcel Roth)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. März 2022 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

hinter-dem-Regenbogen vor 38 Wochen

@Kaktus
"Krieg ist die Fortsetzung ideologischer, politischer, oder auch wirtschaftlicher Interessen - eben nur mit anderen Mitteln "

Wer im gewalttätigen Handeln der "Gute" oder aber auch der "Böse" ist, das bekommen die Menschen dann im Anschluß des Konflikts von den Oberen gesagt. In der Regel sind es jene, die als Sieger aus diesem Konflikt hervorgehen, die über die Hoheit und den Gebrauch der Worte dann verfügen.

Der Gebrauch der Worte entscheidet dann über Recht oder Unrecht, über Wahrheit oder Lüge, über Frieden oder Krieg.

Und wie es mit der Wahrheit der Worte im Krieg aussieht, das muß man nicht mehr diskutieren.
Die schärfste Waffe im Krieg, eine Waffe die über Sieg oder Niederlage entscheiden kann, ist immer noch das gesprochene Wort und die Inszenierung der Wörter und der Bilder.

Dazu gibt es auch Literatur :
z.B. "Die Psychologie des Krieges" . . . der Gebrauch der Bilder und der Worte im Krieg.
Für Kinder ist derartige Literatur nicht zu empfehlen.

Kaktus vor 38 Wochen

Teil 2 Ich verabscheue aber auch diese Doppelmoral. Gerade wir Deutschen müssten doch wissen, wie es ist mit einem verbrecherischen System in Verbindung gebracht zu werden. Ich höre allerorten die Empörung wenn es hieß, ihr deutschen habt Europa in Schutt und Asche gelegt. Und wir setzen jeden russischen Staatsbürger mit ihrem Präsidenten gleich. Es ist eine Schande.

Kaktus vor 38 Wochen

Wurde nach den beiden völkerrechtswidrigen und auf einer dreisten Lüge basierenden Kriegen der USA gegen den Irak die irakische Flagge auf öffentlichen Gebäuden gehisst? Ich kann mich nicht erinnern. Wurden amerikanische Firmen und Sportler geschasst? Ich kann mich nicht erinnern. Wurde amerikanischen Milliardären ihr Eigentum beschlagnahmt? Ich kann mich nicht erinnern. Zogen sich deutsche Firmen aus den USA zurück? Ich kann mich nicht erinnern. Wurden US-amerikanische Sportler und Verbände von internationalen Veranstaltungen ausgeschlossen? Ich kann mich nicht erinnern. Wurden US-amerikanische Künstler und Sportler genötigt sich gegen ihren Präsidenten zu stellen nur um ihren Job zu behalten? Ich kann mich nicht erinnern. Gab es Spendenaufrufe für das irakische Volk? Ich kann mich nicht erinnern. Wie lange wird es wohl dauern, bis ganz normale russische Bürger verprügelt, gehetzt oder russische Einrichtungen angezündet werden? Nur zum Verständnis, ich verabscheue diesen Krieg.

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