Sachsen-Anhalt und der Krieg gegen die Ukraine Sachsen-Anhalter machen sich für Geflüchtete aus der Ukraine stark

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht und auf Hilfe angewiesen. MDR SACHSEN-ANHALT gibt Orientierung. Wo wird aktuell geholfen, was sind die neuesten Entwicklungen hierzulande – unser Überblick vom 7. März 2022.

Symbolbild Solidarität mit Ukraine
Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Die Unterstützung der Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter für die vom Krieg betroffenen Menschen in der Ukraine bleibt ungebrochen. Überall zeigen sich Menschen solidarisch mit der Ukraine, ob es nun im Sport ist, auf Friedens-Demos oder bei den zahlreichen Hilfsaktionen. Das war auch am Wochenende wieder der Fall.

So helfen die Menschen in Sachsen-Anhalt

Der Verein "Zukunft Frieden" in Bitterfeld-Wolfen hat eine Sammelaktion gestartet, bei der Friedensglocken ersteigert werden können. Diese waren ursprünglich für einen Friedens-Lauf nach St. Petersburg gegossen worden.

Gegossen wurden die Glocken in der Kunst-Gießerei von Maxim Engelmann in Lauchhammer. Der gebürtige Kasache ist in der Ukraine aufgewachsen und lebt seit 2001 in Deutschland. Mit dem bei der Aktion gesammelten Geld will er Flüchtlinge aus der Ukraine in seiner Kunst-Gießerei einstellen. Zusätzlich sollen Menschen unterstützt werden, die in der Ukraine bleiben müssen.

Jugendliche aus Osterburg sanieren Wohnungen

Das Hilfsangebot von Jugendlichen aus Osterburg ist ganz praktisch. 50 Zehntklässlerinnen und Zehntklässler des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums haben am Freitag kräftig angepackt und leerstehende Wohnungen in einem Alt-Neubau-Block renoviert, in die bald ukrainische Flüchtlinge ziehen werden. Die Resonanz auf den Aufruf des Schülerrats zu dem Hilfseinsatz ist groß gewesen. Im ersten Durchgang wurden sieben der insgesamt 18 Wohnungen komplett renoviert. Ein zweiter Arbeitseinsatz, dann mit Neuntklässlern, soll in der kommenden Woche laufen.

Auch der ehemalige Bürgermeister von Tröglitz im Burgenlandkreis hilft, wie schon 2015, Flüchtlingen, wo er kann. Markus Nierth machte sich schon damals für Geflüchtete aus Afghanistan stark, jetzt kümmert er sich um eine Familie aus der Ukraine. Kurz nach Kriegsausbruch in der Ukraine hatte sich Nierth an die Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline gewandt und fuhr an die slowakisch-ukrainische Grenze.

Tanzen für den Frieden in Burg

Neben den vielen Hilfsaktionen zeigen sich die Menschen auch anderweitig solidarisch mit der Ukraine. In Burg zum Beispiel haben die jungen Mitglieder eines Tanz-Clubs ihre Solidarität auf kreative Art und Weise zum Ausdruck gebracht. Knapp hundert Kinder und Jugendliche haben am Sonntag im Goethepark für den Frieden "getanzt". Die Idee zur der Friedens-Choreographie entstand, weil der Krieg gegen die Ukraine die Kinder sehr beschäftigt, auch im Tanzkurs.


So bereiten sich Städte und Gemeinden auf Aufnahme Geflüchteter vor

In den Städten im Land bereitet man sich unterdessen auf die Ankunft Geflüchteter vor. In Halle nimmt heute die zentrale Aufnahmestelle ihre Arbeit im Kulturtreff am Stadion im Stadtteil Neustadt auf. Dort werden Geflüchtete aus der Ukraine registriert und Sozialleistungen für sie beantragt. Die Stadt bringt sie zunächst in zwei Turnhallen unter. Sie sollen aber so schnell wie möglich in Wohnungen ziehen können.

Tafeln mit Nothilfe-Angebot

Auch die Tafeln im Land haben sich auf die Unterstützung geflüchteter Menschen aus der Ukraine vorbereitet. Funktionieren soll das ganz ohne große Bürokratie, wie der ehrenamtliche Landesvorsitzende der Tafeln in Sachsen-Anhalt, Andreas Steppuhn, dem MDR sagte. Geflüchtete aus der Ukraine erhalten demnach von den Tafeln ab sofort eine sogenannte Nothilfe, bestehend aus Lebensmitteln und Hygieneartikeln. "Da, wo es möglich ist, auch mit Kleidung", so Steppuhn.

Natürlich alles im Rahmen vorhandener Kapazitäten. Dies ist unser Beitrag sofort zu helfen, wir tun dies gerne auch ohne große Formulare und Bürokratie.

Andreas Steppuhn, Landesvorsitzende der Tafeln

Bislang seien es aber nur einzelne Geflüchtete aus der Ukraine, die die Tafeln aufsuchen. Sollten in Sachsen-Anhalt weitere Flüchtlinge ankommen, müsse man sehen, wie das Versorgungs-Angebot organisiert und umgesetzt wird. In dieser Woche wurden den Angaben zufolge Menschen etwa bei den Tafeln in Dessau-Roßlau, Oschersleben und Haldensleben versorgt. Anspruch auf die Tafeln haben Geflüchtete automatisch, wenn sie sich bei der zuständigen Ausländerbehörde registriert haben. In Sachsen-Anhalt gibt es nach Angaben des Landesverbands der Tafeln insgesamt 34 Tafeln und 100 Ausgabestellen.

Etwa 400 Geflüchtete in Sachsen-Anhalt registriert

In Sachsen-Anhalt sind derzeit etwa 400 Geflüchtete aus der Ukraine offiziell registriert. In Deutschland befinden sich nach Angaben der Bundespolizei bislang etwa 38.000 Geflüchtete. Aber: Die deutschen Städte und Kommunen rechnen damit, dass bereits deutlich mehr Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland angekommen sind als bislang registriert. Deswegen dringt der Deutsche Städte- und Gemeindebund auf schnelle Hilfen.

Zuletzt sind in der Nacht zum Sonntag rund 200 Geflüchtete aus der Ukraine in Magdeburg eingetroffen. Die meisten wurden zunächst in der Hermann-Gieseler-Halle versorgt, wo Hilfsorganisationen rund 300 Betten aus der Katastrophen-Versorgung aufgestellt haben. Viele der Geflüchteten zogen danach weiter in Unterkünfte, die verschiedene Organisationen und Privatleute aus Magdeburg vorbereitet und zur Verfügung gestellt haben.

So können Sie helfen

Insgesamt sind nach Schätzung des UN-Flüchtlingshilfswerkes momentan etwa 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine auf der Flucht. Die Solidarität mit ihnen ist riesig. Viele spenden Kleidung, Decken oder Medikamente. Andere überweisen Geldspenden an Hilfsorganisationen. Das ist momentan am wichtigsten, damit die Organisationen vor Ort die benötigten Produkte kaufen und verteilen können.

Das Land selbst koordiniert Hilfsmaßnahmen, es gibt aber auch eine Reihe von öffentlichen und privaten Initiativen. Informationen zu Hilfsangeboten und Anlaufstellen finden Sie hier in einer Übersicht.

Manche wollen auch ihr eigenes Zuhause anbieten und Menschen, die vor dem Krieg flüchten, aufnehmen. Rechtlich gibt es dabei übrigens nicht viel zu beachten. Hilfe bei der Vermittlung freier Zimmer oder Wohnungen bietet ein Portal im Internet.  

MDR (Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 07. März 2022 | 05:00 Uhr

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