Überblick Wie Landkreise privat untergekommenen Flüchtenden helfen wollen

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht und auf Hilfe angewiesen. MDR SACHSEN-ANHALT gibt Orientierung. Wo wird aktuell geholfen, was sind die neuesten Entwicklungen hierzulande – unser Überblick vom 10. März 2022.

Geflüchtete aus der Ukraine kommen nach ihrem Grenzübertritt von Schehyni in der Ukraine nach Medyka in Polen
Die Menschen aus der Ukraine treffen in Sachsen-Anhalt ein. Kommen sie privat unter, können sie bei den Behörden durchs Raster fallen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Die Zahl der Sachsen-Anhalter, die Menschen aus der Ukraine bei sich aufnehmen, wächst. Allerdings läuft das hier und da an den Behörden vorbei und kann deshalb die gezielte Hilfe von Behörden erschweren.

Unbedingt bei Ausländerbehörde registrieren

Geflüchtete von der Grenze abholen oder ukrainische Freunde bei sich aufnehmen – dieses Engagement sei super, sagt die Integrationskoordinatorin des Burgenlandkreises MDR SACHSEN-ANHALT. Allerdings müssten die Geflüchteten zwingend bei der Ausländerbehörde registriert werden. Erst dann dürften sie sich hier einen Job suchen und bekämen finanzielle Unterstützung. Ukrainer ohne gültigen Aufenthaltstitel hätten nur 90 Tage Aufenthaltsrecht und ein Arbeitsverbot.

Deswegen bieten Kommunen und Landkreise Informationen an. Auf ihren Websites oder bei Infoveranstaltungen. Im Burgenlandkreis wird am Donnerstag beispielsweise um 17 Uhr in Weißenfels im Jugendzentrum "Die Brücke" und am Freitag um 17 Uhr im Haus der Kirche in Naumburg darüber berichtet, was Menschen beachten sollten, wenn sie Ukrainer aufnehmen.

Wie kommt die Hilfe richtig an?

Viele Menschen in Deutschland wollen Geflüchteten und den Menschen in der Ukraine helfen. Doch nicht alles, was dafür gemacht wird, hilft wirklich. Manchmal kann es durch private Initiativen auch zu Problemen kommen.

Die Kollegen von exakt haben mit Helfern und dem Deutschen Roten Kreuz gesprochen, welche Hilfe nun am sinnvollsten ist und was derzeit überhaupt möglich ist.

Wo auf jeden Fall noch Spenden gebraucht werden, ist im Burgenlandkreis. Der Landkreis hat am Donnerstag nochmalig zu Sachspenden aufgerufen. Vor allem medizinisches Material wie Schmerzmittel, Verbandszeug oder Desinfektionsmittel werden gebraucht.

Hier können die Spenden im Burgenlandkreis bis Freitag, 11. März, um 18 Uhr abgegeben werden:

Naumburg
Friedensstraße 5-7

Zorbau
Patterken 9

Bad Bibra
Haus des Gastes
Bürgergarten 1

Zeitz
Katastrophenschutzhalle
Friedensstraße 80

Der Krieg in der Ukraine wirkt in mehrerer Hinsicht auf unser Leben aus. Die Energiepreise sind deutlich gestiegen – und sie könnten noch weiter steigen.

Neben den Sprit- steigen auch die Gaspreise

Die Magdeburger Stadtwerke (SWM) stimmen ihre Kunden auf massive Preisanstiege beim Gas ein. SWM-Geschäftsführer Thomas Pietsch sprach bei MDR SACHSEN-ANHALT von "sehr, sehr schmerzlichen Preisauswirkungen" als Folge des Ukraine-Kriegs.

Pietsch sagte: "Erdgas ist da und wird auch im nächsten Winter da sein. Der Endverbraucherpreis wird sich aber mindestens verdoppeln, möglicherweise auch vervierfachen." Das hänge davon ab, wie sich die Lage in der Ukraine entwickle. Sollte sich eine politische Lösung finden, werde es diese Preisspitzen nicht geben. Pietsch gab aber zu bedenken: "Aktuell sehen wir eine Verzehnfachung des Börsenhandelspreises."

Derweil steigen die Spritpreise weiterhin an. Der ADAC geht davon aus, dass das auch noch eine Weile so weitergehen könnte.

Zusammensetzung des Benzinpreises

Zusammensetzung des Dieselpreises

Weitere Unterkünfte in Dessau-Roßlau

Die Stadt Dessau-Roßlau hat ein umfassendes Hilfs- und Wohnungsprojekt für Geflüchtete aus der Ukraine auf den Weg gebracht. Gemeinsam werden mit den Stadtwerken und Wohnungsunternehmen der Stadt 100 Unterkünfte vorbereitet.

Dafür werden noch Möbelspenden gesucht: Betten, Liegen, Fernseher bis hin zu Küchen. Aktuell sind in Dessau-Roßlau 130 Geflüchtete von der Ausländerbehörde erfasst worden. Zentrale Aufnahmestelle ist die Turnhalle der Berufsschule. Dort stehen für die Erstaufnahme 200 Betten zur Verfügung.

Diakonie will fünf Millionen Euro für Geflüchtete bereitstellen

Auch die Diakonie Katastrophenhilfe ruft weiterhin zu Spenden für die vom Ukraine-Krieg betroffenen Menschen auf, um seine Hilfsangebote ausbauen zu können. Dazu sollen in einem nächsten Schritt fünf Millionen Euro bereitgestellt werden, teilte die Diakonie Mitteldeutschland in Halle mit. Die Hilfsbereitschaft in den Nachbarländern der Ukraine sei weiterhin enorm.

Christoph Stolte, der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, betonte, dass es wichtig sei, auch in den Nachbarländern zu helfen. Möglich sei dies durch die große Spendenbereitschaft in Deutschland.

Christoph Stolte, Direktor der Diakonie Dresden
Christoph Stolte, der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland organisiert Hilfen für Geflüchtete. Bildrechte: dpa

Die Menschen fliehen aus der Ukraine über die Landesgrenzen, wollen aber möglichst nah an ihrer Heimat bleiben.

Christoph Stolte, der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland

Deshalb sei es gut, wenn die Kirchgemeinden und Initiativen in den Nachbarländern der Ukraine unterstützen, in denen jetzt Hilfen organisiert werden, sagte Stolte.

Derzeit arbeite die Diakonie Katastrophenhilfe daran, Bargeldhilfen für Flüchtlinge zu ermöglichen. Diese seien der effektivste Weg, Flüchtlingen zu helfen. Die Menschen könnten damit genau die Waren für ihre Familien einkaufen, die sie wirklich benötigten. Die Bargeldhilfen sollen die geflüchteten Menschen in Ländern unterstützen, in denen die Sozialsysteme dies nicht adäquat leisten könnten.

Partnerstädte in der Ukraine

Einige Städte in Sachsen-Anhalt pflegen freundschaftliche Beziehungen oder haben Städtepartnerschaften in der Ukraine. Eine von Magdeburgs Städtepartnerschaften besteht beispielsweise mit Saporischschja im Osten der Urkaine. Dort gibt es seit Tagen Konflikte rund um das dortige Atomkraftwerk.

Welche Verbindungen es noch gibt und wo diese liegen, haben wir im aktuellen MDRklärt zusammengefasst:

So können Sie helfen

Insgesamt sind nach Schätzung des UN-Flüchtlingshilfswerkes momentan mehr als zwei Millionen Menschen aus der Ukraine auf der Flucht. Die Solidarität mit ihnen ist riesig. Viele spenden Kleidung, Decken oder Medikamente. Andere überweisen Geldspenden an Hilfsorganisationen. Das ist momentan am wichtigsten, damit die Organisationen vor Ort die benötigten Produkte kaufen und verteilen können.

Das Land selbst koordiniert Hilfsmaßnahmen, es gibt aber auch eine Reihe von öffentlichen und privaten Initiativen. Informationen zu Hilfsangeboten und Anlaufstellen finden Sie hier in einer Übersicht.

Mehr zum Thema: Ukraine-Krieg

epd, MDR (Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. März 2022 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Steffen 1978 vor 29 Wochen

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https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/video-nachrichten-aktuell-fuenfter-oktober100.html

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