Sachsen-Anhalt und der Krieg gegen die Ukraine Geflüchtete Schüler sollen in Sachsen-Anhalt integriert werden

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht und auf Hilfe angewiesen. MDR SACHSEN-ANHALT gibt Orientierung. Wo wird aktuell geholfen, was sind die neuesten Entwicklungen hierzulande – unser Überblick vom 9. März 2022.

Bei einer Mahnwache zum Ukraine Krieg wird ein Plakat in den Farben der Ukraine gezeigt, auf dem ein Friedenssymbol und das Wort Frieden abgebildet ist.
Auch nach fast zwei Wochen des Krieges ist die Solidarität mit den Menschen in der Ukraine in Sachsen-Anhalt groß. Bildrechte: dpa

Schulen im Land werden auf Geflüchtete vorbereitet

Sachsen-Anhalt will den aus der Ukraine geflüchteten Kindern und Jugendlichen ermöglichen, hier zur Schule zu gehen. Voraussichtlich werde es zentrale Klassen mit Flüchtlingskindern geben, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Es sollten sprachliche Barrieren abgebaut und auch schulpsychologische Angebote unterbreitet werden.

Auch Lehrer unter Flüchtlingen gesucht

In einem zweiten Schritt würden die Kinder und Jugendlichen dann in den Schulalltag und die Regelklassen integriert. Um die Kinder bestmöglich zu betreuen, suche das Land auch unter den Kriegsflüchtlingen nach Lehrerinnen und Lehrern sowie weiterem pädagogischen Personal, sagte der Sprecher des Bildungsressorts weiter.

Sachsen-Anhalts Innenministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, dass landesweit bislang rund 300 Kinder im schulpflichtigen Alter registriert sind. Es sei aber nicht abzusehen, wie sich die Zahlen entwickelten. Aktuell verifiziere man im Bildungsministerium, wo wie viele neu angekommene Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter untergebracht sind und beschult werden sollen.

Diese Rechte haben Flüchtlinge aus der Ukraine Der vorübergehende Schutz für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ist mit dem Recht auf einen Aufenthaltstitel verbunden, dem Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Wohnraum, sozialer und medizinischer Versorgung sowie dem Zugang zu Bildung für Kinder.

Hotel in Merseburg nimmt Flüchtlinge auf

Hotel in Merseburg
Das Sky-Hotel in Merseburg ist auf ukrainische Flüchtlinge vorbereitet. Bildrechte: MDR/Hannes Leonard

Die Landesregierung hat weitere Kapazitäten zur Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge angemietet. Im Sky-Hotel in Merseburg können 200 Menschen unterkommen. Es ist nach dem Hotel Ambiente in Halberstadt (Kapazität: rund 150 Plätze) die zweite vom Land gemietete Unterkunft. Der Geschäftsführer verwies am Mittwoch Auskünfte nach Magdeburg. Auch, ob schon Geflüchtete angekommen sind, wollte er nicht sagen. Der Hotelbetrieb läuft nach Angaben eines MDR-Reporters offenbar normal weiter. Im Internet sind noch freie Zimmer in der nächsten Woche buchbar.

Landwirtschaft I: Bauern befürchten Engpass bei Erntehelfern

Viele Landwirte in Sachsen-Anhalt blicken wegen des Ukraine-Krieges derweil mit Sorge auf die bevorstehende Ernte. Die angespannte Lage im Osten Polens lasse Saisonkräfte darüber nachdenken, ihren Einsatz abzusagen.

Das sagt zum Beispiel Spargelbauer Patrick Wolter aus Hohenseeden im Jerichower Land. Er beschäftigt normalerweise rund 60 Erntehelfer. Die Menschen müssten abwägen, ob sie nach Deutschland zum Arbeiten kommen oder sich zu Hause um ihr Hab und Gut kümmerten. Ohne die Erntehelfer aus Polen gehe es nicht, so Wolter. In Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsbetrieben arbeiten über das Jahr hinweg rund 5.400 Saisonkräfte.

Auch die Wittenberger Gewächshausanlagen schauen nach eigenen Worten sorgenvoll in die Zukunft. Laut Projektentwickler Helmut Rehhahn ist es aussichtslos, deutsche Mitarbeiter zu finden. Die 350 Beschäftigten kämen ausnahmslos aus Osteuropa, einige aus Polen, die meisten aus der Ukraine. Der Krieg dort könne nun die Personalsuche deutlich erschweren, möglicherweise wollten viele Ukrainer nicht mehr im Ausland arbeiten, wenn in ihrer Heimat gekämpft wird.

Landwirtschaft II: Durch Krieg könnten Nahrungsmittel knapp werden

Die Schwarzmeerregion trägt einen großen Teil zur weltweiten Ernte von Sonnenblumenkernen, Weizen, Mais und Raps bei. Der Krieg in der Ukraine könnte deshalb Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion haben – auch in Sachsen-Anhalt.

Ein Landwirt aus Mücheln im Saalekreis blickt beispielsweise sorgenvoll auf diese Entwicklung. Er meint: Sollte in diesem Jahr die Ernte ein Opfer des Krieges werden, dann droht eine Nahrungsmittelkrise. Carl Philipp Bartmer sagt weiter: "Das ist im Grunde eine dramatische Entwicklung, wo wir uns nicht klarmachen, was das tatsächlich für den Nahrungsmittelmarkt bedeutet, wenn zwei der weltweit größten Getreide- und Agrarexporteure Krieg führen."

Tierschutzverband gibt Hinweise zur Hilfe

In einer aktuellen Mitteilung warnt zudem auch der Tierschutzverband Sachsen-Anhalt vor "unkoordinierten Spendensammelaktionen" für vom Krieg betroffene Tiere. An den Grenzen würden sich jetzt schon Sachspenden für Tiere stapeln, die später aufwendig entsorgt werden müssten. Geldspenden hingegen könnten direkt vor Ort eingesetzt werden und seien derzeit die wichtigste Grundlage für Hilfen.

Kommunen rufen nach finanzieller Unterstützung

Unterdessen erreichen immer mehr ukrainische Flüchtlinge Deutschland. Das Bundesinnenministerium gibt die Zahl aktuell mit fast 65.000 an. Da an der Grenze aber oft nicht kontrolliert wird, dürfte die tatsächliche Zahl höher liegen. In Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des Innenministeriums bislang mehr als 1.500 Menschen aufgenommen worden.

Viele Kommunen in Deutschland fühlen sich aber allein gelassen. Deshalb fordert der Deutsche Städtetag nun mehr finanzielle Hilfen von Bund und Ländern sowie einen gemeinsamen Flüchtlingsgipfel. Es müsse alles dafür getan werden, die Menschen bundesweit zu verteilen, hieß es. Außerdem gehe es um die Frage, welche Kapazitäten wo aufgebaut werden müssten.

So können Sie helfen

Insgesamt sind nach Schätzung des UN-Flüchtlingshilfswerkes momentan mehr als zwei Millionen Menschen aus der Ukraine auf der Flucht. Die Solidarität mit ihnen ist riesig. Viele spenden Kleidung, Decken oder Medikamente. Andere überweisen Geldspenden an Hilfsorganisationen. Das ist momentan am wichtigsten, damit die Organisationen vor Ort die benötigten Produkte kaufen und verteilen können.

Das Land selbst koordiniert Hilfsmaßnahmen, es gibt aber auch eine Reihe von öffentlichen und privaten Initiativen. Informationen zu Hilfsangeboten und Anlaufstellen finden Sie hier in einer Übersicht.

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MDR (Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. März 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Meine Meinung vor 37 Wochen

Ist wirklich interessant….wo die Kapazitäten an Lehrern herkommen soll? Es ist keine Frage das die Kinder schnell unterrichtet werden sollten. Flüchtlingsklassen wegen der Sprachbarrieren? War man doch dagegen zum Schuljahresbeginn als eine Schule das für effektiv hielt. Ach ich hoffe mal nicht das die Stunden dann noch 5 Minuten kürzer werden? Und Frau Ministerin es kämpfen gerade wieder Kommunen gegen Schulschliessungen. Die Kapazitäten sind nötig. Da hoffe ich mal das einige Entscheidung mal mit der Realität verglichen werden! Fehlender Lernstoff, bereits volle vorhandene Klassen, lange Fahrwege, fehlende Lehrer, fehlende Kitaplätze, zu wenig Kitapersonal…… und nun brauchen wir noch mehr! Also ran an die Arbeit….es gibt viel sehr viel zu tun.
Die Kinder aus der Ukraine brauchen Ihren vollen Einsatz um eine Zukunft zu haben wie auch unsere Kinder.

ElBuffo vor 37 Wochen

Interessant, wo plötzlich die zusätzlichen Lehrkräfte und Schulpsychologen herkommen sollen, wo es schon so an allen Ecken und Enden daran fehlt.
Eine Lebensmittelkrise sehe ich dagegen eher nicht. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass die SU gerade zu ihrem Ende hin immer wieder Millionen Tonnen Weizen importieren mussten, ohne dass wir hier auch nur annähernd hungern mussten.

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