29.11.2021 | Sachsen-Anhalt am Morgen Corona in Sachsen-Anhalt: An den Schulen ab heute tägliche Schnelltests

Mandy Ganske-Zapf
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Ein Testkit liegt im Klassenzimmer Teaserbild: Sachsen-Anhalt am Morgen
Schnelltests gehören jetzt zum täglichen Schulalltag. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt am Montagmorgen: Die Corona-Lage wirft viele bange Fragen auf: Wird es einen Lockdown geben? Wie wird es mit Weihnachten? Reichen die bisherigen Maßnahmen überhaupt, um die Zahlen bei den Neuinfektionen runterzubringen? Nun gibt es schärfere Regeln an den Schulen im Land. Ab diesem Montag sind tägliche Schnelltests Pflicht, während die Leopoldina am Wochenende schnell eingesetzte Kontaktbeschränkungen empfohlen hat. Das gleich ausführlicher im Top-Thema. Allen, die jetzt zur Arbeit losmüssen, sei noch schnell gesagt: Vorsicht, kann mächtig glatt sein! Mein Name ist Mandy Ganske-Zapf – hier kommt Ihr Morgen-Update.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Thema des Morgens- ist die Zeichnung einer Kaffeetasse zu sehen.
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Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Corona in Sachsen-Anhalt: An den Schulen ab heute tägliche Schnelltests

In der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen lag die 7-Tage-Inzidenz zuletzt (Stand 26. November 2021) nach den Daten des Robert Koch-Instituts bei 1990,1. Das ist ein beunruhigender Wert, da die Werte in anderen Altersgruppen deutlich geringer sind (siehe Grafik). Um das Infektionsrisiko an den Schulen im Land zu senken, hat die Landesregierung schärfere Corona-Regeln in Kraft gesetzt. Statt wöchentlich drei, soll es nun tägliche Schnelltests geben. Damit geht es jetzt am Montag los.

Das ist neu:

  • Die Tests sollen den neuen Regeln nach an jedem Unterrichtstag in der Schule erfolgen.
  • Damit, so hat es die Landesregierung mit der Verordnung geregelt, entfällt zugleich die 3G-Regel unter anderem in Schulbussen und beim Kinder- und Jugendsport.

Das gilt bereits:

  • Seit Ende vergangener Woche können Eltern zudem beantragen, ihre Kinder von der Präsenzpflicht zu befreien (allerdings nur wochen-, nicht tageweise). Dafür müssen sie einen schriftlichen Antrag stellen.
  • Die Weihnachtsferien sollen früher starten, der letzte Schultag ist bereits am 17. Dezember (statt wie ursprünglich vorgesehen am 22. Dezember).

Leopoldina empfiehlt umfassende Kontaktbeschränkungen

Noch immer macht sich unterdessen der Eindruck breit, dass die Politik den Ereignissen – besser gesagt, den steigenden Zahlen bei den Neuinfektionen und zunehmenden Krankenhauseinweisungen – im Moment nur hinterherläuft. In Sachsen-Anhalt etwa lagen der Kreis Mansfeld-Südharz und der Saalekreis zwischenzeitlich bei einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 1.000, der Harzkreis weist am Montagmorgen sogar 1.130 auf. Landesweit liegt die aktuelle Inzidenz bei 698,3 – mit 15.227 neuen Fällen innerhalb der vergangenen sieben Tage.

Von Thüringen und Sachsen an dieser Stelle nicht zu reden, die es ja in zahlreichen Kreisen mit sehr hohen Inzidenzen zu tun haben.

Vor diesem Hintergrund hat eine Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina in Halle, am Wochenende besonderes Aufsehen erregt: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen, "umfassende Kontaktbeschränkungen, zumindest in Regionen mit hoher Inzidenz" – und zwar für wenige Wochen mit Beginn per sofort. Also möglichst ab heute.

Prof. Michael Hallek sagte dazu am Sonntagabend bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE:

(...) Sie müssen überall dort besonders schnell und besonders umfassend sein, wo die Inzidenzen und die Krankenhauszahlen sehr sehr schlecht sind, also im Südosten der Bundesrepublik.

Prof. Michael Hallek, Mitglied der Leopoldina und Direktor der Inneren Medizin an der Uniklinik in Köln

In anderen Regionen, wo Inzidenzen nicht ganz so hoch und Krankenhäuser noch nicht überlastet sind, könne man "mit anderen Maßnahmen, wie etwa 2G" arbeiten. Für ganz Deutschland gelte, man müsse jetzt etwas tun, um den "weiteren Anstieg der Fallzahlen dringend zu verhindern".

Wir als Wissenschaftler können nur sagen, was sinnvoll wäre. In einer Pandemie wie dieser mit der krisenhaften Situation jetzt im Moment muss vor allem schnell entschieden werden. Schnelligkeit ist besser als Perfektion. Deshalb muss die Politik Wege finden, wie sie schnell und entschlossen reagiert.

Aus der Politik in Sachsen-Anhalt kamen dazu verhaltene Reaktionen. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte am Sonntag mit Blick auf diese Leopoldina-Empfehlung:

Unsere Eindämmungsverordnung gilt erst seit vergangenem Mittwoch. Wenn unsere Maßnahmen wie 3G am Arbeitsplatz und 2G zum Beispiel in Restaurants nicht ausreichen, müssen wir uns im Kabinett auf weitere Schritte verständigen.

Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) zur Stellungnahme der Leopoldina

Dazu muss man wissen, dass die Hospitalisierungsrate in Sachsen-Anhalt bereits seit Anfang November mehr als neun beträgt und zeitweise bereits bei 12 und 13 lag (im Moment sind es 11,96). Ab einem Wert von neun gelten laut der letzten Bund-Länder-Beschlüsse auch Kontaktbeschränkungen als legitimes Mittel.

Haseloff: Bundesweiter Lockdown rechtlich nicht möglich

Einem Lockdown – also einem Schritt, der noch weit über Kontaktbeschränkungen hinaus ginge – erteilte zuvor Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (€) eine Absage und begründete das mit rechtlichen Bedenken:

Egal ob ein bundesweiter Lockdown helfen würde – er ist rechtlich derzeit gar nicht möglich. Die Ampelmehrheit hat die 'Epidemische Notlage von nationaler Tragweite' auslaufen lassen, das heißt: Aus Sicht der Ampel gibt es keine Pandemie mehr, die solche Maßnahmen erlaubt. Das können wir bedauern, müssen es aber hinnehmen.

Ministerpräsident Reiner Haseloff im Interview mit dem "Spiegel"

Haseloff sprach sich in dem Interview zugleich dafür aus, die bislang für die zweite Dezemberwoche anberaumte Ministerpräsidentenkonferenz vorzuziehen. Im Bund ist darüber längst eine Debatte im Gang – mit gegenseitigen Schuldzuweisungen innerhalb der Politik, wer wann zu wenig getan habe beziehunsweise tut, um die vierte Welle zu bremsen. Diese vierte Welle ist ebenfalls weiter voll im Gang: Das RKI hat am Montagmorgen wieder einen neuen Höchststand bei der 7-Tage-Inzidenz für ganz Deutschland gemeldet, mit nun 452,4.

Soweit unser wichtigstes Thema am Montagmorgen – das uns diese Woche aller Voraussicht nach weiter beschäftigen wird.

  • Dabei lege ich Ihnen in unserem Lese-Tipp gleich noch den Kommentar meines Kollegen Uli Wittstock zur Corona-Lage ans Herz: "(...) nicht mal in Sachsen-Anhalt gibt es ein einheitliches Vorgehen"
  • Außerdem: In Sachsen-Anhalt haben die Grünen eine neue Doppelspitze gewählt: Mit Madeleine Linke und Dennis Helmich. Unser Video zur Wahl vom Wochenende.
  • Und lesen Sie hier, was heute noch wichtig wird: Der Bahnknoten Halle ist endlich frei und in Magdeburg rollen die Straßenbahnen nun auch im Norden der Stadt, also ganz neu nämlich im Stadtteil Kannenstieg.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Das Video des Morgens- ist die Zeichnung eines Monitors mit einem Start-Button zu sehen.
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Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Video: Neue Grünen-Spitze in Sachsen-Anhalt gewählt

Die Grünen in Sachsen-Anhalt haben mit ihrer neuen Parteispitze im Land ein Zeichen für Erneuerung gesetzt: Die 29-jährige Madeleine Linke und der 30-jährige Dennis Helmich wurden zu den neuen Vorsitzenden gewählt. So jung präsentiert sich selten eine Parteispitze (nicht nur in Sachsen-Anhalt). Susann Sziborra-Seidlitz und Sebastian Striegel, die bisher den Landes-Grünen vorstanden, haben ihre Posten abgegeben. Striegel: "Ich bin froh, dass ein Landesvorstand gewählt wurde, in dem junge Leute den Ton angeben können."


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -#MDRklärt, Schlauer in einer Minute- ist die Zeichnung eines Luftstoßes zu sehen, der aus einem gezeichneten Kopf ausstößt.
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Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

#MDRklärt: Bundesminister aus Sachsen-Anhalt

Aus Sachsen-Anhalt soll die Grüne Steffi Lemke ins Kabinett der neuen Ampel-Regierung wechseln. Bei mdrklärt haben meine Kollegen mal zurückgeschaut, wer seit 1990 als Bundesminister oder Bundesministerin aus Sachsen-Anhalt kam. Und, tja, viele waren das nicht.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Die Medienschau- ist die Zeichnung einer Tageszeitung zu sehen.
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Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Medienschau: Was andere schreiben

  • "Geschäft im Gastgewerbe bricht ein" – die Volksstimme beschäftigt (€) sich mit den Auswirkungen der Corona-Lage bei den Gastronomen und Hotels. Die haben es demnach mit einer massiven Stornierungswelle zu tun.
  • "Akten platzen aus allen Nähten" – die Mitteldeutsche Zeitung schaut sich auf der Titel-Seite ihrer Print-Ausgabe den Stand bei den Ermittlungen zu Drogendeals an. Reporter Jan Schumann blickt dazu auf die Ermittlungen, die durch die Auswertung abgefangener Handychats möglich geworden sind.
  • "Niemand will anderen den Tod bringen, aber viele riskieren genau das" – das oben schon angesprochene Spiegel-Interview (€) mit Ministerpräsident Haseloff hier auch der Vollständigkeit halber in unserer Presseschau. Haseloff sagt darin auch: "Viele Menschen in unserem Land sind viel zu sorglos."


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Tipp am Morgen- ist die Zeichnung eines Fingers zu sehen, der auf ein Smartphone zeigt.
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Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Tipp – Kommentar zur Corona-Lage: "(...) nicht mal in Sachsen-Anhalt gibt es ein einheitliches Vorgehen"

An dieser Stelle möchte ich Ihnen den Kommentar meines Kollegen Uli Wittstock ans Herz legen, der die widersprüchliche Politik in dieser akuten Krise beleuchtet. Die Corona-Pandemie ist mit einer Wucht zurück, wie man sie sich im vergangenen Winter kaum hätte ausmalen können. Die Landesregierung hätte mehr zur Prävention machen können, findet Uli.

Sachsen-Anhalt aber hatte bereits einen neuen Landtag gewählt, sodass hier die Umsetzung von Corona-Maßnahmen deutlicher hätte ausfallen können. Doch stattdessen blieb die Landesregierung hinter den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz zurück.

Auch dass die sich formierende Ampel-Koalition nicht aus dem Knick kommt, kritisiert Uli. "Die Ampelkoalition ist bislang jedoch den Beweis schuldig geblieben, mit einer neuen Coronapolitik angemessener auf die Situation zu reagieren." Keine Sorge, auch jeder Einzelne bekommt sein Fett weg. Lesen Sie hier den ganzen Kommentar:

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Was außerdem wichtig wird- ist die Zeichnung einer Person zu sehen, die durch ein Fernglas sieht.
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Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Was heute außerdem wichtig wird

  • 🚋 In Magdeburg sind heute neue Trassen bei den Straßenbahnen regulär ins Linien-Netz aufgenommen, nämlich eine Route durch den Stadtteil Kannenstieg im Norden, und in Buckau im Süden. Hier alles, was Sie dazu heute wissen müssen:

  • 🚅 Nach fast einem Jahr Bauzeit sind ab heute wieder Züge auf der Strecke zwischen Halle und der Lutherstadt Eisleben unterwegs. Auch das neue Stellwerk in Angersdorf geht in Betrieb. Der Bahnknoten Halle ist wieder freigegeben.

  • 💉 In Dessau-Roßlau soll heute ein neues Impfzentrum in der Innenstadt eröffnet werden, und zwar beim Amt für Brand- und Katastrophenschutz und Rettungsdienst. Die Impfzentren waren ja landes- (und bundesweit) Ende September geschlossen worden.

  • 📌 Um 11 Uhr wird das Chanukkalicht am Gemeindehaus der Synagogengemeinde in Magdeburg entzündet. Daran nehmen unter anderem Landtagspräsident Gunnar Schellenberger, Bildungsministerin Eva Feußner und Innenministerin Tamara Zieschang (beide CDU) teil.

  • ⛔ Abgesagt: Verleihung des 12. Integrationspreises 2021 des Landes Sachsen-Anhalt – das teilte das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung mit Verweis auf die Corona-Lage mit.

Ich hoffe, Sie sind gut in den Montag gestartet und wünsche Ihnen viel Erfolg bei allem, was Sie anpacken. Bleiben Sie zuversichtlich und wenn Sie mögen, dann gern auf Wiederlesen morgen früh!

Über Themen aus "Sachsen-Anhalt am Morgen" berichtet MDR SACHSEN-ANHALT... ...im Hörfunk | MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | ab 05:00 Uhr
...im Fernsehen | MDR um 11 | 11:00 Uhr
...im Fernsehen | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19:00 Uhr

Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT, mit Material von dpa

1 Kommentar

Warum nicht vor 7 Wochen

Was Haseloff hier treibt, ist das für ihn anscheinend üblich gewordene Schwarzer Peter-Spiel mit dem Bund - Hauptsache, sich aus der Verantwortung zu stehlen. So wird das mit der Pandemiebekämpfung nie was.

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