04.11.2021 | Sachsen-Anhalt am Morgen Lehrermangel: Bildungsministerium sieht keine schnelle Entspannung

Cornelia Winkler
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Demonstration gegen Lehrermangel
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Knapp anderthalb Monate ist die neue Landesregierung bei der Arbeit. Mit dabei auch die neue Bildungsministerin Eva Feußner. Doch die Probleme bleiben die alten: So muss sich Feußner mit einem enormen Lehrermangel herumschlagen. Wie ihr Ministerium die Lage einschätzt und was es unternehmen will, darum geht es heute in unserem Top-Thema. Und wir schauen zur Müll-Deponie nach Roitzsch, gegen deren Betrieb Bürgerinitiativen seit Jahren kämpfen. Ich bin Cornelia Winkler – und hier kommt Ihr Morgen-Update.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Thema des Morgens- ist die Zeichnung einer Kaffeetasse zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Lehrermangel bleibt akut

Seit Jahren kämpft Sachsen-Anhalt mit einem enormen Lehrermangel. Daran hat sich trotz Bemühungen um Quer- und Seiteneinsteiger und zahlreichen Ausschreibungen nicht viel geändert.

Besonders hart trifft der Lehrermangel die Sekundarschulen im Land. Die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva Gerth, sagte, dort gebe es 90 Prozent Unterrichtsversorgung. Die sogenannte Unterrichtsversorgung gibt an, wie viel Prozent der laut Lehrplan vorgeschriebenen Stunden tatsächlich von Lehrerinnen und Lehrern abgehalten wurden. Sprich: Bei 100 Prozent wäre für jede benötigte Stunde auch eine Lehrkraft da.

Sekundarschule: Jede zehnte Stunde fällt aus

An den Sekundarschulen fällt somit eine Unterrichtsstunde von zehn aus. "Das ist schon sehr, sehr viel", sagte Gerth und ergänzt: "Im Übrigen ist es ja auch in einem solchen System wie Schule so, dass wir immer Kolleginnen und Kollegen haben, die krank oder in Elternzeit sind. Und die müsste so ein System eigentlich auch auffangen." Somit würden 100 Prozent Unterrichtsversorgung gar nicht ausreichen. Man brauche noch etwas mehr.  

Herumschlagen muss sich mit diesem Problem seit knapp anderthalb Monaten die neue Bildungsministerin Eva Feußner. Die CDU-Politikerin hatte das Amt mit dem Wechsel der Landesregierung von Marco Tullner übernommen. Als ehemalige Bildungsstaatssekretärin kennt sie die Probleme. So gingen bei der jüngsten Ausschreibung für neue Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt nicht einmal halb so viele Bewerbungen ein, wie Stellen ausgeschrieben waren. Mit einer sich schnell entspannenden Lage rechnet sie deswegen nicht.

Arbeitszeitkonten sollen eingeführt werden

Um dem Lehrermangel zu begegnen, setzt sich die Ministerin nun für sogenannte Arbeitszeitkonten ein. Darüber rede man schon lange, so Feußner. In der Vergangenheit konnte sich die Landesregierung dazu aber nicht durchringen. Jetzt sei es auch Bestandteil des Koalitionsvertrages: "Ich bin da sehr hoffnungsvoll, da wir das aufgenommen haben, dass wir das jetzt auch in nächster Zeit in Angriff nehmen können."

Die Arbeitszeitkonten gäben Lehrkräften die Möglichkeit, ihre durch den Personalmangel angesammelten Überstunden auch irgendwann abzugelten. Gewerkschafts-Chefin Gerth erklärte: "Wir arbeiten jetzt mehr – das ist übrigens ein Entgegenkommen von Seiten der Gewerkschaften, die damit also auch eine höhere Arbeitszeit unterschreiben würden."

Eva Gerth
Eva Gerth, GEW-Chefin Bildrechte: imago images/Christian Schroed

Die Kolleginnen und Kollegen hätten dann die Möglichkeit, dieses Arbeitszeitkonto auch in ihrem Sinne abzugelten – also früher in Rente zu gehen oder sich ein Sabbatjahr zu gönnen oder, wenn die Kinder in die Schule kommen, einfach ein bisschen weniger zu arbeiten.

Unterrichtsversorgung im letzten Schuljahr bei 96 Prozent

Wie hoch die Unterrichtsversorgung übrigens in diesem Schuljahr genau aussieht, ist noch nicht ganz klar. Feußner zufolge lag die Unterrichtsversorgung im letzten Jahr bei ungefähr 96 Prozent. Das werde man in diesem Schuljahr wahrscheinlich nicht ganz erreichen. Genaue Zahlen soll es ab Ende Dezember geben. Diese soll dann zuerst das Parlament bekommen, so ist es per Beschluss abgemacht. Hier wartet man schon sehnlichst – das Thema Lehrermangel steht schon heute auf der Tagesordnung des Bildungsausschusses.


Soweit unser Top-Thema. Außerdem widmet sich der Stadtrat in Magdeburg heute den Mehrkosten für den Ersatzneubau der Strombrücke, die von 120 Mio. Euro auf 180 Mio. Euro gestiegen sind, und wir erklären, warum Sie bei Paketankündigung per SMS vorsichtig sein sollten. Doch zuerst schauen wir nach Roitzsch im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Dort geht es um den Betrieb einer Müll-Deponie.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Das Video des Morgens- ist die Zeichnung eines Monitors mit einem Start-Button zu sehen.
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Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Video des Morgens: Müll-Deponie Roitzsch – neues Gutachten lässt Bürgerinitiativen hoffen

Seit Jahren kämpfen Bürgerinitiativen gegen den Betrieb der Müll-Deponie bei Roitzsch im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Die Sorge um Umweltverschmutzung, den Wert ihrer Grundstücke und ums Grundwasser treibt sie an. Letzteres bestätigt nun ein neues Gutachten. Demzufolge gefährdet die Deponie das Grundwasser durch Schadstoffe. Nun sieht auch die Stadt Sandersdorf-Brehna Handlungsbedarf und fordert den Stopp der Deponie.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -#MDRklärt, Schlauer in einer Minute- ist die Zeichnung eines Luftstoßes zu sehen, der aus einem gezeichneten Kopf ausstößt.
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Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

#MDRklärt: Serie "Squid Game" – Bedrohung oder Chance?

Die Serie "Squid Game" ist zur Zeit der Renner – auch bei Kindern, obwohl sie erst ab 16 Jahren freigegeben ist (gestern Top-Thema im Morgen-Update). In der Serie treten verschuldete Erwachsene in Kinderspielen gegeneinander an, um viel Geld zu gewinnen. Wer verliert, wird getötet. Auch beim Nachahmen auf den Schulhöfen hat das Verlieren harte Konsequenzen: Unterlegene Kinder werden zum Beispiel geohrfeigt. Meine #MDRklärt-Kollegen zeigen, warum Eltern und Lehrkräfte die Serie trotzdem nicht verteufeln sollten.

#MDRklärt Darum sollten Eltern und Lehrer die Serie "Squid Game" als Chance sehen

Darum sollten Eltern und Lehrer die Serie "Squid Game" als Chance sehen
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Darum sollten Eltern und Lehrer die Serie "Squid Game" als Chance sehen
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"Wenn Kinder Gewalt in einer Serie sehen, sind sie vom Geschehen emotional weit entfernt, weil sie keine Auswirkungen spüren und ihnen das nötige Abstraktionsvermögen fehlt. Diese Distanz nehmen sie mit in die Realität." Professor Hans-Henning Flechtner, Leiter der Magdeburger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
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Für Eltern und Lehrer*innen heißt das:  Zu allererst: Die Serie sollte, wie andere nicht jugendfreie Medieninhalte, jüngeren Kindern nicht zugänglich sein. Wichtig ist, dass die Kinder verstehen, wieso die Serie erst ab 16 Jahren freigegeben ist und wieso diese Regelung konsequent umgesetzt wird.
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Dennoch sollte die Serie Schüler*innen gegenüber nicht verteufelt werden. Erwachsene sollten sich interessiert zeigen und fragen, weshalb die Serie so spannend für Kinder ist.
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Denn Verbote können kontraproduktiv sein. Wenn Kinder die Serie unbedingt sehen möchten, finden sie eine heimliche Lösung. Besser wäre es, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern schauen (und ggf. vorzeitig abbrechen), um die Handlung anschließend zu besprechen.
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Bei Jugendlichen, die das Freigabe-Alter von 16 Jahren fast erreicht haben, kann es ebenfalls sinnvoll sein, die Serie gemeinsam zu schauen.
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Erwachsene sollten ein Korrektiv sein und dann eingreifen, wenn Grenzen überschritten werden. Sie sollten die Kinder danach fragen, wie sie mit dem Thema in Kontakt gekommen sind.
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Falls die Spiele auf dem Schulhof nachgespielt werden, sollten die Kinder ein faires Spiel ohne körperliche Gewalt oder Bestrafung daraus machen. Auch ein themenbezogener Elternabend kann helfen. Dort sollte ein Bewusstsein für das Problem geschaffen werden.
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Insgesamt bietet die Serie Anlass zum Auseinandersetzen mit gesellschaftlichen Ungleichheiten. Die Fragen nach Moral und Ethik können für spannende Diskussionen über Regeln menschlichen Zusammenlebens sein.
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Medienpädagoge Jörg Kratzsch warnt vor einer allgemeinen Hysterie bei Eltern und Pädagogen: "Nicht jedes Kind, das die Serie sieht, wird automatisch zum Gewalttäter." Psychiater Hans-Henning Flechtner zufolge besteht die Gefahr, dass jemand Aggressionen entwickelt, eher bei denjenigen, die auch im Alltag Frustration und Gewalt erleben.
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir am 3. November 2021 | 06:30 Uhr
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Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Medienschau: Was andere schreiben

  • "Vier Tote nach Covid-Ausbruch in Pflegeheim (€)" – die Volksstimme macht heute den Corona-Ausbruch in einem Altenheim im Raum Salzwedel zu ihrem Aufmacher und diskutiert eine Impfpflicht für Pflegeberufe. Der Zeitung zufolge gibt es landesweit derzeit Ausbrüche in 38 Einrichtungen.
  • "Risiko durch Pflegekräfte? (€)" – das fragt sich heute auch die Mitteldeutsche Zeitung. Laut Bericht weiß das Land nicht, wie viele Pflegekräfte geimpft sind. Als alternativen Weg zum besseren Schutz der Heimbewohner spricht das Blatt von einer Verschärfung der Testpflicht.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Tipp am Morgen- ist die Zeichnung eines Fingers zu sehen, der auf ein Smartphone zeigt.
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Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Tipp: Paketankündigung per SMS – warum man aufpassen sollte

Vielleicht haben Sie auch schon so eine mysteriöse Kurznachricht auf Ihrem Handy gehabt: die Ankündigung einer angeblichen Postsendung, obwohl Sie doch gar kein Paket erwarten. Da kann man schon mal misstrauisch werden. Und das sollte man in dem Fall auch: Solche SMS, die zurzeit auf vielen Handys ankommen, haben das Ziel, Schadsoftware auf dem Gerät zu installieren. Die Verbraucherzentrale warnt deshalb dringend davor, auf den angegebenen Link zu klicken.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Was außerdem wichtig wird- ist die Zeichnung einer Person zu sehen, die durch ein Fernglas sieht.
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Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Was heute außerdem wichtig wird

  • 💵 Der Stadtrat in Magdeburg muss heute über Mehrkosten für den Ersatzneubau der Strombrücke entscheiden. Wegen Verzögerungen bei der Vergabe wird das Großbauprojekt viel teurer als geplant. Ursprünglich sollte der Bau 120 Millionen Euro kosten, mittlerweile rechnet die Stadtverwaltung mit 180 Millionen Euro. Finanziert wird das größtenteils mit Fördermitteln.


  • 📢 Die Stadt Dessau-Roßlau will angesichts der steigenden Corona-Zahlen schärfere Corona-Regeln verkünden, die ab Freitag gelten sollen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt laut Gesundheitsamt bei 145. Insgesamt werden 14 Patienten aktuell im Städtischen Klinikum behandelt. Gestern sind zwei Intensivpatienten gestorben. In den Tagen zuvor gab es zwei weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus.
  • 🏦 Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle eröffnet am Abend offiziell den letzten Teil seiner Dauerausstellung. Besucher können ab Freitag in vier neuen Abschnitten archäologische Funde aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit sehen. Die Dauerausstellung setzt rund 400.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Szene – nun ist sie vervollständigt.
  • ⚖ Am Landgericht Halle beginnt ein Prozess gegen vier junge Männer wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags. Den Angeklagten wird vorgeworfen, im Mai vergangenen Jahres einen Mann an einer Straßenbahnhaltestelle mit Tritten und Schlägen gegen den Kopf lebensgefährlich verletzt zu haben.

Soweit unser Überblick am Morgen. Zum Schluss habe ich noch eine Nachricht zum Piepen für Sie: Halles beliebtes Uhu-Paar soll eine Livecam bekommen. Das berichtet die Bild-Zeitung. Die geschützten Vögel hatten sich demnach im April in einem der für Turmfalken vorgesehenen Brutkästen in den Türmen der Marktkirche niedergelassen. Seitdem sind sie ein beliebtes Fotomotiv.

Kommen Sie gut durch den Donnerstag! Ich freue mich, wenn Sie auch morgen wieder reinlesen.

Über Themen aus "Sachsen-Anhalt am Morgen" berichtet MDR SACHSEN-ANHALT... ...im Hörfunk | MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | ab 05:00 Uhr
...im Fernsehen | MDR um 11 | 11:00 Uhr
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Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT

5 Kommentare

Altlehrer vor 10 Wochen

Das Grundproblem ist tiefliegender. Nach üblichen Einstufungsregeln wird der härtere Job des Sekundarschullehrers schlechter bezahlt als der leichtere Beruf des Lehrers am Gymnasium. Ich spreche hier aus eigener langjähriger Erfahrung. Deshalb gibt es für freie Stellen an Gymnasien oft mehrere Bewerber und keine für Sekundarschulen. Angehende Lehrerstudenten entscheiden sich meist sofort für die Ausbildung zu Gymnasiallehrern.

pwsksk vor 10 Wochen

Mehrere Klassen? Damit trennen sie schon in den Schulen "die Spreu vom Weizen". Wer mitkommt hat Glück? Das ist für mich als Ingenieur nicht nachvollziehbar und für die Lehrer auch nicht machbar. Damit hätten sie "Vorkriegsniveau".

maheba vor 10 Wochen

Die richtige Gehaltsgruppe und entsprechende Bezahlung und schon wird das Problem gelöst. Hierzulande ausgebildet und dann abgewandert - woanders wird besser bezahlt.

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