14.12.2021 | Sachsen-Anhalt am Morgen Corona: Landtag bereitet schärfere Maßnahmen vor

Julia Heundorf
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Sachsen-Anhalt am Dienstagmorgen: Zahlreiche Menschen sind in den vergangenen Wochen positiv auf Corona getestet und vergleichsweise viele Menschen mit Covid-19 ins Krankenhaus aufgenommen worden. Der Landtag von Sachsen-Anhalt will deshalb eine epidemische Lage feststellen. Das wäre die Grundlage für neue Corona-Verordnungen. Mehr dazu erfahren Sie nun von mir, Julia Heundorf. Guten Morgen!


Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Die Corona-Lage und eine "epidemische Lage"

Die letzten drei Sitzungen des Landtags in diesem Jahr beginnen an diesem Dienstag. Eines der großen Themen ist natürlich die Corona-Pandemie.

Während die deutschlandweite Inzidenz am Morgen bei 375 liegt, haben sich in Sachsen-Anhalt in den vergangenen sieben Tagen 816,7 Menschen pro 100.000 Einwohner nachweislich mit dem Virus infiziert.

Auch innerhalb des Landes ist das Infektionsgeschehen regional sehr unterschiedlich: Im Landkreis Börde beträgt der Inzidenzwert 1.472,1, im Landkreis Stendal 489,7.

Gleichzeitig ist die Impfquote im Land vergleichsweise niedrig. 66,1 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt sind mindestens zweimal geimpft worden. Das ist nicht die schlechteste Quote im Ländervergleich, aber sie ist nach Einschätzung aller namhaften Expertinnen und Experten trotzdem zu niedrig, um die Pandemie einzudämmen.

Und: Die Hospitalisierungsrate ist mit 8,67 vergleichsweise hoch – knapp neun Menschen pro 100.000 Einwohner sind also in den vergangenen sieben Tagen wegen Corona ins Krankenhaus eingeliefert worden.

161 Personen liegen aktuell wegen Corona auf der Intensivstation und 94 von ihnen müssen beatmet werden. Nicht einmal zwei Intensivbetten sind pro Krankenhaus-Standort in Sachsen-Anhalt derzeit durchschnittlich verfügbar.

Landtag will epidemische Lage beschließen

Nun will die Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP in der ersten von drei Sitzungen des Parlaments eine epidemische Lage feststellen. Wird diese beschlossen, bekommt die Regierung dadurch die Möglichkeit, weitere Corona-Maßnahmen einzuführen, zum Beispiel Schließungen von Kinos, Theatern, Diskos und Gastronomiebetrieben anzuordnen.

#MDRklärt Das steckt hinter der "epidemischen Lage"

In Sachsen-Anhalt hat die "epidemische Lage" die "epidemische Notlage von nationaler Tragweite" abgelöst. Warum das so ist, zeigt #MDRklärt.

In den vergangenen Monaten galt eine "epidemische Lage von nationaler Tragweite". Sie wurde vom Bundestag festgestellt (auf Basis der Einschätzung des Robert Koch-Instituts) und galt für alle Bundesländer.
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In den vergangenen Monaten galt eine "epidemische Lage von nationaler Tragweite". Sie wurde vom Bundestag festgestellt (auf Basis der Einschätzung des Robert Koch-Instituts) und galt für alle Bundesländer.
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Diese Lage war Voraussetzung für die einzelnen Bundesländer, um Corona-Einschränkungen zu beschließen. In Sachsen-Anhalt ist das vom Infektionsschutzgesetz geregelt.
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Da im November die "epidemische Lage von nationaler Tragweite" abgelaufen ist und nicht verlängert wurde, fehlte den Ländern die rechtliche Grundlage für Corona-Einschränkungen.
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Deshalb sieht das Infektionsschutzgesetzvor:  Auch wenn die "epidemische Lage von nationaler Tragweite" beendet ist, gelten die Corona-Einschränkungen, wenn in Sachsen-Anhalt noch immer eine  "epidemische Lage" herrscht.
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. Dezember 2021 | 19:00 Uhr Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Auch aus der Opposition im Landtag wollen zwei Fraktionen dem Vorhaben zustimmen, nämlich die Linken und die Grünen. Die AfD ist dagegen.

Bis zum 25. November 2021 hatte diese Lage bundesweit gegolten. Seitdem sind die Länder wieder zuständig. Sachsen hatte die epidemische Notlage in der vergangenen Woche erneut festgestellt.

Polizisten laufen vor einer Menschenansamlung her die durch die Innenstadt der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt zieht
Allein in Magdeburg gingen rund 3.500 Menschen auf die Straße. Bildrechte: dpa

Corona-Proteste am Montagabend Erst gestern Abend sind in Sachsen-Anhalt wieder Menschen gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gegangen. In Magdeburg zählte die Polizei etwa 3.500 Teilnehmer, in Halberstadt waren es 1.500 Menschen, in Wittenberg mehr als 1.300 und in Halle rund 750. Demonstrationen und Kundgebungen fanden unter anderem auch in Aschersleben, Weißenfels, Zeitz, Stendal und Dessau statt. Die Polizei teilte mit, dass Aktionen weitgehend störungsfrei geblieben seien. Mindestabstände und Maskenpflicht wurden aber nicht eingehalten.

Ansammlungsverbot an Silvester geplant

Laut SPD-Fraktionschefin Katja Pähle soll die epidemische Lage zwar erstmal nur ein "Vorsorgebeschluss" sein, zwei Maßnahmen sind aber doch schon geplant: Einschränkungen für den Diskobetrieb und ein Ansammlungsverbot für Silvester. FDP-Fraktionsvorsitzender Andreas Silbersack sagte, einen Gesamtlockdown wolle man nicht.

Was im Landtag außerdem (wieder) auf der Tagesordnung steht: der Nachtragshaushalt. Über den wurde bereits viel beraten, er wurde angepasst, aber noch nicht beschlossen. Er enthält das "Corona-Sondervermögen" – Geld, mit dem die Folgen der Pandemie zumindest zum Teil bezahlt werden sollen. Das wären knapp zwei Milliarden Euro. Und: Der Lehrermangel wird Thema im Plenarsaal sein.

Was im Landtag besprochen und beschlossen wird, erfahren Sie im Laufe des Tages und der Woche auf unserer Seite und in der neuen MDR AKTUELL-App.

Auch auf Bundesebene hat die Politik vergangene Woche bei Corona nachgeschärft: Mit Änderungen des Infektionsschutzgesetzes war unter anderem eine Impfpflicht für bestimmte Berufe beschlossen worden.

Mehr dazu sehen Sie im Video.


Gestern war der Starttag für Kinderimpfungen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte die Impfung für Kinder unter zwölf Jahren empfohlen, wenn sie besonders vom Coronavirus gefährdet sind. Der speziell für Kinder dosierte Biontech-Impfstoff wurde gestern zum ersten Mal ausgeliefert. Mehr dazu erfahren Sie im aktuellen #MDRklärt. Im Video des Morgens geht es ebenfalls um Kinder: Neue Regeln für Kitas werden als praxisfern kritisiert. Außerdem erfahren Sie, was die Zeitungen im Land an diesem Morgen berichten und was heute sonst noch wichtig wird.

Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Video des Morgens: Kritik an neuen Corona-Regeln für Kitas

Am Montag mussten Kitas erstmals neue Regeln umsetzen, um Corona-Ausbrüche zu vermeiden: Kohorten bilden, 3G für Eltern und Tests für Kinder mit laufender Nase. Eltern und Kitas kritisieren die neuen Regeln als praxisfern.


Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

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#MDRklärt: Kinderimpfung – Fragen und Antworten

Die Kinderimpfung von Biontech: Im Prinzip wirkt der Impfstoff wie der Erwachsenen-Impfstoff, aber die Dosierung ist anders. Warum Kinderimpfungen sinnvoll sein können und wie viele Dosen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bisher verfügbar sind, erfahren Sie im aktuellen #MDRklärt. #MDRklärt finden Sie auch bei Instagram.

#MDRklärt Fünf Fragen zum Kinderimpfstoff

5 Fragen zum Kinderimpfstoff
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5 Fragen zum Kinderimpfstoff
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1. Ist der Impfstoff sicher?  Der Impfstoff für Kinder ist genauso sicher wie der für Erwachsene und deshalb durch die Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. "In klinischen Studien werden die Impfstoffe getestet. Nur wenn die Studienergebnisse zeigen, dass keine schweren Nebenwirkungen zu erwarten sind und der Impfstoff die erwartete Wirksamkeit zeigt, geht er ins Zulassungsverfahren bei der EMA."
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2. Warum sollten Kinder geimpft werden, obwohl sie meist leichte Verläufe haben? Ein schwerer Krankheitsverlauf ist selten, aber nicht ausgeschlossen. Covid kann bei Kindern zu Entzündungen an Organen führen, sodass die Kinder auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Auch Long-Covid-Fälle sind möglich. Laut einer Studie aus Südafrika waren Kinder anfälliger gegen die neue Omikron-Variante als gegen vergangene Varianten.
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3. Welche Kinder sollten geimpft werden? Die Ständige Impfkommission hat Corona-Schutzimpfungen für Fünf- bis Elfjährige empfohlen, wenn:  bestimmte Vorerkrankungen das Risiko eines schweren Verlaufs erhöhen. im Umfeld der Kinder Risikopatienten leben, die sich selbst nicht durch Impfungen schützen können. dies der Wunsch der Eltern ist. Von einer Impfempfehlung für gesunde Kinder wurde bislang aber abgesehen. Das Risiko von seltenen Nebenwirkungen könne aufgrund der eingeschränkten Datenlage derzeit nicht eingeschätzt werden.
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4. Wo wird geimpft? Sachsen: Bei etwa 100 Kinderärzten und in elf Krankenhäusern, geplant sind zudem Impfmöglichkeiten an zentralen Orten Thüringen: Bei Kinder-, Jugend-, und Hausärzten, bis zum 23. Dezember nachmittags im Impfzentrum in Gera sowie in den Impfstellen Erfurt (Katholisches Krankenhaus), Sömmerda und Leinefelde,  Jena will ein zweites kommunales Impfzentrum speziell für Kinder im Volkshaus eröffnen, Ab dem 27. Dezember bei allen Impfstellen des Landes  Sachsen-Anhalt: Bei 87 Kinderärzten, Landkreise und kreisfreien Städte organisieren zusätzlich Impfangebote
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5. Wie viel Impstoff gibt es? Sachsen: 20.000 Impfdosen zu Dezember bestellt // Thüringen: will für Dezember und Januar 121.000 Impfdosen bestellen // Sachsen-Anhalt: 20.000 Impfdosen zu Dezember bestellt
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Dezember 2021 | 05:00 Uhr Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Medienschau: Was andere schreiben

  • "Zahl der Toten auffällig hoch" – Das ist die heutige Schlagzeile bei der Mitteldeutschen Zeitung. Die MZ wertet Daten des Statistischen Landesamt aus, die zeigen, dass mehr Menschen in Sachsen-Anhalt sterben als vor der Pandemie – und zeigt auf zwei Landkreise, in denen die sogenannte Übersterblichkeit besonders hoch ist. Der Artikel ist kostenpflichtig auch im Internet verfügbar.
  • "Feuerwehr löscht mit Uralt-Technik" – Das schreibt die Volksstimme auf Seite eins. Der Artikel zeigt, wie alt etwa Einsatzfahrzeuge in vielen Teilen des Landes sind und was die Feuerwehrleute darüber denken.


Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Tipp: Rechtliche Hürden der Impfpflicht

Für Menschen in medizinischen Berufen ist die Impfpflicht beschlossene Sache: Ab März 2022 müssen bestimmte Berufsgruppen geimpft sein. Bei Corona-Protesten, wie sie auch gestern wieder stattgefunden haben, ist Impfpflicht ein zentrales Thema. Impfen und eine Impfpflicht lehnen die Demonstrierenden ab. MDR WISSEN hat Hintergründe zur Rechtslage einer Impfpflicht.

Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Was heute außerdem wichtig wird

  • 🚗 Die Autobahnmeistereien im Land informieren heute in einer Pressekonferenz über den Stand der Dinge beim Winterdienst.
  • ⚒ Die Handwerkskammern Halle und Magdeburg geben die Siegerinnen und Sieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks bekannt.
  • 💣 In Halle wird eine Bombe entschärft. Es ist bereits die 17., die auf der Baustelle des zukünftigen Fußballnachwuchszentrums in Halle-Silberhöhe gefunden wurde.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Dienstag. Alle weiteren Entwicklungen und Informationen finden Sie hier sowie bei Facebook, Instagram und auf Twitter. Bis morgen!

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Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

21 Kommentare

Artwin vor 34 Wochen

ElBuffo
"Aber natürlich ohne Westgeld, von dem sich dann die benötigten Medikamente besorgt werden können."

Richtig, wir sollten jeden Tag zu Gott beten, dass uns China, Indien, usw., unser frisch gedrucktes Westgeld gegen Medikamente eintauscht.

Shantuma vor 34 Wochen

Das Problem ist bei einer marktorientierten Versorgung ist, dass die Einnahmen auch für "Investoren" verplant werden müssen.
D.h. die Krankenhäuser müssen Profit erarbeiten. Was auch nur bedeutet dass die Krankenhäuser nicht mehr für die Gesundheit da sind, sondern für den Profit.
Das nächste Chaos in diesem Bereich wird uns in der Pflege ereilen. Dort verspricht man den "Investoren" bis zu 30% Rendite. Wo soll die wohl herkommen?

Shantuma vor 34 Wochen

Das Gurt-Beispiel mal wieder .... aber undifferenziert ... wie immer. ElBuffo ist halt in Panik, wie seit 1,5 Jahren.

Der Gurt ist wichtig für den Moment in dem aus der kinetischen Energie potentielle Energie wird.
Wenn Sie aber im Auto sitzen und das Auto steht, dann bringt der Gurt wenig.
Das Gleiche gilt wenn Sie im Auto sitzen und mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Auf diesem Level sind z.B. Kinder.

Ältere 60+ oder Vorerkrankte sind aber mit 90 oder 120 km/h unterwegs. Ja da sollte man ganz dringend einen Gurt anlegen.

Desweiteren haben Sie nicht auf mein Kommentar geantwortet.
Anscheinend meinen auch Sie, dass man sich impfen lassen soll, damit man vor Corona schützen soll, aber weiterhin Angst haben muss die Corona verbreiten.
Also warum haben Sie sich dann überhaupt impfen lassen? Um Angst gegen Angst zu tauschen?

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