Tarifkonflikt Gewerkschaft Verdi setzt Warnstreiks im Einzel- und Versandhandel fort

Vor der vierten Tarifverhandlungsrunde für den Einzel- und Versandhandel in Mitteldeutschland, die in knapp drei Wochen ansteht, will die Gewerkschaft Verdi mit Warnstreiks stärkeren Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Schwerpunkt der Aktionen in Sachsen-Anhalt ist der Norden des Landes.

Mitarbeiter im Berliner und Brandenburger Einzelhandel halten bei einer Veranstaltung der Gewerkschaft Verdi rote Schirme in die Höhe. Verdi hatte zu einem Warnstreik aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert für die Tarifrunde des Einzelhandels in Berlin und Brandenburg unter anderem eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 Prozent plus 45 Euro pro Monat.
Mitarbeiter im Einzel- und Versandhandel streiken mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi für bessere Löhne und Gehälter. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Knapp drei Wochen vor der vierten Tarifverhandlungsrunde für den Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Sachsen-Anteil und Thüringen will die Gewerkschaft Verdi mit Warnstreiks die Arbeitgeber weiter unter Druck setzen. Schwerpunkte der Aktionen lagen am Donnerstag in Haldensleben, Magdeburg, Leipzig, Gera und Erfurt, wie die Gewerkschaft mitteilte.

Streik in Sachsen-Anhalt soll bis Sonnabend gehen

Blick auf das Hermes-Versandzentrum in Haldensleben
Das Hermes-Versandzentrum in Haldensleben wird bestreikt. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

In Sachsen-Anhalt konzentrieren sich die Arbeitskämpfe im Norden des Landes. Seit 5 Uhr wird bei der Otto-Tochter Hermes in Haldensleben gestreikt, nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sollen zwei Kaufland-Filialen in Magdeburg und die Edeka-Center in Schönebeck und Haldensleben folgen. Die Betriebe werden laut Verdi bis Samstag bestreikt.

Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago sagte in diesem Zusammenhang: "Die Beschäftigten wollen endlich einen fairen Abschluss sehen. Im Einzel- und Versandhandel wurden noch nie dagewesene Umsatzsteigerungen erzielt, die Arbeitsdichte hat enorm zugenommen. Die Beschäftigten müssen an dieser Entwicklung beteiligt werden."

Der Verdi-Handelssekretär in Sachsen-Anhalt, Torsten Furgol, äußerte sich ähnlich: "Ohne den enormen Einsatz der Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel hätte die Versorgung in den letzten Monaten nicht so problemlos geklappt. Deswegen erwarten wir endlich eine deutliche Bewegung bei den Tarifangeboten der Arbeitgeber."

Streiks in Sachsen-Anhalt werden nach Sommerferien fortgesetzt

Laut Lauenroth-Mago haben die Arbeitgeber in der dritten Verhandlungsrunde am 28. Juli kein verbessertes Angebot unterbreitet. Eine Steigerung der Löhne und Gehälter um zwei Prozent für dieses Jahr sei "deutlich zu wenig". Nach der Ferienzeit – die Sommerferien im Land enden am 1. September – würden die Streiks bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 13. September weitergehen.

Das ist ein Hammer, wie wenig Wertschätzung die Arbeitgeber ihren Beschäftigten gegenüber zeigen.

Jörg Lauenroth-Mago zu den bisherigen Angeboten der Arbeitgeber

Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago sagte MDR SACHSEN-ANHALT, am Standort Haldensleben hätten mehr als 500 Hermes-Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. "Wer ein Paket bei Otto bestellt hat, das über Haldensleben ausgeliefert wird, muss wohl ein paar Tage länger darauf warten", so Lauenroth-Mago.

Hermes-Betriebsleiter erwartet keine Auswirkungen für die Kunden

Der Streik am Hermes-Versandzentrum in Haldensleben hat nach Einschätzung des Unternehmens hingegen keine Auswirkungen auf die Kunden. Betriebsleiter am Stefan Nießen teilte MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag mit, der Streik treffe das Unternehmen nicht unvorbereitet: "Wir haben im Vorfeld mit Aktivitäten gerechnet." Früh- und Spätschicht seien gut gelaufen. "Die Rückstände bei der Bearbeitung werden wir Anfang kommender Woche aufarbeiten können. Für unsere Kunden bleibt dies glücklicherweise unbemerkt", so Nießen.

Das fordert Verdi in den Verhandlungen

Jörg Lauenroth-Mago
Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago Bildrechte: dpa

Verdi will eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent plus 45 Euro monatlich. Darüber hinaus spricht sich die Gewerkschaft für ein "rentenfestes Mindestentgelt" von 12,50 Euro pro Stunde aus. Der neue Tarifvertrag solle eine verkürzte Laufzeit von zehn Monaten haben, um eine Angleichung an die anderen Bundesländer vollziehen für können. Für Gewerkschaftsmitglieder werden zusätzliche drei freie Tage als sogenannte "Gesundheitstage" gefordert.

So sieht das bisherige Angebot der Arbeitgeber aus

Die Arbeitgeber bieten einen Dreijahresabschluss und für das erste Jahr nach zwei Nullmonaten zwei Prozent, für das zweite Jahr 1,4 Prozent und für das dritte Jahr zwei Prozent. Für Unternehmen, die von der Pandemie besonders betroffen waren, sollen die Erhöhungen je zehn Monate beziehungsweise sechs Monate später gezahlt werden. Das lehnt Verdi ab und sieht dies als größten Konfliktpunkt.

MDR/Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 26. August 2021 | 09:00 Uhr

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