Pandemie-Bekämpfung Impfungen gegen Corona: Wie sich die Landkreise vorbereiten

Ab 27. Dezember soll in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft werden, auch in Sachsen-Anhalt. Sind die Impfzentren der Landkreise bereit? Wann wird die erste Impfstoff-Lieferung erwartet? Ein Überblick.

Mehrere Arztpritschen stehen getrennt durch Wände im Corona-Impfzentrum in Quedlinburg.
Das Corona-Impfzentrum des Landkreises Harz in Quedlinburg ist bereit und wartet auf die erste Impfstoff-Lieferung. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Sachsen-Anhalt bereitet sich auf die ersten Covid-19 Impfungen vor. In allen Landkreisen und den kreisfreien Städten sind Impfzentren eingerichtet worden. Nun warten die Landkreise auf die ersten Impfdosen. Die erste Impfstoff-Lieferung erhält Sachsen-Anhalt voraussichtlich am Samstag, den 26. Dezember. Sie geht zunächst an ein Zentrallager in Magdeburg. In die Landkreise ausgeliefert werden soll dann am 27. Dezember, wobei der Landkreis Harz seine erste Lieferung womöglich schon am 2. Weihnachtsfeiertag erhält, also am 26. Dezember.

Sachsen-Anhalt bekommt in der ersten Lieferung insgesamt 9.750 Impfdosen. Danach sollen wöchentlich weitere Lieferungen kommen. Ende Februar sollen insgesamt 175.000 Dosen geliefert sein. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass sich dadurch die Lage Mitte Februar entspannen könne, vor allem in Altenheimen und Notaufnahmen. Trotzdem dämpfte sie zu große Erwartungen: "Auch im kommenden Jahr werden wir die Pandemie nicht überwunden haben. Wir müssen weiter die AHA-Regeln einhalten, aber möglicherweise können wir dann bei den Kontakteinschränkungen einen anderen Weg einschlagen", sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT am Mittwoch.

Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser zuerst

Geimpft werden soll entsprechend des Impfplans zuerst in Alters- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern. Die Stadt Halle teilt seine erste Lieferung zum Beispiel so auf, dass 70 Prozent in Pflegeeinrichtungen und 30 Prozent an Beschäftigte in den Kliniken gehen.

#MDRklärt Nach diesem Plan wird gegen Corona in Sachsen-Anhalt geimpft

In diesen Stufen wird die Bevölkerung gegen Corona geimpft
Das ist der Plan, in welchen Stufen die Menschen gegen Corona geimpft werden sollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
In diesen Stufen wird die Bevölkerung gegen Corona geimpft
Das ist der Plan, in welchen Stufen die Menschen gegen Corona geimpft werden sollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben.
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben. Bildrechte: MDRklärt
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften.
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften. Bildrechte: MDRklärt
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter.
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter. Bildrechte: MDRklärt
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Impfstoff ist noch rar

Eine Schwierigkeit bei der Organisation des Impfens liegt darin, dass der Impfstoff gerade erst in großer Menge produziert wird und daher noch schwer zu bekommen ist. Er wird in Pulverform und auf Minus 70 Grad heruntergekühlt angeliefert. Vor Ort muss er dann auf 0 Grad "erwärmt" und zu einer Lösung angemischt werden.

Einblick in das fertig eingerichtete Corona-Impfzentrum in Magdeburg.
Im Magdeburger Impfzentrum sollen etwa 100 Helferinnen und Helfer arbeiten. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Schwierig ist auch, dass für intensiv betreute Patienten Angehörige die Einverständniserklärung zur Impfung unterschreiben müssen. Das kostet Zeit. Zudem liegt die Impfbereitschaft in den Einrichtungen derzeit nur bei etwa 50 bis 60 Prozent. Zur Bekämpfung der Pandemie ist die Quote zu niedrig. Die Beteiligten hoffen auf eine höhere Impf-Bereitschaft, wenn die Entwicklung nach einigen Wochen wahrnehmbar wird. Die Impfung bleibt freiwillig.

Die Impfvorbereitungen in Ihrem Landkreis

In den folgenden Boxen erfahren Sie mehr über den aktuellen Stand der Impfvorbereitungen in Ihrem Landkreis.

Altmarkkreis Salzwedel

Impfzentrum in Gardelegen, Nebengebäude der Kreisverwaltung

Zum Stand der Impfvorbereitungen hat der Landkreis auch auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT keine weiteren Informationen mitgeteilt.

Anhalt-Bitterfeld

Impfzentrum in Wolfen, ehemaliges Verwaltungsgebäude der Filmfabrik

Am 27. Dezember sollen laut Landessozialministerium die ersten 705 Impfdosen geliefert, teilte der Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit. Eine weitere Lieferung sei für den 31. Dezember mit ebenfalls 705 Dosen angekündigt. Die Impfdosen müssten innerhalb von je fünf Tagen verbraucht werden. Laut Landkreis sind zwei mobile Impfteams im Einsatz sein, um zunächst Bewohnerinnen und Bewohner sowie Personal in Seniorenpflegeeinrichtungen zu impfen. Auch die drei Krankenhäuser erhielten Impfdosen.

Das Impfzentrum in Wolfen werde voraussichtlich Mitte Januar seine Arbeit aufnehmen können, so der Landkreis. Impfungen werden ausschließlich mit einem Termin möglich sein. Termine sollen laut Sozialministerium dann telefonisch oder online gebucht werden können. Genaueres sei aber noch unklar, so der Landkreis.

Börde

Impfzentrum in Haldensleben, am Waldring neben der Grundschule Erich Kästner

Nach Informationen des Landkreises Börde sollen die ersten 760 Impfdosen am 27. Dezember mittags geliefert werden. Der tiefgekühlte Impfstoff, der als Pulver geliefert wird, müsse dann noch angemischt werden. Nach der Impfstoff-Lieferung werde das Impfteam eingewiesen. Danach soll laut Landkreis am 28., 29. Und 30. Dezember in Alten- und Pflegeeinrichtungen in der Börde geimpft werden. Die Einrichtungen seien bereits informiert. Zudem werde es erste Impfungen in Krankenhäusern geben.

Im Impfzentrum arbeiteten Beschäftigte der Kreisverwaltung, hieß es vom Landkreis. Außerdem gebe es Unterstützung durch die Bundeswehr und Hilfsorganisationen.

Burgenlandkreis

Impfzentrum im Gewerbegebiet Zorbau

Der Burgenlandkreis rechnet damit, dass am 27. Dezember mittags die erste Lieferung kommt. Man geht laut Landrat Götz Ulrich (CDU) von 795 Impfdosen aus. Diese Impfdosen sollen bis zum 30. Dezember verimpft sein. Ab 30. Dezember geht der Burgenlandkreis von regelmäßigen weiteren Lieferungen je 1.500 Impfdosen aus.

Dessau-Roßlau

Impfzentrum in der Anhalt-Arena

Der landesweite Auftakt der Corona-Impfungen soll am 27. Dezember in dem Seniorenheim "Martha-Haus Seniorenresidenz" in Dessau-Roßlau sein. Das teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Mobile Impfteams sollen demnach mit den ersten Impfdosen Bewohner und Bewohnerinnen in Pflegeheimen versorgen, die sich für eine Schutzimpfung entschieden haben. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sind beim Impfstart im Seniorenheim vor Ort.

Halle

Impfzentrum am Campus der Uni Halle, Magdeburger Str. 22

Die Stadt Halle rechnet laut Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) mit vorerst 975 Impfdosen für Halle. Wenn die Dosen da sind, solle es unverzüglich mit dem Impfen losgehen, laut Plan am 27. oder 28. Dezember. Die Stadt will zunächst Bewohnerinnen und Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen impfen, die zuletzt stark betroffen waren, in denen es also Infektionen gab. In einem zweiten Schritt soll in den Pflegeeinrichtungen geimpft werden, die eine hohe Impfbereitschaft rückgemeldet haben.

Harz

Impfzentrum in Quedlinburg, ehemaliger Supermarkt in Bahnhofsnähe

Der Leiter des Impfzentrums sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass die erste Impfstofflieferung mit insgesamt 975 Impfdosen in Trockeneis am 26. Dezember erwartet werde. Die Impfdosen werden zum Auftauen für 2 bis 3 Stunden in eine Kammer mit einer Temperatur von 0 Grad gelegt.

Eine zweite Lieferung mit ebenfalls 975 Dosen solle am 30. Dezember kommen – dieser Impfstoff sei die zweite Dosis für die bereits Geimpften, heißt es vom Leiter des Impfzentrums. Denn nach drei Wochen muss jede Person noch ein zweites Mal geimpft werden. Ein Tiefkühler zur Lagerung des Impfstoffs komme frühestens am 28. Dezember, bis er einsatzbereit sei, dauere es etwa fünf Stunden.

Jerichower Land

Impfzentrum in Burg, Stadthalle

Das Impfzentrum in Burg soll bis Weihnachten endgültig fertiggestellt sein. Zur Zahl der erwarteten Impfdosen gibt es noch keine Informationen. Das Impfteam im Jerichower Land soll aus vier Personen bestehen. Die Aufklärungsgespräche vor der Impfung werden vorab in den Pflege- und Altenheimen geführt, so der Landkreis.

Magdeburg

Impfzentrum in der Messehalle 3, Elbauenpark

Das Impfzentrum in Magdeburg ist nach Angaben der Stadt auf den Impfstart vorbereitet. Nach der ersten Impfstoff-Lieferung sollen aber zunächst zwei mobile Teams mit der Impfung in Pflegeheimen beginnen. Wann es dann mit dem Impfen im Impfzentrum losgeht, hänge vom Umfang der Lieferungen ab. Wann genau Termine für das Magdeburger Impfzentrum vergeben werden, ist derzeit noch unklar.

Das Impfzentrum wird von Magdeburger Hilfsorganisationen geleitet. Für die mobilen Impfteams und für die Arbeit im stationären Impfzentrum werden mehr als 100 Helferinnen und Helfer im Einsatz sein. Das Personal werde gerade geschult, teilte die Stadt Magdeburg am Mittwoch mit.

Mansfeld-Südharz

Impfzentrum in Sangerhausen, "Mammuthalle"

Der Landkreis erwartet für den 27. Dezember 600 Impfdosen. Am selben Tag sollen die Impfungen beginnen. Wo genau die ersten Impfungen durchgeführt werden, ist noch nicht entschieden. Dazu sei man auf die Mitarbeit der Pflegeheime angewiesen, die Rückmeldungen zur Impfbereitschaft der Bewohnerinnen und Bewohner geben sollen, so der Landkreis. Im Landkreis Mansfeld-Südharz soll es zwei mobile Impfteams geben.

Saalekreis

Impfzentrum in Leuna, CCE Kulturhaus Leuna

Die ersten Impfdosen sollen am 27. Dezember kommen – Dezernentin Christina Kleinert rechnet mit etwa 800 Impfdosen. Das könne sich aber noch ändern. Geimpft wird dann ab dem 28. Dezember. Wo genau die ersten Impfungen vorgenommen werden, wird aktuell noch besprochen.

Salzlandkreis

Impfzentrum in Staßfurt, ehemalige Kinderklinik in der Bodestraße

Zum Stand der Impfvorbereitungen hat der Landkreis auch auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT keine weiteren Informationen mitgeteilt.

Stendal

Impfzentrum in Stendal, ehemalige Kita in der Osterburger Straße

Die ersten 400 Impfdosen sollen am 27. Dezember im Landkreis Stendal eintreffen. Der Landkreis peilt einen Impfstart aber erst für den 28. Dezember an. Der Grund: "Da das Land bisher keinen konkreten Zeitpunkt für die Anlieferung des Impfstoffes nennen kann, müsste die Personalplanung auf Abruf erfolgen."

Zwei mobile Impf-Teams soll es im Landkreis geben. Diese bestehen jeweils aus drei medizinischen Fachkräften sowie einem Arzt bzw. einer Ärztin und einer Apothekerin bzw. einem Apotheker.  Welcher Einsatzort am 28. Dezember zuerst angefahren wird, will der Landkreis noch entscheiden.

Wittenberg

Impfzentrum in Wittenberg, Sporthalle der Berufsbildenden Schule

Der Landkreis Wittenberg will nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung voraussichtlich am 29. oder 30. Dezember mit dem Impfen beginnen. Zunächst sollen 400 Dosen geliefert werden.
Die ersten Impfungen sollen aus Gründen der Zentralität in Pflegeheimen in Wittenberg selbst vorgenommen werden, im Senioren- und Pflegeheim "Am Lerchenberg". Der Gefrierkühler für den Impfstoff soll spätestens am 29. Dezember im Impfzentrum ankommen.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Dezember 2020 | 17:00 Uhr

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