Waffenbesitz in Sachsen-Anhalt Schusswaffen in Privatbesitz: Zwei Behörden, zwei unterschiedliche Angaben

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/David Muschenich

Schusswaffen können für die Jagd oder den Sport wichtig sein. Sie können aber eben auch töten. Darum sollen die Waffenbehörden genau erfassen, wer wann welche Waffe besitzt. Doch aktuelle Recherchen legen Unstimmigkeiten nahe.

Ein Sportschütze zeigt 2009 eine Pistole und einen Revolver vor einem Waffenschrank mit drei Gewehren in einem privaten Haushalt.
Die Zahl der Schusswaffen in Privatbesitz ist in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren gestiegen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt waren im Jahr 2019 rund 115.000 private Schusswaffen zugelassen. Das zeigen Zahlen des Innenministeriums. Nur: Die Daten decken sich nicht mit denen, die Studierende der Universität Leipzig recherchiert haben. Demnach lag die Zahl der privaten Schusswaffen im selben Jahr bei rund 129.000. Fragt sich: Wie kann es zu einem Unterschied von 14.000 Schusswaffen kommen?

Vorweg: Privater Waffenbesitz ist in Deutschland nur unter der Kontrolle des Staats erlaubt. Wer eine Waffe besitzt – zum Beispiel für den Sport oder die Jagd – muss diese bei der zuständigen Waffenbehörde melden. Die wiederum gibt ihre Daten an das Nationale Waffenregister weiter.

Studierende des Journalismus-Masters in Leipzig wollten wissen, wie viele Schusswaffen es in Deutschland gibt – und fragten bei den rund 550 Waffenbehörden in Deutschland nach. In Sachsen-Anhalt erfasst pro Landkreis je eine Behörde die Waffen. Bei diesen fragten die Studierenden an, wie viele Schusswaffen für den entsprechenden Landkreis registriert seien. Ihre Recherche-Ergebnisse veröffentlichten sie beim Podcast-Radio Detektor FM.

Zusammengerechnet ergibt das rund 129.000 Schusswaffen in Privatbesitz. Das Innenministerium in Sachsen-Anhalt gab aber, wie schon erwähnt, rund 14.000 Schusswaffen weniger an. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage aus dem Landtag nannte es 115.260. Die Zahl des Ministeriums stammt aus dem Nationalen Waffenregister.

Innenministerium: Es gibt keine Abweichungen

Die Abgeordnete Henriette Quade (Die Linke) spricht im Plenarsaal des Landtages.
Henriette Quade, Die Linke Bildrechte: dpa

Die Sprecherin für Innenpolitik der Linken im Landtag, Henriette Quade, stellte besagte Kleine Anfrage. Sie könne sich solche Unstimmigkeiten gut vorstellen, sagt sie – "zumal das nicht das erste Mal ist, dass es unterschiedliche Angeben gibt". Die Zahl der Waffen steige und es fehle der Überblick. Dem Innenministerium wirft sie vor, es habe offenbar kein Interesse an validen Zahlen.

Das Ministerium selbst teilte MDR SACHSEN-ANHALT dagegen mit, es gebe keine Abweichung. Die Behörde geht nach eigenen Angaben davon aus, dass sich die Waffenbehörden und das Ministerium schlicht auf unterschiedliche Sachverhalte beziehen. Während sich die Zahlen des Innenministeriums ausschließlich auf Schusswaffen in Privatbesitz bezögen, sei bei der Waffenbehörde offenbar von der Zahl privater Waffen und Waffenteile die Rede. Diese Zahl wiederum liegt laut Innenministerium bei 126.814.

Die noch immer bestehende Abweichung von mehr als 2.000 Waffen und Waffenteilen erklärt sich das Ministerium durch "Versehen im Kommunikationswege" – oder durch verschiedene Stichtage.

SPD: Innenministerium muss Waffenbehörden intensiver begleiten

Rüdiger Erben, SPD
Rüdiger Erben, SPD Bildrechte: dpa

Diese Erklärung widerspricht jedoch den Antworten der Waffenbehörden, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegen. In keiner der Antworten steht etwas von "Waffen und Waffenteilen", in mehreren hingegen explizit "Schusswaffen". Auch Rüdiger Erben, SPD-Sprecher für Innenpolitik, findet: "Die Differenz ist tatsächlich groß".

Nur: Wenn unterschiedliche Verwaltungsbehörden bei der gleichen Frage offenbar unterschiedliche Antworten liefern – wäre es dann nicht besser, die Aufgabe in einer Behörde zu bündeln? Davon halte er nichts, sagt Rüdiger Erben. Das Innenministerium müsse die Waffenbehörden nur intensiver begleiten, verlangt er.

Opposition: Zu wenig Personal in den Waffenbehörden

Den Waffenbehörden fehle es an Personal, kritisiert auch Henriette Quade. Das zeige sich auch an der Zahl der Kontrollen, sagt sie. Auf ihre Kleine Anfrage antwortete das Innenministerium weiter, für das Jahr 2019 seien 196 Kontrollen der sicheren Aufbewahrung von Waffen durch die Waffenbehörden bekannt. Zugleich gab das Ministerium an, dass in Sachsen-Anhalt 23.549 Personen Schusswaffen besitzen. "Allein das Zahlenverhältnis zeigt ja, dass es Kontrollen nur für einen Bruchteil der Besitzer gibt", rechnet Quade vor.

Zumindest was die Daten angeht, soll sich aber einiges ändern: Aktuell wird das Nationale Waffenregister ausgebaut, zum Nationalen Waffenregister 2. Die neuen Vorschriften gelten schon, nun heißt es: Abwarten, was sich ändert.

Polizisten laufen über ein großes Fabrikgelände. 3 min
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MDR AKTUELL Fr 26.02.2021 12:15Uhr 03:22 min

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2 Kommentare

maheba vor 6 Wochen

Was will uns dieser Artikel jetzt sagen?
Legale Waffenbesitzer werden mal wieder prüskiert an ihr doch so schlechtes Image erinnert.
So was muss immer mal wieder hochkochen.

helmut57 vor 6 Wochen

Mann erlaube die Frage, was haben scharfe Waffen in einem privaten Haushalt zu suchen? Brauchen wir amerikanische Verhältnisse? Auch der Jäger braucht keine Kurzwaffen. Den Gnadenschuss bekommt man auch mit einer Langwaffe hin. Waffen sollten an einem gesonderten sicheren Ort verwahrt werden und nicht im Wohnhaus in einem Waffenschrank. Hier ist die Politik gefragt.

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