Waldzustandsbericht 2020 Was gegen den schlechten Zustand der Wälder zu tun ist

Dem Wald in Sachsen-Anhalt geht es auch in diesem Jahr schlecht. Das zeigt der Waldzustandbericht 2020, den das Umweltministerium von Sachsen-Anhalt am Donnerstag vorgestellt hat. Darin zeigt sich, dass sich die Wälder nach den extrem heißen und trockenen Jahren 2018 und 2019 auch in diesem Jahr nicht erholen konnten. Käfer und nun auch Pilze machen den Bäumen zu schaffen. Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts im Überblick.

Entnadelte und braun gewordene Baeume stehen am 20.09.2019 in der Naehe von Torfhaus, Ortsteil der Ortschaft Altenau-Schulenberg im Oberharz.
Sachsen-Anhalts Wald leidet: Insbesondere im Harz sind zahlreiche Fichten abgestorben. (Archivbild) Bildrechte: imago images/photo2000

In welchem Zustand sind Sachsen-Anhalts Wälder?

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Die Grünen) sagte bei der Vorstellung des Waldzustandsbericht 2020, dass die Gefährungslage der Wälder hoch sei. Aktuell seien 25.000 Hektar Waldfläche in Sachsen-Anhalt kahl. Auf fünf Prozent der Waldfläche des Landes stehen derzeit also keine Bäume mehr.

Und viele von den Bäumen, die noch stehen, sind in schlechtem Zustand. Um den Zustand der Wälder einzuschätzen, begutachten Forstexpertinnen und -experten die Baumkronen. Sie sehen sich an, wie viel Laub beziehungsweise Nadeln die Bäume tragen. Dabei gilt: Je kahler die Krone ist, desto schlechter der Zustand des Baumes. Der Abteilungsleiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, Johannes Eichhorn, der den Waldzustandsbericht mit erstellt hat, sagte, die sogenannte mittlere Kronenverlichtung liege für dieses Jahr bei 25 Prozent. 2019 lag der Wert bei 26 Prozent, er ist also nahezu gleich geblieben.

Stark geschädigt sind laut Waldzustandsbericht knapp zehn Prozent der Bäume in Sachsen-Anhalt. Das ist im Vergleich zum Vorjahr zwar eine leichte Verbesserung – doch in einem durchschnittlichen Jahr wären nur etwa drei Prozent der Bäume stark geschädigt.

Wieso ist der Wald in so schlechtem Zustand?

Die Wälder in Sachsen-Anhalt haben zwei sehr anstrengende Jahre hinter sich. 2018 begann mit schweren Stürmen, die viele Bäume umstürzen ließen. Außerdem sei es das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung, sagte Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Die Grünen). Das Folgejahr, 2019, sei das zweitheißeste gewesen. 2020 sei zwar weniger extrem gewesen, aber immer noch ein Rekordjahr.

Die Wälder hatten zugleich mit Trockenheit zu kämpfen. Sachsen-Anhalt sei ein "Dürre-Hotspot" in Deutschland, erklärte Dalbert. Sie sagte, dass die Wasservorräte im Boden, die für die Bäume wichtig sind, seit April 2018 nicht mehr ausreichend gefüllt seien. Der November 2020 sei zwar regenreich gewesen. Aber das habe lange nicht ausgereicht, um die Defizite auszugleichen.

Die Wärme der vergangenen Jahre hat insbesondere im Harz die Ausbreitung des Buchdruckers – ein Borkenkäfer – gefördert. Das hat dort zu massivem Käferbefall und Absterben von Fichten geführt, die durch Stürme und Trockenheit bereits geschwächt waren.

Als wäre das noch nicht genug Belastung für die Wälder, sterben außerdem zunehmend Bäume durch Pilzbefall. Betroffen sind laut Waldzustandsbericht die Baumarten Buche, Ahorn und auch die in Sachsen-Anhalt weit verbreitete Kiefer. Bei der Kiefer verursache ein Pilz ein Absterben der Triebe, erklärte Eichhorn. Das sei bedenklich. "Denn die Kiefer ist in Sachsen-Anhalt die Baumart, auf die wir nach wie vor große Stücke setzen müssen in der waldbaulichen Entwicklung", sagte Eichhorn.

Abgestorbene Bäume 1 min
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Do 18.07.2019 15:34Uhr 00:48 min

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Welche Baumarten sind besonders geschädigt?

Besonders schlimm steht es in Sachsen-Anhalt um die Fichte. Die Fichte macht laut Eichhorn zwar nur sechs Prozent des Waldes in Sachsen-Anhalt aus, doch sie falle besonders auf. Viele Fichten seien doch den Borkenkäfer abgestorben oder durch Stürme gefallen. Insbesondere durch das Fichtensterben seien die kahlen Flächen in den Wäldern entstanden.

Doch auch andere Baumarten sind von Schäden betroffen. Die Kiefer, die 60 Prozent des Waldes ausmache, stehe vergleichsweise gut da und komme gut mit Wärme zurecht, sagt Eichhorn. Aber hier spiele das Triebsterben durch einen Pilz zunehmend eine Rolle. Und auch Laubbäume, gerade ältere Buchen, zeigten durch Wärme und Trockenheit einen verschlechterten Zustand. Die Entwicklung sei aber bei weitem nicht so drastisch wie bei der Fichte, so Eichhorn.

Wie soll der Zustand der Wälder wieder verbessert werden?

Eines vorweg: Johannes Eichhorn geht davon aus, dass sich der Zustand von Sachsen-Anhalts Wäldern auch in den kommenden Jahren zunächst weiter verschlechtern wird – selbst wenn die Wetterbedingungen günstig sind. Denn einige Schädlinge hätten sich nun im Wald angesiedelt, was nun erst einmal für ein paar Jahre so bleiben werde.

Auf lange Sicht plant das Umweltministerium, den Wald in Sachsen-Anhalt klimaresistenter zu machen. Das bedeutet, dass der Wald in einen Mischwald aus Laub- und Nadelbäumen unterschiedlichen Alters umgewandelt wird. Auf den Freiflächen, die in den Wäldern entstanden sind, müssen laut Umweltministerin Dalbert nun wieder Bäume. Bis zu 40 Prozent der kahlen Flächen können durch die sogenannte Naturverjüngung wieder bedeckt werden. Naturverjüngung bedeutet, dass Bäume dort von selbst nachwachsen. Die übrige Fläche müsse mit klimastabilen Bäumen bepflanzt werden. Die Bepflanzung wird vom Umweltministerium gefördert.

Um Waldbesitzenden zu helfen, eine Baumart auszuwählen, die auch mit den zukünftigen Klimabedingungen in Sachsen-Anhalt klarkommt, hat die Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt eine digitale Karte erarbeitet. Darin wird für die Waldflächen angezeigt, welche Baumarten für diesen Standort empfohlen werden.

In Zahlen: Der Wald in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Landesfläche ist laut dem Umweltministerium zu etwa einem Viertel von Wald bedeckt. Es gibt mehr als 530.000 Hektar Waldfläche – etwas mehr als die Hälfte in Privatbesitz. Insgesamt gibt es im Land rund 52.000 Waldbesitzer. 58 Prozent des Waldes sind Nadelwald, 42 Prozent Laubwald.

Quelle: MDR/mh,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Eulenspiegel vor 41 Wochen

Ja die Gefährdungslage unserer Wälder ist sehr hoch. Und die wird in überschaubarer Zeit auch nicht niedriger. Ich denke die Verantwortlichen tun auch alles um den Wald zu erhalten. Aber Zaubern können auch sie nicht. Da kommen eben viele Dinge zusammen. Zuerst die Trockenheit durch die der Wald geschwächt wird oder sogar einfach vertrocknet. Die Bäume sind geschwächt und können Sturm und Ungeziefer von Borkenkäfer bis Pilzen nichts mehr entgegensetzen. Das biologisch Gleichgewicht des Waldes ist massiv gestört weil sich dies Baumschädlinge uneingeschränkt ausbreiten können. Und damit werden die Attacken gegen die ohnehin geschwächten Bäume von Jahr zu Jahr immer größer.
Und der Klimawandel geht weiter. Darum kann Heute keiner seine Hand dafür ins Feuer legen das der Neue Wald den man Heute versucht mühsam hochzupäppeln in 30 Jahren noch steht.

part vor 41 Wochen

Die heutigen Monokulturen an Wäldern waren zur schnellen Ernte gedacht, wohl eben bei den Großgrundbesitzern über Generationen. Schnellwachsendes Holz sollte die über Jahrtausende gefledderten Bestände an Buchen und Eichen ersetzen. Der sterbende Wald wird als neue Düngung und Grundlage dienen für einen Wald mit Artenvielfalt und weniger Verwertung durch die Wenigen, die heute schon wieder so Viel an bewirtschafteter Fläche besitzen, den Wald in staatlichger Treuhand zum Verschleudern mit einberechnet.

W.Merseburger vor 42 Wochen

Abgesehen von der irreführenden Überschrift enthält obiger Bericht für mich auch neue Details. Zunächst wusste ich nicht, dass lediglich 6% der Waldfläche mit Fichten bepflanzt sind bzw. waren. Damit wird das Gejammer über die Fichtenmonokultur in den Wäldern ad absurdum geführt. Weiterhin stehen die 60% mit Kiefer ausgestatteten Waldflächen vergleichsweise gut da. Vielen Baumarten macht ein Pilz schwer zu schaffen. Das ist für mich neu und zeigt, dass nicht nur Sturm und Klimaveränderung (Trockenheit, Hitze) verantwortlich sind. Die Frage, welche Bäume sind für die Zukunft unserer Wälder geeignet, ist wohl die komplizierteste Frage und nicht ganz trivial. Vor sieben Jahren haben meine Frau und ich zusammen mit 20 anderen Bürgern im Park in unserer Stadt anlässlich eines Jubiläums je einen Laubbaum gepflanzt. Bisher sind diese damals schon stattlichen Bäume nicht gewachsen. Die Auswahl der Baumart durch die Fachleute für diese Parkfläche war also ein Fehlschlag.

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