Die Schwestern der Luca-App Was Sachsen-Anhalts Digital-Experten gegen Corona tun

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Im Digitalen könnte Sachsen-Anhalt ganz vorn mit dabei sein. Allein beim Thema Corona gibt es mindestens drei Macher im Land, die Technologien entwickelt haben, die in der Pandemie helfen sollen. Einer hat seine Firma aber gerade in ein anderes Bundesland verlegt.

Bild eines durchgestrichenen Virus und Aufschrift Corona-App auf dem Display eines Smartphones
Auch hierzulande haben Digitalexperten Software entwickelt, die im Kampf gegen die Corona-Pandemie helfen sollen. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Jens Schicke

Dass sie sich als Technologie-Experten in der Pandemie engagieren, war für alle von Anfang an klar: Christian Günther sagt das, Stefan Wegener und auch Andreas Richter. Ihre Mittel im Kampf gegen Corona sind digitaler Natur und heißen "vilog.care", "UniNow" oder "ePassGo". So unterschiedlich die Software-Namen sind, so unterschiedlich sind auch die Ideen.

Christian Günther zum Beispiel ist Entwickler bei der "Gesellschaft für Informationssicherheit" in Halle und hat mit einem Freund schon im Frühjahr 2020 die App "vilog.care" entwickelt, "damit Gastronomen keine analogen Zettel in ihrem Laden führen müssen, die vielleicht zu Datenschutzverstößen führen könnten." Bei der "Gesellschaft für Informationssicherheit" sind IT-Sicherheit und Datenschutz quasi in der DNA der Firma angelegt.

vilog.care aus Halle

Logo der App vilog.care
Bildrechte: vilog.care

"Was unser System von anderen Herstellern unterscheidet: Es muss keine App installiert werden, sondern per QR-Code oder Adresseingabe wird ein Formular im Internet aufgerufen." Mit vilog.care können auch mehrere Besucher eingecheckt werden. "Der Enkel kann seine Oma einchecken", so Günther.

148 Einrichtungen in Deutschland nutzen vilog.care, 107.000 Ein-Check-Vorgänge gab es bislang. "In Sachsen-Anhalt nutzen uns unter anderem die Studentenwerke in Halle und Magdeburg und die Hochschule Anhalt in Köthen, die das System für ihre Vorlesungen nutzt", sagt Günther. "Es ist natürlich gerade ein bisschen eingeschlafen, weil ja keiner öffnen darf."

Das Geschäftsmodell von vilog.care

Als Student hat Christian Günther als Barkeeper gearbeitet. Ihm war es vor allem wichtig, dass sich Gastronomen auf ihr Geschäft konzentrieren können und nicht um Datenschutz kümmern müssen: "Für die Betriebe ist das System komplett kostenlos. Wir haben auch keine Förderung bekommen, keine Zuschüsse. Wir bieten das aus reinem Engagement an." Sollte vilog.care wachsen, würde sich Günther über staatliche Unterstützung freuen.

Mit vilog.care seien die Daten der Gäste geschützt. Die Gastronomen bekämen die Gästeliste nie zu sehen. Sollte das Gesundheitsamt die Gästeliste eines Restaurants sehen wollen, übernimmt das die "Gesellschaft für Informationssicherheit" in Halle. Und Christian Günther würde beim Gesundheitsamt nachfragen, ob die Anfrage real ist. "Gäste müssen also nicht dem Gastronomen vertrauen. Aber sie vertrauen vielleicht einem Unternehmen, das auf Datenschutz spezialisiert ist", meint der IT-Experte.

Günther stellt so sicher, dass die Gästelisten nicht in falsche Hände geraten. Im vergangenen Jahr waren Fälle bekannt geworden, bei denen Frauen hinterher telefoniert wurde oder bei denen die Polizei sich die Gästelisten verschaffte. "Das ist natürlich datenschutzrechtlich gesehen der Super-GAU. Die Daten sind zweckbestimmt und werden dann für etwas anderes verwendet. Das geht nicht", sagt Günther.

Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerium und die Apps aus dem eigenen Land

Das Land hat für etwa eine Million Euro eine Jahreslizenz für die Luca-App gekauft. Alle Landkreise seien bis Ende April angeschlossen worden, schreibt das Gesundheitsministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT. Derzeit gebe es in Sachsen-Anhalt 1.239 Standorte, die Luca nutzen. Für eine fundierte Bilanz sei es aber zu früh, auch weil viele Standorte derzeit nicht öffnen könnten.

Für Luca habe ein Vergabeverfahren stattgefunden, schreibt das Gesundheitsministerium. Zu vilog.care und ePassGo schreibt es: "Die App PassGo ermöglicht es, Corona-Tests digital, verschlüsselt und verifizierbar abzubilden, während die Luca-App den Fokus auf digitale Kontaktnachverfolgung legt. vilog.care bietet bei weitem nicht den gleichen Funktionsumfang wie die Luca-App. Bei der Markterkundung zum Zeitpunkt der Beschaffung konnte nur die Luca-App alle Anforderungen erfüllen."

Kein Interesse bei der Landespolitik

Günther sagt, vilog.care sei seit Mai 2020 in Sachsen-Anhalts Wirtschaftsministerium bekannt, er habe auch Ministerialbeamte angeschrieben. Bis heute habe er keine Antwort bekommen. "Und da bin ich sehr überrascht, dass man jetzt der Luca-App so hinterherrennt. Ich meine, es ist richtig, dass es ein Zentralsystem geben sollte, aber eigentlich hätte es die Luca-App vor zehn Monaten schon geben müssen." Günthers Eindruck: "In Sachsen-Anhalt schließen wir uns gern an, wenn andere die Arbeit machen. Was dann aber bedeuten kann, dass man zehn Monate hinterher ist."

Aber Günther sagt auch: Man müsse jedes System gut finden, dass die Pandemie bekämpfe und dafür sorge, dass keine On-Off-Szenarien mehr gebe. Gewerbetreibenden Unternehmen müsse man eine Perspektive anbieten.

UniNow aus Magdeburg

Logo der App UniNow
Bildrechte: UniNow

Stefan Wegener von UniNow aus Magdeburg musste für seinen digitalen Beitrag zur Corona-Bekämpfung nicht ganz bei null anfangen. Denn seine App ist schon lange auf vielen Smartphones in Deutschland installiert. Die App von UniNow ist deutscher Marktführer bei offiziellen Campus-Apps, sagt Wegener: "Uns setzen 36 Hochschulen und Universitäten in Deutschland als offizielle App ein, ganz unabhängig von Corona." Eine der Unis ist die Uni Magdeburg. Studentinnen und Studenten können in der App ihre Prüfungsergebnisse und den Mensa-Speiseplan sehen, Kontakt untereinander halten sowie Praktika oder Werksverträge finden. Und es gibt auch eine Uni, an der die App als digitaler Studierendenausweis gilt.

UniNow-App hat 22 Mitarbeiter, die App ist seit 2017 TÜV-zertifiziert. Seit September können die Unis mit Hilfe von UniNow auch Gästelisten führen. Die Uni Landshut hatte bei der Magdeburger Firma danach gefragt. Zwei Magdeburger Programmierer haben daraufhin im Herbst vier Wochen lang an der ersten Version des "Corona-Moduls" geschrieben. Seit Februar ist auch dieses Modul TÜV-zertifiziert. "Das schafft Vertrauen", sagt Wegener.

In Magdeburg entwickelt So funktioniert die App "UniNow"

Bildschirminhalt der App UniNow
Studierende können in der App unter anderem ihre Prüfungsergebnisse und den Mensa-Speiseplan sehen. Bildrechte: UniNow
Bildschirminhalt der App UniNow
Studierende können in der App unter anderem ihre Prüfungsergebnisse und den Mensa-Speiseplan sehen. Bildrechte: UniNow
Bildschirminhalt der App UniNow
Die Studierenden können sich mit ihrer Matrikelnummer einchecken, weil die Uni ihre Kontaktdaten ohnehin hat. Bildrechte: UniNow
Bildschirminhalt der App UniNow
Über QR-Codes können Studierende an verschiedenen Orten auf dem Campus einchecken. So entstehen digitale Gästelisten. Bildrechte: UniNow
Bildschirminhalt der App UniNow
An 36 deutschen Hochschulen hängen in Mensen, Seminarräumen oder Vorlesungssälen QR-Codes aus Magdeburg. Bildrechte: UniNow
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Mai 2021 | 14:40 Uhr

Technisch funktioniert auch UniNows Gästeliste mit QR-Codes. Und so hängen seit Herbst in Mensen, Seminarräumen oder Vorlesungssälen an 36 deutschen Hochschulen QR-Codes aus Magdeburg. Sie können mit der UniNow-App gescannt werden. So entstehen ebenfalls Gästelisten, die das Gesundheitsamt bei der Uni abfragen kann. "Das machen im Prinzip viele Apps für Gebäude und Räume. Aber bei uns ist es auch für Sitzplätze möglich, denn es gibt ja große Hörsäle, in denen ganz viele Studierende drin sein können und wo es einen Unterschied macht, wo die Studierenden sitzen." Zwei Unis hätten sogar für jeden Sitzplatz einen eigenen QR-Code.

Mehr als eine halbe Million Check-Ins

Die Studierenden könnten sich einfach mit ihrer Matrikelnummer einchecken, weil die Uni ihre Kontaktdaten ohnehin habe. Ein externer Gast müsse aber seine kompletten Kontaktdaten eintragen, sagt Wegener: "Das Ganze ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Nur die Hochschule kann die Daten lesen. Wir sind komplett außen vor." Im Oktober habe man so mehr als eine halbe Million Check-Ins bei Präsenzveranstaltungen an den Unis getrackt, im Februar auch viele Präsenz-Prüfungen. Aus-Checken könne jeder selbst oder es passiere automatisch, weil man wisse, wie lange die Veranstaltungen an den Unis dauerten, sagt Wegener.

An den Daten habe UniNow kein Interesse, sagt Wegener. "Die werden direkt auf dem Gerät des Studierenden verschlüsselt und an unsere Server gesendet. Der oder die Datenschutzbeauftragte der Uni kann sie abrufen, nur mit seinem eigenen Schlüssel decodieren und ans Gesundheitsamt schicken." Auf den UniNow-Servern liege quasi nur Datenmüll, der nach 28 Tage gelöscht werde, sagt Wegener.

Kosten und Corona-Warn-App

Für die 36 Hochschulen, mit denen UniNow bereits Verträge hat, ist das "Corona-Modul" kostenlos. "Für andere Hochschulen, mit denen wir bislang nicht zusammenarbeiten, haben wir ein ganz normales Kostenmodell aufgesetzt. Aber in erster Linie ging es uns ja darum, einen Beitrag in der Pandemie zu leisten."

Weil die Corona-Warn-App mittlerweile eine Check-In-Funktion mit QR-Codes hat, wollen die Magdeburger, dass die Corona-Warn-App auch ihre QR-Codes an den Unis lesen kann. "Wir haben dazu Kontakt mit SAP aufgenommen", sagt Wegener. Der Vorteil für die Studierenden: Mit der Corona-Warn-App würden sie gewarnt, sobald dort jemand sein positives Testergebnis teilt. Weil die Corona-Warn-App Kontakte zu anderen Smartphones speichert, ist dieser Weg vermutlich schneller als der Umweg über Gästelisten und Gesundheitsamt. "Studierende scannen dann einfach in der Corona-Warn-App unseren QR-Code, das wird dort vermerkt, und dann gibt es eine Weiterleitung zu unserer App", sagt Wegener. "Wir nutzen das Tracking auch bei uns im Büro, und ich denke, mit solchen Apps müssen wir noch eine Weile leben."

ePassGo aus Halberstadt

Logo der App ePassGo
Bildrechte: ePassGo

Auch mit dem Virus werden wir weiter leben müssen, heißt es oft. Deshalb war Andreas Richter von ePassGo aus Halberstadt ein ganzheitlicher Ansatz bei seiner Technologie besonders wichtig: "Es geht nicht nur darum, festzustellen, dass jemand negativ oder positiv getestet wurde, sondern es geht auch darum, Freiheiten wieder zu erlangen, mit denen man ein negatives Testergebnis für einen begrenzten Zeitraum auch nutzen kann."

ePassGo ist deshalb nicht einfach nur eine Check-In-App, sondern gleichzeitig eine App, mit der sich die Nutzer in Testzentren registrieren können und über die sie ihr Testergebnis bekommen. Es sind quasi drei Apps auf einmal: die für den Nutzer, die für Restaurants, Theater etc. und die für die Testzentren.

Deshalb muss ePassGo auch sicherstellen, dass die Testzentren positive Testergebnisse an die Gesundheitsämter übermitteln und dass die Gesundheitsämter auch an die Gästelisten von Restaurant herankommen. Bis vor acht Wochen konnten die Halberstädter direkt in das RKI-System "DEMIS" (Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für Infektionsschutz) melden. "Für diese Gold-Standard-Lösung hatten wir eine Schnittstelle. Aber die haben wir wieder verloren, weil das RKI befürchtete, dass es mit den massenhaften und kostenlosen Tests von Bürgern und dem Ausstellen von Zertifikaten eine Überflutung des DEMIS-Systems gibt", sagt Richter. Jetzt würde man wieder antiquiert mit CSV-Dateien melden, aber das sei immerhin noch besser als per Telefon, so Richter.

In Halberstadt entwickelt So funktioniert die App "ePassGo"

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ePassGo ist nicht nur eine Check-In-App, sondern gleichzeitig eine App, mit denen sich die Nutzer in Testzentren registrieren können und über die sie ihr Testergebnis bekommen. Bildrechte: ePassGo
Bildschirminhalt der App ePassGo
ePassGo ist nicht nur eine Check-In-App, sondern gleichzeitig eine App, mit denen sich die Nutzer in Testzentren registrieren können und über die sie ihr Testergebnis bekommen. Bildrechte: ePassGo
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Deshalb muss ePassGo sicherstellen, dass die Testzentren positive Testergebnisse an die Gesundheitsämter übermitteln und dass die Gesundheitsämter auch an die Gästelisten von Restaurant herankommen. Bildrechte: ePassGo
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Anders als bei vilog.care und UniNow entstehen bei den Teststationen, die ePassGo nutzen, Gesundheitsdaten.  Bildrechte: ePassGo
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Diese medizinischen Daten liegen verschlüsselt auf dem mobilen Endgerät des Eigentümers der Daten. Bildrechte: ePassGo
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In Restaurants oder Theatern können Nutzerinnen und Nutzern dann über einen QR-Code einchecken und gleichzeitig ihr negatives Testergebnis vorweisen. Bildrechte: ePassGo
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Mai 2021 | 14:40 Uhr

Gesundheitsdaten schützen

Anders als bei vilog.care und UniNow entstehen bei den Teststationen, die ePassGo nutzen, Gesundheitsdaten. Sie müssen noch besser geschützt werden als "nur" die Daten aus Gästelisten. "Wir arbeiten mit medizinischen Daten. Und diese Daten sollen nirgendwo gespeichert werden, außer beim Eigentümer der Daten. Und das ist sein mobiles Endgerät. Dort sind alle Informationen verschlüsselt", sagt Richter. Und mit der Technologie von ePassGo würden die Testzentren positive Testergebnisse automatisch in die App der Getesteten und als verschlüsselte E-Mail an das Gesundheitsamt senden.

Zwölf Mitarbeiter würden in Halberstadt und der Niederlassung in Wolfsburg an der Technologie arbeiten. "Das ist eine aufreibende Arbeit und das Maximum an typischer Selbstausbeutung eines Start-Ups", sagt Richter. Derzeit nutzen etwa 190 Testzentren ePassGo, vor allem in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Dazu hat das Unternehmen Lizenzen an Städte und Landkreise verkauft. Einige andere Testzentren würden 299 Euro bezahlen. Gegen solche kleinen Lizenzen hätte man sich aber eher gesträubt, sagt Richter: "Es geht hier wirklich um das große Ganze und eine Idee. Für Testzentren, die ja zumeist sehr gewinnorientiert und kurzfristig auf den Markt aktiv sind, wollten wir unsere Lizenz eigentlich nicht hergeben." Er hofft, dass die Bundesrepublik die Technologie kauft.

ePassGo ist derzeit die Nummer drei unter den Medizin-Apps im deutschen App-Store. Und Andreas Richter will, dass man in seiner App noch vor Pfingsten einen Impfnachweis anlegen kann. Ärzte sollen das mit einem Klick machen können, nachdem sie jemanden geimpft haben.

Warum ich, Autor Marcel Roth, es schade finde, dass sich die Landesregierung für Luca entschieden hat

Unabhängig von der nicht abreißenden Kritik an der Luca-App (vom Chaos Computer Club bis zu 70 IT-Sicherheitsforschern) und dem hohen Preis: Wenn die Landesregierung es ernst mit der Förderung von IT-Unternehmen im Land meint, hätte sie bereits im Sommer 2020 Expertinnen und Experten aus dem Land zusammenbringen können. Denn die haben sich damals schon Gedanken über digitale Hilfe in der Pandemie gemacht. Unter dem Schirm der Landesregierung hätten die Digitalexperten aus dem Land gemeinsam an einer Sachsen-Anhalt-Lösung arbeiten können, mit der Gesundheitsämter, Gastronomen, Nutzer und Datenschützer zufrieden gewesen wären. Diese Technologie hätte Teil von Reiner Haseloffs viel beschworenem "Sachsen-Anhalt-Weg" sein können. Und: Andere Bundesländer hätten dann eine Technologie aus Sachsen-Anhalt kaufen können.

ePassGo, Corona-Warn-App und Luca

ePassGo will die Sache ganzheitlich angehen: für User, Gesundheitsamt, Restaurants und Teststationen. Die Corona-Warn-App kommt ePassGo am nächsten: Sie hat bereits eine Check-In-Funktion, Testergebnisse und Impf-Nachweis sollen bald in ihr gespeichert werden. Die Corona-Warn-App warnt auch direkt alle Geräte, die in der Nähe eines Gerätes waren, dessen Besitzer sein positives Testergebnis in der App teilt. Das kann ePassGo nicht.

Auf der anderen Seite kann die Corona-Warn-App keine Gästelisten mit Namen für die Gesundheitsämter führen, wie es die Verordnung aller Bundesländer vorschreibt und wie es ePassGo, UniNow oder vilog.care machen. ePassGo-Macher Andreas Richter findet die Corona-Warn-App trotzdem brillant: "Ich halte sie für ein exzellentes Mittel in der Pandemiebekämpfung. Leider haben die Macher trotz des vielen Geldes, das sie bekommen haben, die falsche Marketingstrategie gewählt."

Luca-App 4 min
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MDR AKTUELL Di 30.03.2021 07:22Uhr 03:51 min

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Weniger begeistert ist Richter von der Luca-App, deren Namen er nicht einmal in den Mund nehmen will. Zum einen, weil ePassGo mehr zu können scheint als Luca, die Teststationen und Impfnachweis in ihrem Konzept nicht berücksichtigt. Und zum anderen, weil er die öffentliche Unterstützung vermisst, die Luca zuteil wurde: "Wir haben in den letzten Monaten wenig bis gar keine Unterstützung durch die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt erhalten." Seit November wisse Sachsen-Anhalts Wirtschaftsministerium von ePassGo – bis heute habe es keine substanziellen Gespräche mit dem Ministerium gegeben, so Richter. Und dabei gehe es nicht um finanzielle Förderung: "Hier geht es überhaupt nicht um Geld, sondern vor allem um moralische Unterstützung. Und während sich Sachsen-Anhalt und Niedersachsen auf ein Kontaktnachverfolgungssystem festgelegt haben, hat Nordrhein-Westfalen sich nicht auf ein gehyptes System festgelegt, sondern weiteren 30 Anbietern die Tür geöffnet." ePassGo hat seinen Firmensitz deshalb nach Düsseldorf verlegt.

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
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Über den Autor Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Mai 2021 | 14:40 Uhr

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