Energieversorgung Klima-Club der G7 als Motor für Wasserstofftechnologie

Alexander Budweg
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Auf dem G7-Gipfel will Bundeskanzler Olaf Scholz die Gründung eines Klima-Clubs anstoßen. Ziel ist die Unterstützung von Ländern, die ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen ergreifen. Aus Sachsen-Anhalt wird gefordert, dass der Club auch Impulse für die Energiewende und den Ausbau der Wasserstofftechnologie in dem Bundesland setzt.

Armin Willingmann (SPD, l), Umweltminister Sachsen-Anhalt, und Wolfram Günther (Grüne), Umweltminister Sachsen, gehen über das Gelände vom Untergrund-Gasspeicher der VNG AG.
Die Umweltminister von Sachsen-Anhalt und Sachsen, Armin Willingmann (links) und Wolfram Günther, bei einem Besuch des Untergrund-Gasspeichers der VNG AG. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Umwelt- und Energieminister, Armin Willingmann, fordert den Ausbau eines europäischen Wasserstoffnetzes. "Was die Infrastruktur betrifft, kommen wir nicht drumherum, auch über Landesgrenzen hinweg zu denken", sagt der SPD-Politiker. Der massive Anstieg bei den Energiepreisen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und die jüngsten Entwicklungen bei den russischen Gaslieferungen zeigten, dass es auch beim Thema Wasserstoff eine gemeinsame Antwort von Deutschland und seinen internationalen Partnern brauche.

Willingmann erhofft sich in diesem Zusammenhang auch Impulse vom G7-Gipfel auf Schloss Elmau und von dem Klima-Club, den Bundeskanzler Olaf Scholz bei dem Treffen initiieren will: "Der Club muss diskutieren, was über Landesgrenzen hinweg miteinander verknüpft werden muss und was vor Ort möglich ist, um lokale Lösungen zu schaffen."

Für den Ausbau eines überregionalen Speicher- und Pipelinenetzes für Wasserstoff hat Sachsen-Anhalt 55 Millionen Euro im aktuellen Haushalt eingeplant. Der Bund fördert das Projekt mit weiteren 130 Millionen Euro. "Flankierend laufen für über 40 Millionen Euro Förderprogramme, damit Unternehmen an dieses Netz angeschlossen werden können", sagt Willingmann.

Wasserstoffproduktion in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es zudem verschiedene Versuche, grünen Wasserstoff zu erzeugen. Im Chemiepark Leuna soll Ende des Jahres der weltweit größte Wasserstoff-Elektrolyseur in Betrieb genommen werden. Dieser soll mithilfe von Ökostrom Wasser grünen Wasserstoff erzeugen und den Chemiepark unabhängig von Gasimporten machen. Auch auf dem Flugplatz Zerbst soll eine solche Anlage entstehen. Sie soll genug Wasserstoff produzieren, um 5.000 Fahrzeuge mit einer durchschnittlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometer pro Jahr zu betreiben. "Das ist also eine eher dezentrale Lösung und auch das werden wir in einem Klima-Club zu diskutieren haben, dass es viele verschiedene Modelle und Anbieter gibt, die dann  die regionale Versorgung übernehmen", erklät Willingmann.

Für die Elektrolyse braucht es allerdings extrem viel Strom. Für grünen Wasserstoff ist also sehr viel Energie aus Windparks, von Solar- oder Biogasanlagen notwendig. "Wir haben eine hoch energieintensive Industrie über das Land verteilt und die darf keinen Tag Unterbrechung der Versorgung haben. Mit anderen Worten: Wir müssen mit Hochdruck daran arbeiten, Wasserstoff in industriellem Maßstab herzustellen", sagt Willingmann. Auch deshalb brauche es einen Vorrang für Ausbau bei den erneuerbaren Energien.

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Landesenergieagentur verzeichnet mehr Beratungsanfragen

"Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen wirken für die Energiewende wie ein Durchlauferhitzer", sagt Marko Mühlstein, Geschäftsführer der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt, kurz LENA. So hätten die hohen Energiepreise etwa zu einer Vervierfachung bei den Orientierungsberatungen geführt, wo Einfamilienhausbesitzer wegwollen von Gas und Öl und Alternativen suchen. "Bei den Unternehmen beobachten wir in den letzten zwei Jahren eine Entwicklung, wo gerade auch die klein- und mittelständischen Unternehmen versuchen, den Eigenverbrauch zunehmend durch erneuerbare Energien abzudecken", sagt Mühlstein.

Positives Feedback zum Klima-Club

Auch Mühlstein denkt, dass der Klima-Club von Bundeskanzler Scholz Klimaschutz und Energiewende auch hierzulande vorantreiben kann: "Ich sehe so einen solchen Klima-Club wie ein Netzwerk, wo man sich gegenseitig austauscht und voneinander lernt." Mühlstein glaubt, dass davon alle profitieren können, wenn es dabei nicht allein ums Geldgeben geht: "Wissenstransfer, Erfahrungsaustausch und auch gute Beispiele zeigen, ist unheimlich wichtig und das auch über Ländergrenzen hinweg."

Ähnlich sieht es auch Sachsen-Anhalts Umweltminister: "Die Klimaschutzpolitik ist eine länderübergreifende. Es ist also gut, wenn sich ein solcher Klima-Club findet. Da werden sicher ganz verschiedene Ideen eingebracht", sagt Willingmann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 21. Juni 2022 | 11:00 Uhr

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