Energiekrise Weihnachtsbeleuchtung in Sachsen-Anhalt mit Einschränkungen

Als die Deutsche Umwelthilfe zu Beginn der Woche angeregt hatte, die Weihnachtsbeleuchtung in Städten und auf den Weihnachtsmärkte angesichts der Energiekrise einzuschränken, ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Das Echo war eine Mischung aus Unverständnis und wütender Gegenrede. Auch in Sachsen-Anhalt soll auf die Lichterzeit nicht gänzlich verzichtet werden. Ein Bewusstsein für Sparsamkeit ist jedoch vorhanden.

Lichtprobe und Aufbauarbeiten für die Lichterwelt 2019 auf dem Domplatz in Magdeburg.
Die Lichterwelt in Magdeburg kostet in diesem Jahr rund 7.500 Euro. Auch angesichts der Energiekrise sollen die Lichtskulpturen erstahlen. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Städte, Gemeinden und Kommunen in Sachsen-Anhalt werden im Advent nicht auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichten – zumindest nicht ganz. Einschränkungen werde es aber geben. Das ergab eine nicht repräsentative Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT unter elf Städten im Bundesland.

Einschränkungen in Magdeburg

In der Landeshauptstadt Magdeburg soll es Einschränkungen bei der Beleuchtung des Weihnachtsmarktes geben. Oberbürgermeisterin Simone Boris sagte im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT, dass Elemente, die tagsüber geleuchtet haben, nicht mehr erstrahlen sollen. Auf dem Domplatz könne die Anzahl der Leuchtelemente ein wenig eingeschränkt werden. Eine "weiterreichende Beleuchtung" sei jedoch nötig, um etwaigem "Vandalismus" vorzubeugen und für Sicherheit zu sorgen.

Simone Borris, Oberbürgermeisterin von Magdeburg, steht vor dem Rathaus. 1 min
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Die Deutsche Umwelthilfe fordert, die Beleuchtung auf Weihnachtsmärkten herunterzufahren, um in der aktuellen Energiekrise Kosten zu sparen. Magdeburgs Oberbürgermeisterin will dennoch am Weihnachtsmarkt festhalten.

MDR S-ANHALT Mi 28.09.2022 13:42Uhr 00:24 min

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Borris: Weihnachtsmarkt wichtig für die Menschen

Wegen der kalten Jahreszeit und "sozialen Lage" ist es Borris besonders wichtig, dass "wir für die Menschen auch was für die Seele vorhalten". Das Weihnachtsfest sei ein "Fest der Besinnung und des Innehaltens". Auch die Lichterwelt hat laut Borris durch die LED-Beleuchtung einen "relativ geringen Energieverbrauch". Dass die Lichterwelt und der Weihnachtsmarkt stattfinden, habe für die Menschen einen höheren Effekt als das geringe Volumen, was eventuell bei einer Absage eingespart werden könnte.

"Licht der Hoffnung" in Gardelegen

Ähnlich sieht es auch die Stadt Gardelegen. Niemand wolle auf das "Licht der Hoffnung" verzichten, sagte Bürgermeisterin Mandy Schumacher aus Gardelegen auf die Frage, ob die Stadt im Altmarkkreis Salzwedel ihren Weihnachtsmarkt absagen wolle. Zudem seien die Einsparungen beim Verzicht auf die Weihnachtsbeleuchtung "marginal".

Zeitschaltuhr im Altmarkkreis

Im Altmarkkreis Salzwedel soll auf die Weihnachtsbeleuchtung auch nicht verzichtet werden. Sie werde aber mittels Zeitschaltuhren eingeschränkt, teilte die Verwaltung mit. Auf dem Gebäude der Kreisverwaltung befindet sich zudem eine Solar-Anlage, die Strom für diese Zwecke liefern kann.

Heizlüfter verboten

Nach zwei Jahren Pandemiepause soll auch der Weihnachtsmarkt im Freilichtmuseum Diesdorf am dritten Adventswochenende wieder starten. Bei den Planungen spiele die Senkung des Energieverbrauchs eine besondere Rolle. "Heizlüfter und ähnliche strombetriebene Geräte sind bereits seit Jahren nicht erlaubt", sagte eine Sprecherin. Auch die Zahl der für die Dekoration verwendeten Lampen und Lichterketten werde deutlich reduziert.

LED-Beleuchtung als Standard

Um bei der Beleuchtung Energie zu sparen, setzt die Mehrheit der befragten Städte und Kommunen schon seit mehreren Jahren auf LED-Lampen. "Nahezu jede Stadt hat LED-Beleuchtungen", bestätigte Paul-Gerhard Stieger, Geschäftsführer des Magdeburger Weihnachtsmarktes, im Interview mit MDR um 11. Die Weihnachtsmärkte in Mitteldeutschland hätten zudem in den vergangenen Jahren bereits den Stromverbrauch reduziert.

Auch die Stadt Osterburg hat bereits vor zwei Jahren die Weihnachtsbeleuchtung auf stromsparende LED-Leuchten umgestellt. Die Ortschaft Bismark hat eigenen Angaben zufolge letztes Jahr eine LED-Weihnachtsbeleuchtung im Wert von 20.000 Euro erworben. Die Beleuchtung werde in diesem Jahr zeitlich begrenzt. Auch die fünf Weihnachtsbäume in den Häusern der Kreisverwaltung Stendal sind dem Landratsamt zufolge mit einer LED-Beleuchtung versehen.

Tangerhütte setzt ebenfalls auf LED-Lichter, die in den späten Abendstunden ausgehen sollen. "Ein ressourcenschonender Umgang sollte immer die Grundeinstellung sein", antwortete die Gemeindeverwaltung auf Anfrage. Die "besinnliche Stimmung" müsse so nachhaltig wie möglich gestaltet werden. Auch in Thale und Stendal wird überlegt, sparsame LEDs einzusetzen.

Besinnliche Zeit als Wirtschaftsfaktor

Die Beleuchtung der Innenstädte und Weihnachtsmärkte soll aber nicht nur für Besinnlichkeit und weihnachtliche Stimmung sorgen, sondern habe auch eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung. Für die Welterbestadt Quedlinburg sind die "Adventsstadt" und der "Advent in den Höfen" laut Verwaltung Höhepunkte, die jedes Jahr zehntausende Gäste anziehen.

Für Paul-Gerhard Stieger, Geschäftsführer des Magdeburger Weihnachtsmarktes, sind die Lichterwelt und der Markt "Wirtschaftsfaktoren", mit denen die Innenstädte belebt werden sollen. "Daran hängen auch Jobs", sagte er im Interview mit MDR um 11. Würden sie fehlen, seien "tote Innenstädte" die Folge.

Planungen in Halle und Wittenberg

In der Lutherstadt Wittenberg wird derzeit noch geprüft, wie mit der weihnachtlichen Beleuchtung umgegangen werden soll und ob sie nur zu bestimmen Uhrzeiten eingeschaltet werden soll. Fest stehe aber schon, dass die großen Lichterketten in den Wittenberger Cranachhöfen dieses Jahr nicht leuchten werden.

Auch in Halle laufen aktuell noch die Planungen und Absprachen zur Ausgestaltung des Weihnachtsmarktes. Die Stadt prüft eigenen Angaben zufolge dabei auch mögliche Einsparpotenziale: "angefangen vom Umfang der Beleuchtungsmaßnahmen über die möglichst vollständige Nutzung sparsamerer Leuchtmittel bis hin zu den Schaltzeiten", teilte die Stadt auf Anfrage mit.

MDR (André Damm, Felix Moniac, Elke Kürschner, Leonard Schubert, Moritz Arand)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. September 2022 | 06:30 Uhr

3 Kommentare

Mell68 vor 9 Wochen

Ich lasse mir von unfähigen und dummen Politikern, welche unser Land an die Wand fahren wollen, nicht vorschreiben, ob ich meine Weihnachtsbeleuchtung anstelle. Nun gerade und in vollem Maße.

C.T. vor 9 Wochen

Getreu dem Motto "Brot und Spiele für den Pöbel" ... Sorry, da muss schon entschieden mehr kommen, um irgendwelche positiven Reaktionen bei mir zu erwirken. So billig lasse ich mich nicht kaufen...

Entropie vor 9 Wochen

Alles klar. Man sieht sich auf der Straße, das Maß ist voll!

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