Hohe Sterblichkeit Wie Corona die Arbeit von Bestattenden im Land verändert

Die coronabedingt höheren Sterbezahlen verändern auch die Arbeit von Bestattenden im Land. Neben Mehrarbeit sind auch zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen notwendig. Völlig neu ist die Situation jedoch nicht.

Kühlkammer mit Särgen im Krematorium „Flamarium Saalkreis“ in Kabelsketal
Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeit von Bestattenden verändert. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Götz Walter

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Abstandsregeln haben die Arbeit von Bestatterinnen und Bestattern im Land verändert. Der Obermeister der Bestatterinnung Sachsen-Anhalt, Wolfgang Ruland, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir haben Beisetzungen in Stille, wo gar nichts passiert." Außerdem würden viele Trauerfeiern auf eine Grabrede reduziert. Denn in der Friedhofskapelle sei meist zu wenig Platz, damit die Angehörigen die Abstandsregeln einhalten können. Wenn eine Familie nicht auf eine größere Trauerfeier verzichten wolle, so Ruland, werde alles unter freiem Himmel aufgebaut "wie in der Kapelle".

Übersterblichkeit im Dezember bei 29 Prozent

Seit Ende des Jahres 2020 stellt Ruland eine erhöhte Anzahl an Sterbefällen fest. Das bestätigen auch Zahlen des Statistischen Landesamtes. Demnach lag die Übersterblichkeit im Dezember bei 29 Prozent. Es sind also deutlich mehr Menschen gestorben als in statistischen Vergleichszeiträumen.

Vor allem in den vergangenen drei Wochen arbeiteten die Bestatter "rund um die Uhr". Insbesondere nachts würden Kolleginnen und Kollegen im Bereitschaftsdienst gar nicht ins Bett kommen. "Zur Zeit haben wir sehr viel zu tun. Die letzten dreieinhalb Wochen haben uns schon an den Rand des Möglichen gebracht", sagte Ruland.

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Krematorium im Drei-Schicht-Betrieb

Das Krematorium in Quedlinburg arbeitet im Drei-Schicht-Betrieb. Das sei in den Wintermonaten normal, weil es saisonbedingt mehr Sterbefälle gebe, sagte Leiterin Anja Windel MDR SACHSEN-ANHALT. Seit Dezember mache die Zahl der Corona-Verstorbenen 20 Prozent aus. An einem Tag würden normalerweise etwa 30 Verstorbene kremiert. Seit Corona seien es bis zu 40 Tote am Tag. Ähnlich ist die Situation im Krematorium in Halle. Wie Geschäftsführer Michael Kriebel MDR SACHSEN-ANHALT sagte, würden gegenwärtig durchschnittlich 38 Verstorbenen pro Tag kremiert, angeliefert werden aber doppelt so viele.

Wegen der verstorbenen Corona-Infizierten müssen die Bestattenden und Krematoriumsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter Schutzkleidung tragen. Anja Windel vom Krematorium Quedlinburg beschreibt die aktuelle Arbeitssituation: "Es ist schon etwas anderes, wenn jeder Sarg desinfiziert wird, die Kollegen sich den Einmalanzug anziehen und die Maske aufsetzen. Sicherlich ist es ein anderer Arbeitsschritt als es vor Corona-Zeiten war, keine Frage. Aber inzwischen sind die Kollegen und wir alle so routiniert, dass da kaum noch eine Verzögerung stattfindet."

Angespannte Situation nicht neu

Bundesweit seien die Friedhöfe auf die erhöhte Zahl der Toten gut eingestellt. Der Geschäftsführer des bundesweiten Friedhofsverbandes in Aschersleben, André Könnecke, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir können jede Bestattung absichern." Auch ein größeres Aufkommen von Sterbefällen könne würdevoll abgearbeitet werden.

Auch wenn die Situation in den Krematorien derzeit angespannt sei: "Das ist nichts neues", sagt Wolfgang Ruland von der Bestatterinnung Sachsen-Anhalt. Zuletzt habe es im Frühjahr 2018 eine erhöhte Sterblichkeit gegeben. Im März und April 2018 waren die Sterbezahlen laut Ruland noch höher als jetzt. Grund dafür war nach Angaben des Robert-Koch-Instituts eine außergewöhnlich schwere Grippewelle.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Januar 2021 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Critica vor 37 Wochen

Mediator, ich leuge nicht Corona, halte alles ein, was muss, kann mich allerdings nicht mit dem "Coronagedöns" der Politiker identifizieren. Und dazu darf noch jeder seine eigene Meinung haben.

Jana vor 37 Wochen

Wo ist es denn bitte Alarmismus, wenn man die Realität sachlich betrachtet, die Fakten wiedergibt und sein politisches Wunschdenken aussen vor lässt?

Aktuell grassiert Sars-Cov-2 in Deutschland und besonders im Osten davon. Aktuell haben wir nach mehreren Monaten [Teil]Lockdown den Lawinenartigen Anstieg der Infektions- und Sterbezahlen gerade einmal gebrochen und bewegen uns auf hohem Niveau seitwärts. Diese konnte nur durch einen harten Lockdown erreicht werden.

So etwas ist alarmierend und besorgniserregend und durchaus alarmierend.
Alarmismus wäre es, wenn es keine Gründe für die Sorgen gäbe.

Jana vor 37 Wochen

Was wollen sie uns eigentlich sagen? Dass Covid-19 eine ungefährliche Erkrankung ist und dass der Sars-Cov-2 Erreger ein harmloser Virus ist, mit dem unsere Gesellschaft zwar leben muss, der aber nichts an unserem Leben verändert? Lügen sie sich deshalb die sich stapelnden Särge schön, weil diese nicht zu ihrer seltsamen Wahrnehmung der Realität passen?

Aufwachen! Momentan sterben pro Tag mehrere hundert Menschen in Deutschland an Covid-19 und innerhalb des letzten Jahres waren es bereits über 30 tsd Menschen, die deswegen ihr Leben verloren haben. Ohne Lockdown wären es wohl Zehntausende mehr.

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