Corona-Forschung Wie ein Labor in Bernburg Corona-Mutationen untersucht

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

In Deutschland werden Proben vergleichsweise selten genetisch auf Virusmutationen untersucht. In einem Labor in Bernburg wird aber versucht kleinste Veränderungen des Virus zu erkennen – mit der Hilfe von teurer Technik. Dabei gilt der Leitsatz: Je schneller, desto besser. Denn die Gesundheitsämter sind auf die Arbeit der Labore angewiesen. MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Tom Gräbe schaut ins Zentrallabor des Krankenhausbetreibers AMEOS in Bernburg.

Zentrallabor Bernburg, Mann mit Teströhrchen in den Händen.
Laborleiter Mark Wasner schiebt Proben in die Analyse-Maschine. Der Prozess läuft größtenteils automatisch. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Das Corona-Virus verändert sich. Auch in Sachsen-Anhalt sind mittlerweile mehrere Varianten im Umlauf. Unter anderem wurde in Magdeburg und im Landkreis Harz die britische Mutation festgestellt. Laut Robert Koch-Institut ist sie ansteckender. Umso wichtiger ist es, dem Virus auf die Schliche zu kommen, wie es in Bernburg versucht wird.

Das Labor in Bernburg

Zentrallabor Bernburg von Außen.
Das Zentrallabor des Krankenhausbetreibers AMEOS in Berburg ist ein Neubau.  Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Ein großer luftiger Raum. Darin Apparate und Arbeitsplätze hinter Glas. Auf den Schreibtischen sind Mikroskope. Labormitarbeiter und -mitarbeiterinnen tragen Halterungen mit Röhrchen durch den Raum, schauen auf Kurven und Diagramme. Das Labor ist ein hochmoderner Neubau. Vieles hier läuft automatisch. Die Proben für die Corona-Tests tragen einen Strichcode.

Das System zur Analyse der Corona-Tests ist so groß wie eine Schrankwand. An der Seite befinden sich Einschübe für die Proben und Test-Materialien. Die Maschine sucht nach Spuren des Corona-Virus. Sie bereitet die Abstriche der Patienten und Patientinnen auf und analysiert einzelne Bestandteile.

1.000 bis 2.000 Proben täglich

Zentrallabor Bernburg, Mann klbt Strichcode auf Teströhrchen.
Die Proben für die Corona-Tests tragen einen Strichcode. In 24 Stunden sollen Ergebnisse vorliegen. Das ist die Vorgabe. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Die Ergebnisse werden in Diagrammen angezeigt. "Wir bearbeiten zwischen 1.000 und bis zu 2.000 Proben in der Spitze pro Tag", so Robert Lange, Direktor für Labordiagnostische Leistungen bei der AMEOS-Gruppe. Die Proben kommen aus ganz Deutschland, zum Beispiel aus dem Ruhrgebiet, aus Bremerhaven, aus Thüringen sowie aus dem Umfeld, so Lange.

Ob sich Patienten oder Patientinnen mit den Virusvarianten aus Großbritannien oder Südafrika infiziert haben, untersuchen sie gleich mit. Den Fingerabdruck dieser Mutationen erkennen die Apparate.

Teure Technik aus Halle

Um komplett neue oder bislang unbekannte Mutationen bzw. Abweichungen zu finden, braucht es allerdings einen Blick auf größere Teile des Bauplans der Viren. Spezielle Technik, wie ein Apparat zur Sequenzierung, sei dafür notwendig.

An der Universität in Halle gibt es solche Geräte. Damit lassen sich unbekannte Veränderungen der Viren erkennen. Das Problem sei, dass sie das Gerät kaufen müssen, sagt Michael Gekle, Professor an der medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Momentan besäße die Universität kleinere Geräte. Man schaffe sich gerade größeres an: "Wenn man das Gerät hat und die Grundprinzipien versteht, ist das eigentliche Sequenzieren nicht so kompliziert", so Gekle.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Neues Gerät soll Abhängigkeit durch Dritte vermeiden

Im AMEOS-Labor in Bernburg wurde auch ein Sequenzier-Gerät bestellt. Der Blick auf den Bauplan lässt sich mit Datenbanken abgleichen, in denen die Struktur der Viren erfasst wird.

"Wenn wir die Technologie nutzen können, hat es den Vorteil, dass wir kurzfristig zeitnah selbst analysieren können, ohne auf Dritte angewiesen zu sein. Um selbst die Entscheidung treffen zu können, ob es sich um relevante Varianten handelt, bei unseren Patienten innerhalb unserer Krankenhäuser", sagt Laborleiter Mark Wasner.

Auch für die Analyse von Proben für die Gesundheitsämter sei es wichtig, zeitnah Ergebnisse liefern zu können. Es sei wichtig, erkennen zu können, ob in der Bevölkerung der ursprüngliche, also der Wildtyp des Virus zirkuliere oder ob inzwischen Varianten kursieren. Varianten, die auch ansteckender sein können.

Bislang haben sie hier im Labor aber noch nicht gesehen, dass mutierte Viren zirkulieren. Man müsse sich aber darauf vorbereiten, dass das früher oder später passieren wird. Testen sei eine wichtige Komponente, um schnell Infektionsherde zu identifizieren und dann auszutreten, so Labordirektor Robert Lange.

Schnelle Testergebnisse wichtig für die Gesundheitsämter

Die Auswertung der Proben in der PCR-Test-Maschine zeigt Ausschläge – Spuren des Corona-Virus. Der gesamte Prozess der Probenentnahme,  Anlieferung, Analyse und Ergebnis, soll nicht länger als 24 Stunden dauern.

Zentrallabor Bernburg, eine Kurve auf einem Monitor zeigt Testergebnisse an.
Die Maschine sucht Spuren des Corona-Virus. Die Ergebnisse sind als Ausschläge in einem Diagramm sichtbar.  Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Schnelle Ergebnisse sind wichtig. Schließlich schreiben die Gesundheitsämter auf Grundlage der Befunde Quarantänebescheide. Sie müssen dafür sorgen, dass sich Infizierte sofort isolieren oder es gibt Entwarnung, wenn der Test negativ ist.

Wichtiger ist dabei, nicht nur das Virus an sich zu erkennen, sondern auch, ob es sich verändert hat. Denn wenn wir vieles nicht genau wissen, scheint eines klar: Mutationen sind auf dem Vormarsch.

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT - als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs. Er produziert Hörfunkbeiträge, schreibt Texte für die Online-Redaktion und ist ab und zu auch für das Regionalmagazin MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE mit der Kamera unterwegs. Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zum Hörfunk gekommen ist er als Teenager. Nach einem Praktikum bei einem Freien Radio hat er viele Jahre im Vorharz gefunkt. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

MDR/ Tom Gräbe, Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. Februar 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

vbecland vor 16 Wochen

Hut ab vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie schieben schon seit Wochen Überstunden. Danke.

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