Erneuerbare Energie Ausbau der Windenergie stockt

Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt für das MDR AKTUELL Nachrichtenradio
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In Sachsen-Anhalt hat man das Ziel, dass auf zwei Prozent der Landesfläche Windräder stehen sollen, fast erreicht. Laut Landesregierung sind es aktuell 1,8 Prozent. Zum Vergleich: In Thüringen sind es 0,4 Prozent, in Sachsen nur 0,3 Prozent. Doch das Ziel zu erreichen, könnte schwer werden. Der Ausbau geht im Bundesland seit Jahren zurück.

Windräder drehen sich neben Hochspannungsstromleitungen im Süden von Halle/Saale.
Ein Teil der Windräder in Sachsen-Anhalt muss wieder zurückgebaut werden. Bildrechte: dpa

Scharen roter Blinklichter am Himmel. Für die, die in der Nacht durch Sachsen-Anhalt fahren, ein gewohnter Anblick. Die blinkenden roten Punkte markieren Windräder und von denen gibt es viele in Sachsen-Anhalt. Nach Angaben der Landesregierung sind 1,8 Prozent der Landesfläche mit Windrädern bebaut. Im Bundesvergleich ist das richtig ordentlich, zumindest auf den ersten Blick.

Auf den Zweiten wird deutlich: 0,7 Prozent der bebauten Flächen sind nach heutiger Gesetzeslage nicht mehr für Windparks geeignet. Umwelt- und Energieminister Armin Willingmann sagt: "Deshalb haben wir im Augenblick das Dilemma, dass wir nominell scheinbar nah dran sind am Flächenziel, andererseits aber von Rechtswegen gehalten sind, einen Teil wieder zurückzubauen, während wir an anderer Stelle wieder aufbauen müssen."

Der Ausbau stockt und zwar seit Jahren, wie Willingmann erklärt. Seit 2018 sei der Ausbau in Sachsen-Anhalt deutlich zurückgegangen. Richtig voran sei der Ausbau Anfang der 2000er-Jahre gegangen, als es noch entsprechende Vergütung dafür gegeben habe: "Das ist jetzt schwerer geworden, weil es unterschiedliche Hinderungsgründe gibt. Dazu zählen Mindestabstände zu Wohnbebauung, Naturschutz und artenschutzrechtliche Überlegung und vieles andere mehr. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass wir beim Ausbau jetzt etwas erlahmt sind", sagt Willingmann.

Wirtschaftlich hatte sich diese Erlahmung, wie der Minister es nennt, auch auf dem Arbeitsmarkt niedergeschlagen. 2019 hatte beispielsweise der Windanlagenbauer Enercon 1.500 Arbeitsplätze abgebaut.

Den Stillstand beobachtet man auch beim Landesverband für Erneuerbare Energien mit Sorge. Felix Langer vom Verband hat auf seinem Besprechungstisch ein Miniaturwindrad stehen. Mit Blick auf den Ausbau der Windenergie sagt er: "Wir erleben so ein bisschen das, was wir ein paar Jahre zuvor bei der Photovoltaik erlebt haben." Nach großem Boom und viel Engagement des Landes dann der Einbruch.

Willingmann fordert Unterstützung vom Bund

Ein weiteres Problem ist, Windräder aufstellen alleine reicht nicht. Dazu muss es Stromnetze geben, die die Energie transportieren. Die werden über sogenannte Netzentgelte finanziert.

Sachsen-Anhalts Energieminister Willingmann mokiert: Wo viele Erneuerbare erzeugt werden, müssen die Menschen vor Ort den Ausbau der Netze finanzieren. In einem Flächenland wie Sachsen-Anhalt mit viel Windenergie und wenig Menschen ein Problem: "Ein Land wie Sachsen-Anhalt, das sehr weit vorne ist beim Windkraftausbau, ist bei den Netzentgelten leider dann auch sehr weit vorne. Bei uns sind es immerhin schon für mehr als 61 Prozent der Stromerzeugung erneuerbare. Mit anderen Worten: Diese Netzentgelte müssen wir mit dem Bund klären."

Dem stimmt Felix Langer vom Landesverband Erneuerbare Energie Sachsen-Anhalt zu. "Mittlerweile glaube ich, sind wir an einem Punkt, dass tatsächlich der Eindruck entstehen könnte, dass man bestraft wird dafür, dass man Erneuerbare hat und eigentlich sollte es, wenn dann andersherum sein", sagt Langer schmunzelnd und mit Blick wieder auf die Windradminiatur auf dem Tisch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 26. Juli 2022 | 06:00 Uhr

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