Zahnärztliche Versorgung Immer weniger Zahnarzt-Praxen in Sachsen-Anhalt

In den vergangenen zehn Jahren haben 280 Zahnarzt-Praxen in Sachsen-Anhalt geschlossen. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung meldet: Der Trend setzt sich fort. 2030 sind demnach zwei Landkreise unterversorgt, wenn sich an der aktuellen Entwicklung nichts ändert. Das geht aus den Antworten der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor.

Ein Zahnarzt behandelt mit einer Zahnarzthelferin eine Frau.
Mehr als die Hälfte der Zahnärzte ist über 55 Jahre alt und geht in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand. Die Voruntersuchungen können dann aber nicht ausfallen.(Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack

In Sachsen-Anhalt schließen viele Zahnarzt-Praxen und nur wenig neue machen auf. Zwischen 2010 und 2020 schlossen laut der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt 280 Praxen. Demgegenüber stehen 31 neugegründete. Auch die Anzahl der Kassenzahnärzte geht zurück, da sind es 162 weniger als 2010. Allerdings stieg die Anzahl derer, die angestellt in einer Praxis arbeiten.

Das geht aus noch nicht veröffentlichten Antworten der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Cornelia Lüddemann (Grüne) zurück. Die Antworten liegen MDR SACHSEN-ANHALT bereits vor. Weil die Landesregierung keine eigenen Daten dazu erhebt, bezieht sie sich auf Zahlen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Sachsen-Anhalt. Allerdings können die wiederum keine Aussagen über den Öffentlichen Gesundheitsdienst treffen. Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes arbeiten auf kommunaler und Länderebene für Gesundheitsämter, Behörden und Ministerien.

Über- und Unterversorgt

Wie viele Zahnärztinnen und -ärzte eine Region braucht, um versorgt zu sein, hängt davon ab, wie viele Menschen dort leben. Die KZV berechnet daraus den sogenannten Versorgungsgrad. Liegt der bei mehr als 110 Prozent, spricht die Vereinigung von einer "Überversorgung". Bei weniger als 50 Prozent von einer "Unterversorgung".

Trotz der sinkenden Zahlen liegt der Versorgungsgrad in Sachsen-Anhalt aktuell bei 110 Prozent und mehrere Landkreise gelten als überversorgt. Laut KZV liegt nur die kieferorthopädische Versorgung im Saalekreis und der Börde unter 50 Prozent.

Demografischer Wandel auch bei Zahnärzten

Aber in allen Landkreisen ist mehr als die Hälfte die Zahnärztinnen und -ärzte älter als 55. Sie gehen voraussichtlich in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand – laut KZV durchschnittlich mit 63 Jahren. Sollte es so weitergehen wie bisher, bedeutet das: In zehn Jahren steht Sachsen-Anhalt nicht mehr so gut da. Regional gäbe es zwar Unterschiede, aber das Jerichower Land und die Börde wären dann unterversorgt, prognostiziert die KZV. Für einen Versorgungsgrad von 100 Prozent fehlten "472 zusätzliche Zahnärztinnen und Zahnärzte".

Die Grünen-Abgeordnete Cornelia Lüddemann fragte die Landesregierung außerdem nach Maßnahmen, die zukünftige zahnmedizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt zu sichern. Aktuell sei das KZV "für eine aktive Nachwuchsarbeit". Bisher gibt es 40 Plätze für ein zahnmedizinisches Studium in Sachsen-Anhalt. Weitere Plätze seien aktuell nicht vorgesehen, denn dafür müsste zunächst in Ausstattung und weiteres Personal investiert werden.

Gegenüber dem MDR SACHSEN-ANHALT spricht sich Cornelia Lüddemann dafür aus, die Studierenden dabei zu unterstützen, nach ihrem Abschluss in Sachsen-Anhalt eine Praxis zu eröffnen. In den vergangenen Jahren blieb nicht Mal die Hälfte in Sachsen-Anhalt.

MDR/David Muschenich

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. April 2021 | 20:00 Uhr

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