Halbjahresbilanz Zeugnisse und Corona: Wie das Omikron-Schulhalbjahr lief

MDR SACHSEN-ANHALT-Autor Hannes Leonard steht im Profil vor einer Wand
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Rund 200.000 Schüler und Schülerinnen bekommen ihre Halbjahreszeugnisse. Inzwischen haben sie sich ans Lernen unter Corona-Bedingungen gewöhnt. Masken und tägliche Tests gehören zum Alltag. Allerdings wollen sie ausgefallene Klassenfahrten nachholen und verlangen dafür Fördermittel.

Moritz Eichelmann, Vorsitzender des Landeschülerrates Sachsen-Anhalt, lehnt in einem Klassenzimmer an einem Tisch. 9 min
Moritz Eichelmann, Vorsitzender des Landeschülerrates Sachsen-Anhalt Bildrechte: privat
9 min

Schüler Moritz Eichelmann über den Unterricht mit Corona-Einschränkugen

MDR SACHSEN-ANHALT Do 10.02.2022 12:58Uhr 09:17 min

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Rund 200.900 Schülerinnen und Schüler des Landes erhalten an diesem Freitag ihre Halbjahreszeugnisse. Begleitet wurde das Halbjahr von Präsenz- und Maskenpflicht auch für Grundschüler, täglichen Corona-Tests oder Quarantänen. Fakt ist: Inzwischen ist die Omikron-Welle in den Schulen im Land angekommen. Aktuell sind mehr als 7.500 Schüler oder Schülerinnen mit Corona infiziert (Stichtag 3. Februar). Angesichts dieser Zahlen wird immer wieder diskutiert, ob das Festhalten an der Präsenzpflicht der richtige Weg ist.

Moritz Eichelmann im Portrait. Er ist Vorsitzender des Landesschülerrates Sachsen-Anhalt
Moritz Eichelmann ist Schüler am Domgymnasium Merseburg. Bildrechte: privat

Fragt man weiter, wie das Schuljahr unter Corona-Bedingungen gelaufen ist, antwortet Moritz Eichelmann, Schüler am Domgymnasium Merseburg: "Es ist ja schon das vierte oder fünfte Halbjahr mit Corona, man verliert langsam den Überblick." Und klar, völlig unbeschwert kann man derzeit nicht in die Schule gehen, erzählt Moritz weiter: "Man geht mit einem mulmigen Gefühl." Die größte Angst des 17-jährigen Schülers: Sich selbst mit Corona anzustecken und dadurch Unterricht zu verpassen.

Oft wird auch die Maskenpflicht kontrovers diskutiert. Besonders bei den Kleinen erschwere sie im Unterricht die Kommunikation und das Lernen, so die Argumente der Kritiker. Doch offenbar läuft der Alltag in den Schulen deutlich reibungsloser. Jedenfalls beschreibt das der 16-jährige Felix Schmidt so. Er ist Schüler am Lucas-Cranach-Gymnasium in Wittenberg: "Also ich denke, inzwischen hat man sich daran gewöhnt. Ich glaub, die Wenigsten stört das Maske-Tragen mittlerweile noch. Auch das Testen sind nur fünf Minuten in der ersten Stunde und das kann man verkraften."

Die Pandemie ist im Alltag der Schüler angekommen

Corona gehört für die Schüler und Schülerinnen im Land also inzwischen zum Alltag. "Man hört immer wieder dass Klassenkameraden infiziert sind, dass die in Quarantäne sind", erzählt Moritz. Auch für Felix waren die Einschränkungen durch die Quarantäne die deutlichsten Auswirkungen der Pandemie: "Dadurch mussten auch viele Lehrer zu Hause bleiben und viel Unterricht ist ausgefallen oder man hat ihn verpasst – das hat zuletzt am meisten genervt." Ein weiteres Problem sei die schlechte Kommunikation der Einschränkungen.

Es wird immer viel über die Schüler geredet, aber meistens nicht so viel mit denen. Mir ist aufgefallen, dass es meistens zu Gesprächen gekommen ist, wenn die Beschlüsse schon gefallen sind. Wenn alles schon entschieden war, hat man auch die Schüler gefragt. Das finde ich sehr schade.

Moritz Eichelmann

Die Forderung von Moritz: Schüler schon eher an Entscheidungen beteiligen, nicht über ihre Köpfe hinweg entscheiden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Positiv haben beide Schüler zusätzliche Angebote an ihren Schulen wahrgenommen, mit denen entstandene Corona-Nachteile ausgeglichen werden sollen. "In den Ferien gab es Kurse in den wichtigen Fächern wie Deutsch oder Mathe für Schüler, die im Homeschooling nicht richtig mitgekommen sind", erzählt Felix. Und Moritz ergänzt, dass mit den Fördermitteln die Schüler eine gute Zuverdienstmöglichkeit gehabt hätten. Schüler aus den höheren Klassen haben Förderunterricht gegeben und "sind dafür auch ganz ordentlich bezahlt worden."

Wunsch: Klassenfahrten nach Corona nachholen

Auch in Sachen Digitalisierung an den Schulen sei ein großer Schritt gemacht worden. Viele Schüler und fast alle Lehrer hätten inzwischen Tablets, um damit auch im Unterricht arbeiten zu können. "Da hat Corona sicher viel nachgeholfen", meint Felix. Allerdings: "Oft fehlen dann wichtige Grundlagen wie W-Lan an Schulen oder Kabel, um die Technik zum Laufen zu bringen", beschreibt Felix seinen Alltag an den Schulen im Land.

Wichtig für die Zukunft ist besonders Moritz aber eine Sache: "Klassenfahrten, die in den letzten Monaten ausgefallen sind, sollten unbedingt nachgeholt werden. Dafür muss es auch Förderprogramme geben." Schließlich schweiße einen Klassenverband nichts mehr zusammen, als eine gemeinsame Fahrt. Und so ein gemeinsamer Ausflug wäre ja in der Tat auch ein guter Abschluss dieser besonderen Pandemie-Zeit.

MDR (Hannes Leonard)

1 Kommentar

Peter vor 25 Wochen

Es ist schon interessant, die Kinder und Jugendlichen zu hören. Der Tenor: Große Einsicht in die Notwendigkeit, sich vor dem Virus zu schützen und damit auch Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Andererseits Optimismus in die Zukunft.
Wohltuend angesichts des Egoismus und der Uneinsichtigkeit bei einigen Erwachsenen.

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