Studie Zu wenig Frauenhäuser und Beratungsstellen in Sachsen-Anhalt

Einer aktuellen Studie zufolge fehlen in Sachsen-Anhalt Frauenhäuser und Beratungsstellen für Opfer sexualisierter Gewalt. Die Studie fordert, das Themenfeld Gewalt gegen Frauen ernsthaft in den Blick zu nehmen und die Angebote auszubauen.

Eine gezeichnete Frauenhand mit dunkel-rotem Nagellack wird von einer großen, grauen Männerhand an einen grauen Untergrund gedrückt.
In Sachsen-Anhalt fehlen Beratungsstellen für Opfer sexualisierter Gewalt. Auch die Zahl der Frauenhäuser ist einer Studie zufolge nicht ausreichend. Bildrechte: Filmakademie Baden-Württemberg | unicato

In Sachsen-Anhalt gibt es zu wenige Frauenhäuser. Das ist eines der Ergebnisse einer unabhängigen Studie der Hochschule Merseburg. Demnach ist das Land Schlusslicht bei der Zahl von Frauenschutzhäusern und der Betreuung von Frauen, die Opfer von sexualisierten Übergriffen wurden.

Aktuell existieren laut Studie 19 Frauenschutzhäuser mit 121 Wohnplätzen im Land. Die Studienmacher verweisen darauf, dass damit eine große Kluft zur Empfehlung des Europarats besteht. Demnach wären 171 zusätzliche Plätze erforderlich, was etwa 27 weiteren Frauenhäusern entspricht.

Fehlende Beratungsstellen für Opfer sexualisierter Gewalt

Auch bei den Beratungsstellen für Betroffene von sexualisierter Gewalt gibt es Nachholbedarf. Davon gibt es landesweit vier. Gemessen an der Einwohnerzahl sind das so wenige, wie in keinem anderen Bundesland. Die Studie führt als Beispiel auf: eine betroffene Frau aus Wernigerode muss für eine spezialisierte Beratung fast 100 km bis nach Magdeburg fahren.

Gestiegener Beratungsbedarf

Der Studie nach ist zudem der Beratungsbedarf gestiegen. Beim Wildwasser Halle e.V. etwa ließen sich 2019 fast 1.700 Menschen beraten, im Jahr darauf mehr als 2.200. Konkret schlagen die Studienmacher vor, in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt eine Fachberatungsstelle einzurichten. Das entspreche 14 Einrichtungen, damit wäre Sachsen-Anhalt beim bundesweiten Vergleich im Mittelfeld.

Darüber hinaus kommt die Studie zu dem Schluss, dass etwa bei Vergewaltigungen eine zeitnahe und damit gerichtsfeste Spurensicherung in vielen Fällen nicht möglich ist. Grund dafür sei, dass es lediglich zwei zentrale Einrichtungen in Halle und Magdeburg gebe. Die rechtsmedizinische Notfallhilfe sollte aber auch an den örtlichen Kliniken möglich sein.

Studienautor: Sachsen-Anhalt erfüllt gesetzlichen Auftrag nicht

Studienautor Prof. Heinz-Jürgen Voß macht deutlich: "Wir brauchen eine ganze Veränderung der Angebotsstruktur, um den rechtlich zugesicherten Beratungsstandard zu gewährleisten." Dabei gehe es etwa um die Trauma- und auch die rechtsmedizinische Notfallversorgung. Hier erfülle das Land aus wissenschaftlicher Sicht nicht den gesetzlichen Auftrag. Voß fordert von der Landespolitik, jetzt zu handeln. Sie müsse das Themenfeld Gewalt gegen Frauen ernsthaft in den Blick nehmen. "Das bedeutet auch Geld in die Hand nehmen", betont Voß.

Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | Nachrichten | 22. Juni 2021 | 14:30 Uhr

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